Nadine Angerer über Kampf für Gleichbehandlung "Die Spielerinnen müssen das jetzt anzetteln"

In den USA und anderen Ländern kämpfen Spielerinnen gegen die Ungleichbehandlung und für mehr Geld. Die ehemalige Nationaltorhüterin Nadine Angerer wünscht sich das auch in Deutschland.

Nadine Angerer
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Nadine Angerer


Bei den Bemühungen um eine bessere Bezahlung von Fußballerinnen nimmt die ehemalige deutsche Nationaltorhüterin Nadine Angerer den DFB und die deutschen Spielerinnen in die Pflicht. "Vom Verband müssen viel mehr Möglichkeiten geschaffen werden", sagte die zweimalige Weltmeisterin dem "Tagesspiegel". "Wenn ich sehe, dass die Zahlungen des DFB, Tagegelder und Prämien, seit Jahren nicht angeglichen wurden, dann müssen auch die Spielerinnen mehr fordern", so die 40-Jährige.

Spielerinnen aus anderen Ländern wie Norwegen oder den USA haben öffentlich mehr Geld von ihren Verbänden verlangt. Die US-Amerikanerinnen haben rechtliche Schritte eingeleitet. Die aktuell beste Spielerin der Welt, Ada Hegerberg, verzichtete aus Protest gegen die Ungleichbehandlung auf ihre WM-Teilnahme für Norwegen. In Deutschland sieht Angerer da besonders erfahrene Spielerinnen wie Kapitänin Alexandra Popp, Torhüterin Almuth Schult, Melanie Leupolz oder Laura Benkarth in der Pflicht: "Das sind Spielerinnen, die das jetzt anzetteln müssen", sagte sie.

Schult hatte sich bereits vor der WM geäußert und Missstände beim Thema Gleichberechtigung beim DFB angeprangert. Auch die ehemalige Bundestrainerin Steffie Jones kritisierte im SPIEGEL die Rückständigkeit des Verbands.

75.000 Euro Titelprämie gegenüber 350.000 bei den Männern

Der DFB hatte die Titelprämie vor dem Turnier auf 75.000 Euro pro Spielerin angehoben. 2015 bei der WM in Kanada waren es noch 65.000 Euro. Die Männer hätten bei einer erfolgreichen Titelverteidigigung bei der WM 2018 allerdings mehr als das Vierfache bekommen (350.000 Euro).

DFB-Interimspräsident Rainer Koch begründete die Diskrepanz gegenüber der ARD kürzlich so: "Aktuell ist es so, dass mit der Frauen-Nationalmannschaft bei Weitem nicht die Erlöse erzielt werden können, die im Männerfußball realisiert werden."

Obwohl es weltweit Bemühungen gibt, den sogenannten Gender Pay Gap im Sport zu überwinden, sieht der DFB keinen weiteren Handlungsbedarf. Bisher war es aber auch so, dass sich wenige deutsche Spielerinnen dagegen auflehnten - wie es die US-Amerikanerinnen getan haben.

Angerer lebt seit mehreren Jahren in den USA, ist seit 2016 Torwarttrainerin des Portland Thorns FC.

mey

insgesamt 38 Beiträge
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Nonvaio01 21.06.2019
1. mehr Geld?
sorry aber eine randsport art kann nicht soviel verdienen wie Top sport. Bei einer WM sind die quoten ja ok, aber was zaehlt sind BL und der rest, und da sind die zuschauer einfach nicht da, auch TV presents is wenig weil sich das nur wenige anschauen. Angebot und nachfrage, und die nachfrage rechtfertigt eben nicht mehr Geld.
don_leonardo_al_dente 21.06.2019
2. Denkfehler,
ich muss - ausnahmsweise - dem DFB rechtgeben. Zumindest aktuell wird mit Frauenfußball vermutlich wesentlich weniger erwirtschaftet (Fernsehgelder, Werbeeinnahmen etc.). Auch ist Frauenfußball nur eine Randsportart, ich schätze im Vergleich zur Männer-WM sind die Einschaltquoten recht überschaubar und habe ich die Public-Viewings zur Frauen-WM verpasst. Vermutlich ist auch die Zahl der Fußball spielenden Mädchen im Vergleich zu Jungen um eine Größenordnung geringer und der Weg zur Nationalspieler ist wesentlich "kürzer", da die Konkurrenz überschaubarer ist. Deshalb ist - meiner Ansicht nach - die Bezahlung/Entlohnung auf dem niedrigeren Niveau gerechtfertigt. Ein Tip: Am besten zum Tennis wechseln, dort bekommen die Damen für weniger Arbeit die gleiche Siegprämie. Zumindest bei Grand-Slam-Turniere, während Männer über 3 Gewinnsätze gehen müssen, reichen bei Frauen schon 2 Gewonnene. Die Siegprämien sind - meiner Erinnerung nach -, aber seit Jahren gleich hoch.
quark2@mailinator.com 21.06.2019
3.
Die Einnahmen von Sportlern kommen vor allem aus verkaufter Werbung. D.h. es ist fair, wenn das Einkommen dem gleichen Anteil an den selbst generierten Werbeeinnahmen entspricht. Wenn also ein Fußballer im Jahr für 1 Mio. Werbeeinnahmen verantwortlich wäre und er bekäme 500.000 und eine Fußballerin wäre für 2 Mio. Werbeeinnahmen verantwortlich und bekäme 1 Mio., dann wäre das fair. Nach der gleichen Logik verdienen Golfer und Formel1-Fahrer mehr als Springreiter und entsprechend wird es für deutsche Biathleten schlechter, weil ihr Sport etwas aus der Mode kommt. Was definitiv aber nicht fair wäre, wäre eine Querfinanzierung der Fußballerinnen aus Einnahmen, die durch Fußballer (m) erzeugt werden. Das findet sich umgekehrt ja auch nirgends im deutschen Profisport.
tropfstein 21.06.2019
4. Es gibt wirtschaftliche Realitäten
Es ist nun mal so, dass die Männer-WM weitaus höheren Medienrummel, TV-Konsum, Werbeeinnahmen bringt. Wo mehr Geld ist, kann man mehr zahlen. Auch die WM-Stars im Feldhockey, Wasserball oder Radball müssen damit leben, dass sie weniger kriegen als die Fußballer.
helmut_ka 21.06.2019
5. Jenseits der Wertschöpfung
Der DFB weißt in seinen Finanzberichten für die jeweiligen Geschäftsjahre nur negative Einkünfte aus dem Frauenfußball aus. Es wir schon quersubventioniert aus den Einnahmen aus Männerfußball. Auch die U21 Männer refinazieren sich nicht aus den Einnahmen. Wer soll also etwas abgeben? Kein wirtschaftlivcher Geschäftsbetrieb lässt sich bei so einer schlechten Vermarktungsfähigkeit auf Dauer betreiben. Mal sehen, ob sich nach der WM der Frauen etwas ändert. Die ZUschauerzahlen am Fernsehn dürften miserabel sein. Man kann auch den Weg gehen, wie bei der Tennisspielerinnen (Profi). 30% Prozent weniger Leistung und das gleiche Preisgeld.
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