Nationalelf Friede der Fußball-Elefanten

Das Theater um die Zukunft von Christoph Daum ist vorerst beendet: Der Leverkusen-Coach will nun doch Bundestrainer werden, die "Elefantenrunde" der deutschen Fußball-Oberen gibt sich versöhnlich.


Leverkusen - "Jetzt läuft alles wie geplant", sagte Christoph Daum und beendete vier Tage nach der selbst angeheizten Diskussion alle Spekulationen um seine Tätigkeit als Bundestrainer. In der kommenden Woche wird Daum seinen Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) bis zum Jahr 2004 unterzeichnen. Das bestätigten am Mittwoch Daums derzeitiger Verein Bayer Leverkusen und der DFB. In einem Telefonat hatte der noch vor kurzem an seiner Berufung zweifelnde Trainer dem DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder seinen definitiven Entschluss mitgeteilt.

Christoph Daum: "Jetzt läuft alles wie geplant"
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Christoph Daum: "Jetzt läuft alles wie geplant"

"Über seine Position und seine Fähigkeiten gibt es überhaupt keine Diskussionen", sagte Interims-Teamchef Rudi Völler, der in acht Monaten die Verantwortung für das Nationalteam - wie am 2. Juli bereits von der "Elefantenrunde" festgelegt - an Daum weitergeben wird. Obwohl die Staatsanwaltschaft Köln inzwischen Vorermittlungen wegen Betrugs und Unterschlagung gegen den künftigen Bundestrainer aufgenommen hat, wischte Daum erst einmal alle Zweifel über seinen Dienstantritt vom Tisch. "Ich freue mich drauf", meinte Daum, der sein Debüt als DFB-Chefcoach wie geplant am 1. Juni 2001 in Helsinki mit dem WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland feiern will.

Vor allem schwindender Kredit in der Öffentlichkeit und Angriffe auf privatem Gebiet hatten Daum dazu getrieben, sein Engagement als Chefstratege des Verbands in Frage zu stellen. Die öffentlich gewordenen Vorermittlungen im Streitfall um vier Millionen Mark, die ein ehemaliger Geschäftspartner von Daum einfordert, scheinen den Trainer sogar erleichtert zu haben. "Jetzt muss ich auf den Gang der Gerechtigkeit setzen und eine Jetzt-erst-recht-Mentalität an den Tag legen", sagte Daum dem Kölner "Express". "Christoph Daum hat gute Anwälte, die werden das schon regeln", gab sich auch Bayer-Manager Reiner Calmund zuversichtlich und merkte an: "Wenn sich solche Vorwürfe aus dem Gefängnis gegen Völler gerichtet hätten, hätte die Medien es sicher nicht so hochgekocht, weil er mehr Kredit genießt."

Karl-Heinz Rummenigge, als Chef der Task Force derzeit ständiger Begleiter der DFB-Auswahl, stufte die Klage als "Privatangelegenheit" von Daum ein. Viel entscheidender sei, dass die Spekulationen nun rechtzeitig vor dem nächsten WM-Qualifikationsspiel am 7. Oktober vom Tisch seien. "Es wäre eine überflüssige Belastung gewesen, wenn das in England noch im Raum gestanden hätte", betonte Rummenigge. Am Donnerstag beruft Teamchef Rudi Völler in Oberhausen das Aufgebot, das sich dann am Dienstag in Frankfurt trifft.

"Wir haben relativ wenig an dem Glas geschüttelt, das waren andere", kommentierte DFB-Mediendirektor Wolfgang Niersbach den abgeflauten "Binnen-Sturm" um den zukünftigen Bundestrainer. "Wir haben an unserem Standpunkt überhaupt nichts geändert". Mayer-Vorfelder und Daum würden jetzt einen Termin vereinbaren, "bei dem alles bereits Besprochene zu Papier gebracht wird", ergänzte der Sprecher. "Das war gar keine Diskussion", meinte auch Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld, der plötzlich von Calmund wieder mit dem Posten des Bundestrainers in Verbindung gebracht worden war.

Calmund klagte nach Daums Entscheidung nochmals über das fehlende Fair-Play seitens des FC Bayern und speziell von Franz Beckenbauer. "Einmal ist der Franz für eine Doppelfunktion von Daum bei Bayer und der Nationalelf. Dann ist er für eine Doppelrolle von Völler und Daum - dann mal wieder nicht", kritisierte der Bayer-Manager das Verhalten des DFB-Vize- und Bayern-Präsidenten. "Ich habe kein Verständnis für solch ständig wechselnden Meinungen, auch wenn er sich vielleicht nichts dabei denkt." Calmund forderte noch einmal Unterstützung für den künftigen DFB-Chefcoach ein: "Man kann die schwierige Aufgabe nur bewältigen, wenn man überall den notwendigen Kredit hat und die totale Rückendeckung der Vereine genießt. Und man darf nicht zum Ping-Pong-Ball der Medien werden."

Ob sich die Diskussionen entgegen jetziger Beteuerungen noch einmal wiederholen werden, werde auch wesentlich von der Entwicklung bei Bayer 04 mitbestimmt. "Wenn wir mit Daum Erfolg haben, stellen sich all diese Fragen ja gar nicht", unterstrich Calmund. Auch Rummenigge möchte den nach der EM mühevoll errungenen Frieden im deutschen Profifußball trotz des "Zwischenfalls" bewahren: "Cali ist eben ein impulsiver Mensch. Und wegen zwei Sätzen wird das Verhältnis zwischen Bayern und Bayer nicht belastet."

Von Jens Mende und Ulli Brünger, dpa



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