Vergabe der Leichtathletik-WM Verdacht auf Korruption - gegen PSG-Boss Khelaifi wird ermittelt

Einem der mächtigsten Sportfunktionäre droht Ärger: Paris Saint-Germains Präsident, Nasser al-Khelaifi, wird verdächtigt, bei der Vergabe der Leichtathletik-WM an Katar nachgeholfen zu haben.

PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi
Franck Fife / AFP

PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi


Dem katarischen Präsidenten des französischen Fußballmeisters Paris Saint-Germain, Nasser al-Khelaifi, droht eine Anklage wegen Korruption. Es geht dabei allerdings nicht um Fußball, sondern um die Vergabe der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2017 und 2019. Das berichten die Nachrichtenagenturen AP, AFP und Reuters. Sie stützen sich dabei auf anonyme Quellen aus der Justiz.

Im Kern geht es offenbar um zwei Zahlungen in einer Gesamthöhe von 3,5 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 3,1 Millionen Euro) aus dem Jahr 2011, die aus Katar an eine Sportvermarktungsfirma gegangen sein sollen. Damals bewarb sich Doha um die Leichtathletik-WM 2017, die letztlich an London vergeben wurde. Die zweite Zahlung soll Tage vor der Vergabe im November erfolgt sein. 2014 erhielt die Hauptstadt Katars den Zuschlag für die WM 2019 (27. September bis 6. Oktober).

Khelaifi gilt nun formal als Verdächtiger. Eine offizielle Anklage wurde allerdings nicht erhoben. Der französische Justizvorgang hat keine eindeutige deutsche Entsprechung und führt nicht automatisch zu einem Gerichtsprozess.

Khelaifi war im Rahmen der Ermittlungen bereits befragt worden, da er Vorsitzender des Unternehmens Oryx Qatar Sports Investments ist. Die Firma soll die Überweisungen an die Agentur getätigt haben.

In einer Stellungnahme wies Khelaifis Anwalt die Anschuldigungen zurück. Diese würden nicht auf konkreten Beweisen beruhen. Sein Mandant habe keine Zahlung in Verbindung mit der Angelegenheit genehmigt. Paris Saint-Germain ließ eine Bitte um Stellungnahme von der Nachrichtenagentur Reuters zunächst unbeantwortet.

Großer Einfluss im europäischen Fußball

Khelaifi ist eine wesentliche Figur im Sport, wo sich Katar in den vergangenen Jahren mit der Austragung zahlreicher Turniere, darunter der Fußball-WM 2022, etabliert hat. Sei 2011 ist er Chef von PSG. Mittlerweile hat er großen Einfluss im europäischen Fußball: 2019 wurde er von der Europäischen Klub-Vereinigung (ECA) als einer von zwei Vertretern für das Uefa-Exekutivkomitee nominiert - dabei steht er auch wegen möglicher Verletzungen gegen das Financial-Fair-Play von der Uefa unter Beobachtung.

In Frankreich finden derzeit verschiedene Ermittlungen im Bereich Sport statt. Es geht um Schmiergeldzahlungen, Dopingvertuschung und Turniervergaben.

Erst am Dienstag hatte die französische AFP berichtet, dass auch dem ehemaligen Präsidenten des Leichtathletik-Weltverbands IAAF, Lamine Diack, und Yousef al-Obaidly, Geschäftsführer des katarischen Medienkonzerns beIN, ebenfalls ein Prozess droht. Gründer und CEO der beIN Media Group ist Nasser al-Khelaifi.

3,5 Millionen US-Dollar als Vorschuss

Obaidly hat die Vorwürfe zurückweisen lassen. Demnach habe es zwar Zahlungen gegeben, doch diese seien transparent und Teil des normalen Bietvorgangs bei der WM-Vergabe gewesen. 32,5 Millionen US-Dollar hätte Katar beim Erhalt der Leichtathletik-WM 2017 gezahlt.

Jene 3,5 Millionen US-Dollar, um die es bei den Ermittlungen offenbar geht, wären demnach eine Anzahlung gewesen. Allerdings eine, die die Vermarktungsfirma, die von der IAAF mit der WM-Vergabe beauftragt war, nicht zurückzahlen musste - selbst dann nicht, nachdem der Zuschlag an London gegangen war. Gegründet wurde die Firma von einem der Söhne Diacks, Papa Massata Diack. Dieser war früher selbst bei der IAAF als Berater tätig.

Gegen Papa Massata Diack liege seit 2015 ein Haftbefehl vor, hieß es aus Justizkreisen. Ihm werde unter anderem Beihilfe zur Bestechung vorgeworfen. Bei Lamine Diack geht es um Bestechung und Geldwäsche. In seiner Amtszeit von 1999 bis 2015 soll er Dopingfälle gegen Geldzahlungen vertuscht haben. Lamine Diack steht derzeit in Frankreich unter Hausarrest.

jan/mon/AP/Reuters/sid/dpa



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Ryker 23.05.2019
1. Ein Glück!
Zum Glück gab's die Bestechung nur bei der Vergabe der Leichtathletik-WM und nicht bei der Vergabe der Fußball-WM. Das wäre ja ein handfester Skandal!
tafka_neowave 24.05.2019
2. Ausserdem ....
Zitat von RykerZum Glück gab's die Bestechung nur bei der Vergabe der Leichtathletik-WM und nicht bei der Vergabe der Fußball-WM. Das wäre ja ein handfester Skandal!
Ausserdem .... er hat doch ausrichten lassen, dass das nicht so war! Alles nur Neider, die Ehrenmännern keinen Respekt erweisen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.