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21. Juni 2019, 14:03 Uhr

Nadine Angerer über Kampf für Gleichbehandlung

"Die Spielerinnen müssen das jetzt anzetteln"

In den USA und anderen Ländern kämpfen Spielerinnen gegen die Ungleichbehandlung und für mehr Geld. Die ehemalige Nationaltorhüterin Nadine Angerer wünscht sich das auch in Deutschland.

Bei den Bemühungen um eine bessere Bezahlung von Fußballerinnen nimmt die ehemalige deutsche Nationaltorhüterin Nadine Angerer den DFB und die deutschen Spielerinnen in die Pflicht. "Vom Verband müssen viel mehr Möglichkeiten geschaffen werden", sagte die zweimalige Weltmeisterin dem "Tagesspiegel". "Wenn ich sehe, dass die Zahlungen des DFB, Tagegelder und Prämien, seit Jahren nicht angeglichen wurden, dann müssen auch die Spielerinnen mehr fordern", so die 40-Jährige.

Spielerinnen aus anderen Ländern wie Norwegen oder den USA haben öffentlich mehr Geld von ihren Verbänden verlangt. Die US-Amerikanerinnen haben rechtliche Schritte eingeleitet. Die aktuell beste Spielerin der Welt, Ada Hegerberg, verzichtete aus Protest gegen die Ungleichbehandlung auf ihre WM-Teilnahme für Norwegen. In Deutschland sieht Angerer da besonders erfahrene Spielerinnen wie Kapitänin Alexandra Popp, Torhüterin Almuth Schult, Melanie Leupolz oder Laura Benkarth in der Pflicht: "Das sind Spielerinnen, die das jetzt anzetteln müssen", sagte sie.

Schult hatte sich bereits vor der WM geäußert und Missstände beim Thema Gleichberechtigung beim DFB angeprangert. Auch die ehemalige Bundestrainerin Steffie Jones kritisierte im SPIEGEL die Rückständigkeit des Verbands.

75.000 Euro Titelprämie gegenüber 350.000 bei den Männern

Der DFB hatte die Titelprämie vor dem Turnier auf 75.000 Euro pro Spielerin angehoben. 2015 bei der WM in Kanada waren es noch 65.000 Euro. Die Männer hätten bei einer erfolgreichen Titelverteidigigung bei der WM 2018 allerdings mehr als das Vierfache bekommen (350.000 Euro).

DFB-Interimspräsident Rainer Koch begründete die Diskrepanz gegenüber der ARD kürzlich so: "Aktuell ist es so, dass mit der Frauen-Nationalmannschaft bei Weitem nicht die Erlöse erzielt werden können, die im Männerfußball realisiert werden."

Obwohl es weltweit Bemühungen gibt, den sogenannten Gender Pay Gap im Sport zu überwinden, sieht der DFB keinen weiteren Handlungsbedarf. Bisher war es aber auch so, dass sich wenige deutsche Spielerinnen dagegen auflehnten - wie es die US-Amerikanerinnen getan haben.

Angerer lebt seit mehreren Jahren in den USA, ist seit 2016 Torwarttrainerin des Portland Thorns FC.

mey

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