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22. Dezember 2012, 11:30 Uhr

Fußball-Nationalmannschaft

Löw räumt Fehler ein

"Der Plan ist nicht aufgegangen": Joachim Löw hat nun zugegeben, dass er beim EM-Aus gegen Italien Fehler gemacht hat. Im Nachhinein würde er eine andere Aufstellung wählen, gestand der Bundestrainer. Auch beim 4:4 in der WM-Qualifikation gegen Schweden habe er zu wenig eingegriffen.

Hamburg - Die Kritik an der deutschen Nationalmannschaft nach dem Halbfinal-Aus bei der EM gegen Italien war enorm, doch zunächst äußert sich Joachim Löw nicht. Dann folgte eine Brandrede, in der er alle Vorwürfe zurückwies. Nun hat der Bundestrainer erstmals Fehler eingeräumt. "Mit dem Wissen von heute würde ich im Halbfinale gegen Italien wahrscheinlich eine andere Aufstellung wählen", sagte Löw der "Süddeutschen Zeitung": "Ich hatte ja einen klaren Plan für dieses Spiel. Und natürlich muss ich jetzt zugeben, dass der Plan nicht aufgegangen ist."

Zudem sagte Löw, er müsse sich den Vorwurf gefallen lassen, beim 1:2 gegen die Italiener und beim 4:4 gegen Schweden in der WM-Qualifikation nicht eingegriffen und zu wenig gecoacht zu haben. "Vielleicht hätte ich tatsächlich durch irgendwelche Maßnahmen noch etwas bewirken können", so der 52-Jährige. Aber es komme schon mal vor, dass ein Trainer nach einem Spiel einräumen müsse, dass er an diesem Tag nicht die richtigen Lösungen parat gehabt hätte.

Die beiden Partien hätten laut Löw die Schwächen des DFB-Teams aufgezeigt. "Wenn der Gegner eine Veränderung in seinem Spiel vornimmt, dann verliert meine Mannschaft manchmal ihre Sicherheit und ihren Spielstil." Gegen Italien sei Deutschland 15 Minuten lang gut im Spiel gewesen, dann seien die Italiener plötzlich weiter nach vorne gerückt. Dies hätten die Schweden nach 60 Minuten ebenfalls gemacht. "Und beide Male hat meine Mannschaft das vernachlässigt, was sie eigentlich mit am besten kann auf der Welt", sagte Löw, "sie hat ihren Spielaufbau nicht mehr durchgezogen. Sie hat einfach ihre größten Trümpfe aus der Hand gegeben."

Beim EM-Aus gegen Italien hatte Löw die Startelf auf drei Positionen im Vergleich zum 4:2-Sieg im Viertelfinale über Griechenland verändert. Unter anderem saß der gegen die Griechen überragende Marco Reus bis zur 46. Minute nur auf der Bank. Zu diesem Zeitpunkt führten die Italiener durch zwei Tore von Mario Balotelli bereits 2:0. Im WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden Mitte Oktober hatte Deutschland einen 4:0-Vorsprung in der letzten halben Stunde noch verspielt.

Löw hofft, dass er und die Mannschaft stärker aus dem durchwachsenen Länderspieljahr 2012 hervorgehen. "Manchmal müssen Dinge richtig wehtun, damit man daraus lernt", sagte er in einem Interview auf der Internetseite des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Alle müssten lernen, damit umzugehen, so Löw: "Wenn man mal solche negativen Dinge erlebt hat, will man sie mit aller Gewalt verhindern."

max/dpa/sid

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