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Argentiniens Star gegen Deutschland Heiliger María

Argentiniens Ángel Di María spielte überragend in der Partie gegen Deutschland, er bereitete drei Tore vor und schoss eines selbst. Der neue Nationaltrainer Gerardo Martino kann Hoffnung schöpfen: Zur Not geht es ohne Messi.

Joachim Löw hätte an diesem Abend vermutlich alles sagen können, er wäre doch immer mit einem höflichen Klatschen oder zumindest Lächeln seiner Zuhörer verabschiedet worden. Doch Löw, der Weltmeistertrainer, wusste nach dem 2:4 (0:2) der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien genau, mit welchen Worten er für Szenenapplaus sorgen konnte: "Wir hätten sie an diesem 13. Juli auch mit Àngel Di María geschlagen. An diesem Tag hätte er nichts gegen uns ausrichten können."

Es war Löws Antwort auf die naheliegende Frage nach der Niederlage im ersten Aufeinandertreffen der beiden Gegner des WM-Finales von Rio de Janeiro: Was wäre gewesen, wenn der Argentinier Di María vor sieben Wochen gesund und in derselben Verfassung gewesen wäre?

Der Bundestrainer hatte dazu eine klare Meinung - sein Amtskollege Gerardo Martino wollte diese allerdings nicht teilen. "Das Fehlen von Àngel im Finale war deutlich zu erkennen", sagte der Coach der Argentinier, der nach der Weltmeisterschaft das Traineramt von Alejandro Sabella übernommen hatte. Di María sei ein herausragender Spieler, für ihn einer der besten fünf auf der Welt, sagte er, "kein Wunder, dass Manchester United 75 Millionen Euro für ihn bezahlt hat".

Viererkette bekam Di María nicht in den Griff

Tatsächlich fällt es nach seiner Leistung gegen die DFB-Elf schwer zu glauben, dass Di María im Endspiel in Brasilien keine Akzente hätte setzen können. Der 26-Jährige bereitete die ersten drei Tore seiner Mannschaft mit herausragenden Zuspielen und Flanken vor und schoss das vierte selbst. Es fiel so kaum ins Gewicht, dass Argentiniens Superstar Lionel Messi nicht mit nach Deutschland gereist war. Im Gegenteil.

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Àngel Di María: Starker Auftritt in Messis Abwesenheit

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Ist es sonst eigentlich Di Marías Aufgabe, seinen Kapitän Messi zu bedienen und in Szene zu setzen, könnte er diesmal das Spiel flexibler gestalten. Denn wenn der Barcelona-Star auf dem Platz steht, ist er es, auf den das System zugeschnitten und der für kreative Impulse verantwortlich ist. Bei der WM sah es oft so aus, als sei Messi die personalisierte Taktik der Mannschaft. An diesem Abend schien Di María in seinen Dribblings und Sprints freier und unbekümmerter, die neu formierte deutsche Viererkette bekam ihn vor allem in der ersten Halbzeit nie wirklich in den Griff.

So lieferte er in der 21. Minute Sergio Agüero mit einem Lupfer eine perfekte Torvorlage, 19 Minuten später flankte er nach einem gewonnen Duell auf Erik Lamela, der den Ball volley ins Tor drosch. Nach der Pause trat er einen Freistoß, den Federico Fernández verwandelte, und chippte den Ball kurz darauf selbst leichtfüßig über den eingewechselten Roman Weidenfeller.

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Man kann den Unmut von Real Madrids Angreifer Cristiano Ronaldo durchaus verstehen, als er sich über den Verkauf Di Marías nach Manchester ärgerte. Ohne den Argentinier sei das Spiel ein anderes, sagte er. Di Marías vorheriger Nationaltrainer Sabella hatte während der WM ebenfalls mehrfach betont: "Er kann den Unterschied ausmachen."

Martino muss die Mannschaft verjüngen

Für die argentinische Auswahl mag dieses Freundschaftsspiel auch deshalb einen größeren Stellenwert haben, als Sieger und Unterlegene im Anschluss zugeben wollten. Es hat gezeigt, dass die Mannschaft auch ohne Messi in der Lage ist, mehr als ordentlichen Fußball zu spielen. Denn wenngleich dessen Vater die Gerüchte schnell zu zerstreuen versuchte: Zuletzt mehrten sich die Vermutungen, dass der 27-Jährige seine ohnehin etwas belastete Beziehung zum Nationalteam auf Eis legen könnte.

Martino, der Messi aus seiner Zeit in Barcelona und auch aus ihrer gemeinsamen Heimat Rosario kennt, wäre darüber wohl kaum erfreut; vor ihm liegen ohnehin knifflige Aufgaben. Er soll Argentinien zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland führen, muss er seine Mannschaft auf dem Weg dorthin aber behutsam verjüngen. 21 der 23 Spieler aus dem WM-Kader des vergangenen Turniers sind in vier Jahren mindestens 30 Jahre alt, Messi würde während der Endrunde seinen 31. Geburtstag feiern, Mittelfeldspieler Javier Mascherano wäre 34 Jahre alt.

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"Auf mir lastet die Verantwortung eines ganzen Fußballlandes", hatte Martino vor seinem Antrittsspiel gesagt, er weiß, unter welcher Beobachtung er im fußballverrückten Argentinien steht. Er sei nervös gewesen vor der Partie gegen Deutschland, gab er im Anschluss zu und knetete seine Hände unter dem Tisch, aber nun sei er "sehr zufrieden" mit dem Auftritt seiner Mannschaft, "wie wollten so weitermachen wie in Brasilien, das ist gelungen".

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