Korruptionsermittlungen Neue Enthüllungen belasten PSG-Chef

Der Präsident von Paris Saint-Germain, Nasser Al-Khelaifi, hat bei einem Verhör womöglich nicht die Wahrheit gesagt. Es geht um Zahlungen für Spieleragenten.

Nasser Al-Khelaifi
AFP

Nasser Al-Khelaifi

Von und


Einer der wichtigsten Fußballfunktionäre Europas steht unter Korruptionsverdacht. Nasser Al-Khelaifi, der Präsident von Paris Saint-Germain (PSG), ist von französischen Untersuchungsrichtern verhört worden - und hat den Ermittlern dabei womöglich nicht die Wahrheit gesagt. Diesen Schluss legen Dokumente nahe, in die der britische "Guardian", das französische Nachrichtenportal Mediapart und der SPIEGEL Einblick hatten.

Gemäß dieser Unterlagen hat Khelaifi offenbar 2011 vom Stabschef des heutigen Emirs von Katar Zahlungen für einen Spieleragenten erbeten. Die Summen sollten über ein katarisches Unternehmen laufen, das im Mittelpunkt von Untersuchungen rund um mutmaßliche Bestechungsgelder an hochrangige Sportfunktionäre steht.

Gegenüber französischen Ermittlern hatte Khelaifi in einem Verhör erklärt, dass er nicht zeichnungsberechtigt für die Firma gewesen sei und keine Ausgaben freigegeben habe. In einem vertraulichen Schreiben in arabischer Sprache, das auf dem Briefpapier des Unternehmens verfasst und von Nasser Al-Khelaifi unterzeichnet wurde, klingt das allerdings anders. Lesen Sie hier die ganze Geschichte auf Spiegel+.

Konkurrenten beklagen Wettbewerbsverzerrung

Mit den Recherchen konfrontiert, wollten Khelaifis Anwälte die Authentizität der Dokumente nicht kommentieren. Es sei eine große Menge irreführender Informationen und gefälschter Unterlagen im Umlauf, schrieben die Repräsentanten des Managers und verwiesen auf den Konflikt zwischen Katar und den sogenannten Blockadestaaten Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate.

Die neuen Entwicklungen haben tatsächlich eine politische Dimension: Sie könnten ein Prestigeprojekt des Golfstaats Katar erschüttern, der mit Milliardenausgaben in der Sportbranche sein Image in der Welt aufpolieren wollte. Bei der für den französischen Hauptstadtverein PSG aus Katar finanzierten Verpflichtung von Superstars wie Zlatan Ibrahimovic, Neymar und Gianluigi Buffon handelt es sich laut der verantwortlichen Manager um "nation branding", also gezieltes Marketing für das Land Katar mithilfe sportlichen Erfolgs. Bei Khelaifi, 45 Jahre alt, laufen die Fäden dieses Investitionsprojekts zusammen.

Der ehemalige Tennisprofi sitzt in der katarischen Regierung und ist Chef des katarischen Staatsfonds QSI, der offiziellen Besitzerfirma des Pariser Vereins. Seitdem QSI im europäischen Fußball eingestiegen ist, beklagen Konkurrenten Wettbewerbsverzerrung durch die scheinbar unbegrenzten finanziellen Mittel, die über katarische Staatsunternehmen in PSG gepumpt werden.

Der europäische Fußballverband Uefa ermittelte gegen den Verein wegen unerlaubter Investitionen. Football-Leaks-Enthüllungen des SPIEGEL zeigten, dass die Pariser mit einem sogenannten Settlement sehr glimpflich davon gekommen sind. Spätere erneute Untersuchungen des Verbands scheiterten an einem Formfehler.

Trotz der Ermittlungen wurde Khelaifi Anfang des Jahres in das Exekutivkomitee der Uefa gewählt und soll dort nun über wegweisende Entscheidungen im europäischen Fußball mitbestimmen. Kritiker hinterfragen, ob der Funktionär dabei tatsächlich die Entwicklung des Fußballs im Auge hat, die Interessen seines Vereins PSG vertritt oder eher als Staatsgesandter Katars Einfluss ausübt. Zudem profitiert Khelaifi als Chef des Medienimperiums BeIn Media von lukrativen Fußball-Übertragungsrechten in Frankreich und der arabischen Welt.

Anzeige

Produktbesprechungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Über die sogenannten Affiliate-Links oben erhalten wir beim Kauf in der Regel eine Provision vom Händler. Mehr Informationen dazu hier.
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spadoni 15.07.2019
1. Die gleiche
Story wie bei Manchester City ! Da wird betrogen und gelogen und die UEFA, sowie die FIFA, unternehmen NICHTS. Weil diese Herren Funktionäre sich, aus persönlichen Interessen, mit Qatar und Abu Dhabi verbündeten. Ich hoffe es werden bald saftige Sanktionen gegen den PSG und ManCity verhängt, wie z.B., unter anderem, der Ausschluss aus der Champions League, und das für mehrere Jahre.
der_rookie 15.07.2019
2. Hm
Nach jahrelanger Zusammenarbeit mit einem anderen Katarischen Staatsunternehmen (Qatar Petroleum) wäre ich eher überrascht wenn Katar sich gemäß westlichen Standards verhalten hätte. Unter den neureichen Golfstaaten ist das alte Stammesdenken kulturell noch sehr verbreitet. Und da kümmert sich der Clanchef um seine Stammesmitglieder - egal was da irgendwelche Regelwerke von FIFA, UEFA oder französischem Staat sagen. Und auch Ermittler zu belügen und sich gleichzeitig selber als das eigentliche Opfer (hier von Fälschern aus Abu Dhabi) darzustellen gehört dazu. Das ganze wird dann üblicherweise noch mit viel Theatralik und von diplomatischen Protestnoten wegen angeblicher Protokillverstöße begleitet. Hauptsache die öffentliche Meinung abzulenken und bei den Entscheidern Angst zu wecken kein Geld der Neureichen beim nächsten Deal mehr zu kriegen. Naja, ein Land dessen pro Kopf Einkommen 50% über dem Deutschlands liegt hat halt die Erfahrung gemacht, dass man mit Geld alles kaufen kann.
Hoberg 16.07.2019
3. Fußball, Radfahren, Formel 1
alles Sportarten, deren Moral nicht mehr mit der Lebenswirklichkeit eines normalen Menschen in Übereinstimmung zu bringen ist. Was da läuft, geht mich nichts mehr an. Jede Marke, die da Werbung macht, ist für mich untendurch.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.