Nationalmannschaft 2009 Modern im Kopf

Schnell, direkt, konsequent: So soll die DFB-Auswahl spielen - wenn es nach Nationalcoach Joachim Löw geht. Nur an der Umsetzung hapert es noch, genauso wie am Verhältnis des Trainers mit seinen Bundesliga-Kollegen. Doch das Löw-Team wird den deutschen Fans noch viel Spaß bereiten.


Im April 2006 saß Joachim Löw, damals noch Co-Trainer von Jürgen Klinsmann, in einem bequemen Sessel im 12. Stock eines Hochhauses am Freiburger Hauptbahnhof. Kaum hatte er sich gesetzt, brachte ihm der Kellner einen Aschenbecher - man kennt sich in Südbaden.

Bundestrainer Löw: Vision einer modernen Nationalmannschaft
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Bundestrainer Löw: Vision einer modernen Nationalmannschaft

Löw kam gleich zur Sache, zu seiner Sache: der Spielphilosophie für die deutsche Nationalmannschaft. Nach wenigen Sekunden war den Zuhörern klar, dass sie dem Mann gegenübersaßen, der für die fußballerischen Inhalte des späteren Sommermärchens zuständig war. Der damalige Trainernovize Klinsmann dagegen steuerte Rhetorik, Gesicht und Charisma bei.

Sprach Löw vom "blitzschnellen" Umschalten nach der Balleroberung, zog er das "i" in "blitzschnell" mit einer Intensität in die Länge, als wolle er ein Kaugummi über eine mehrspurige Straße spannen. Illustrierte er das "Ausschwärmen in der Vorwärtsbewegung", öffnete er die Faust und spreizte die Finger, bis das Weiß auf den Knöcheln sichtbar wurde.

Wer heute, knapp drei Jahre später, die Nationalspieler auf das Geschehen auf dem Platz anspricht, merkt schnell, wie sehr sie verinnerlicht haben, was Löw und sein kongenialer Co-Trainer Hans-Dieter Flick von ihnen verlangen. Hohes Tempo, schnelles Passspiel, konsequentes Forechecking. Auch im Kabinentrakt des Cardiffer Millenniumstadions gab sich nach dem 2:0-Arbeitssieg gegen Wales mancher Spieler zerknirscht. Dass Löw von ihnen verlangt, das hohe Tempo auch nach einer beruhigenden Führung zu halten, muss in der Pause unüberhörbar gewesen sein.

Wie die deutsche Nationalmannschaft seit der Einmottung des Rumpelfußballs spielen will, weiß man mittlerweile. Das allein ist schon ein großer Fortschritt, wurde doch in langen Jahren vorher eher unattraktiver Ergebnisfußball geboten. Das Problem an der Spielphilosophie von Löw und Flick ist allerdings kein kleines: Man sieht ihre Umsetzung zu selten auf dem Platz.

Das Spiel gegen Russland in Dortmund war einer jener raren Momente, in denen das Publikum vom Enthusiasmus auf dem Platz angesteckt wurde, auch die erste Viertelstunde im Spiel gegen Liechtenstein war intensiv geführt. Ansonsten mutete die Nationalmannschaft den Fans allerdings oft ein ziemlich gemächliches Ballgeschiebe zu - zuletzt beim 0:1 gegen Norwegen.

Da ist es auch kein echter Trost, dass das DFB-Team offenbar zwei Gesichter hat: Ein reichlich verschlafenes bei Testspielen und ein aufgewecktes, wenn es um Punkte geht. Der Eindruck bleibt, dass die DFB-Verantwortlichen rhetorisch weiter sind als ihre Mannschaft auf dem Platz.

Genau dieser Eindruck belastet auch die Autorität Löws in der Liga. Den Vorwurf der Besserwisserei, den mancher Trainer öffentlich und einige mehr unter dem Siegel der Verschwiegenheit erheben, wendet sich zwar zumeist nicht gegen ihn, sondern gegen den als nassforsch empfundenen Teammanager Bierhoff.

Im Kern speist er sich jedoch aus der Beobachtung, dass - was das spielerische Niveau angeht - Anspruch und Wirklichkeit bei der Nationalelf allzu oft auseinanderklaffen. Warum man allerdings beleidigt aufheulen muss, wenn Löw die doch ziemlich banale Feststellung wiederholt, in der Premier League werde der Ball schneller weiter verarbeitet, erklärt sich dadurch nicht. Zumal beim DFB keiner bestreitet, dass in der Spitzengruppe der Bundesliga bei manchem Team attraktiver, moderner Fußball gespielt wird, wie in der Hinrunde Hoffenheim und Leverkusen nachwiesen.

Immerhin: Die Ergebnisse stimmen auch unter Löw. Bei der EM, seinem ersten großem Turnier, holte man bekanntlich einen zweiten Platz und überzeugte in mancher Partie auch spielerisch, die Ausbeute in der WM-Qualifikation mit 16 von 18 möglichen Punkten ist fast schon makellos.

Und auch beim Ziel des passsicheren Tempofußballs besteht Anlass zur Hoffnung. Stück für Stück hat Löw in den vergangenen Monaten und Jahren Spieler herangezogen, die zumindest alle Voraussetzungen dafür mitbringen, exakt so zu spielen. Mittelfeldakteur Simon Rolfes mag hin und wieder abtauchen - er ist und bleibt der ideale Sechser für das schnelle Kombinationsspiel. Gleiches gilt für Serdar Tasci - einen modernen Innenverteidiger, der sich etwas zutraut - und Andreas Beck, der über kurz oder lang seine Nervosität ablegen wird und dann das lang ersehnte offensive Pendant für Weltklassemann Lahm werden könnte.

Eines ist klar: Man kann seit einiger Zeit wieder mit Spannung und einer gewissen Vorfreude auf die Entwicklung der deutschen Nationalmannschaft schauen. Wer hätte das noch vor fünf, sechs Jahren behauptet?



insgesamt 2053 Beiträge
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Seite 1
Brieli 02.04.2009
1.
Zitat von sysopDie DFB-Elf ist für die WM qualifiziert - hat das Team dabei spielerisch überzeugt?
Vielleicht noch mal in das jetzt plötzlich verschwundene Thema reinschauen? Was soll denn das? Ein Forum verschwinden zu lassen und die gleiche Frage wieder einzustellen. Ganz schwach - wirklich ganz schwach. SPON!!!! Setzen: 6 Minus Brieli
pst 02.04.2009
2. Spiel WAL-D
WAL- sehr rudimentäres Fussball, das scwächste Team im UK. D- Ballak brillant und entscheidend; sonst zuviel Gegurke seitens der NM. WAL mit großem Pech, denn es war eindeutig Hand von Tasci und Schiri hätte Elfmeter pfeifen müssen. Nach einem 1:1 wer weiß, wie das ganze noch beendet wäre... Gomez - so eine Impotenz ist schon wirklich zum Schreien! Lahm - sehr gut gespielt Ballack - el supergenio, el decisivo, el talento, el creativo, Worte vom TV-Reporter des ESPN Lateinamerika Ballaks Tor - ein Gedicht, ein Augenschmaus für die Fußballfans! Ansonsten wieder ein einfaches Spiel für Germany gegen einen sehr schwachen Gegner. Trotzdem Glückwunsch und... das zweite Bein ist m.E. in SA! ;:)
pst 02.04.2009
3. Spiel WAL-D
WAL- sehr rudimentäres Fussball, das scwächste Team im UK. D- Ballak brillant und entscheidend; sonst zuviel Gegurke seitens der NM. WAL mit großem Pech, denn es war eindeutig Hand von Tasci und Schiri hätte Elfmeter pfeifen müssen. Nach einem 1:1 wer weiß, wie das ganze noch beendet wäre... Gomez - so eine Impotenz ist schon wirklich zum Schreien! Lahm - sehr gut gespielt Ballack - el supergenio, el decisivo, el talento, el creativo, Worte vom TV-Reporter des ESPN Lateinamerika Ballaks Tor - ein Gedicht, ein Augenschmaus für die Fußballfans! Ansonsten wieder ein einfaches Spiel für Germany gegen einen sehr schwachen Gegner. Trotzdem Glückwunsch und... das zweite Bein ist m.E. in SA! ;:)
Brieli 02.04.2009
4.
Zitat von sysopDie DFB-Elf ist für die WM qualifiziert - hat das Team dabei spielerisch überzeugt?
und btw: was ist denn der Sinn, dass SPON ein komplettes Thema vom Netz nimmt? Nicht mal mehr als "geschlossenes Thema" aufführt? Geehrte/r: pstiebens, Schwabenpower, krafts, aqualung und sogar arber:-) ... und viele andere: Finden Sie das nicht auch erbärmlich. Ich schon. Wie soll ich Schwabenpower mal wieder nachweisen, dass er mal wieder "Ballack-lastig" argumentiert. Wie soll ich mich auf "arber" und seine "VFB-Lastigkeit" beziehen. Auf 2-3 Beiträge von pstiebens waren noch eine Kommentierung schuldig. Ich bin mir sicher, das auch dieses Forum wieder zum laufen kommt. Aber für was ein Neues? SPON-Leute - Ihr bringt mich zum rasen. Nicht nur nicht, dass Ihr gute Beiträge nicht veröffentlicht. Jetzt werden schon ganze Foren gelöscht. Ganz schwach - wirklich - ganz schwach. Und btw: was mich schon immer gestört hat, ist, dass ihr ab 20-22 Uhr völlig abwesend seid. Habt ihr nicht mal mehr die Kohle, nen kostenfreien Praktikanten ab 20.00 Uhr hinzusetzen um wenigstens bis 24.00 Uhr zu moderieren? Brieli
Haio Forler 02.04.2009
5.
Zitat von sysopDie DFB-Elf ist für die WM qualifiziert - hat das Team dabei spielerisch überzeugt?
Also, wenn Gomez sich jetzt darauf versteift, den Gegner anzuschießen, dann kann das noch was werden.
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