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Urlaubsziel Brasilien 2014: WM-Touristen im deutschen Kader

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Deutsche Ersatzbank Wir müssen draußen bleiben

Das Aufgebot des DFB bei diesem Turnier ist in zwei Teile gespalten. 16 Spieler dürfen auf WM-Einsätze hoffen, den übrigen Sieben bleibt wohl nur der Status eines Bankdrückers. Selten hat sich ein Bundestrainer so auf eine Kernmannschaft konzentriert.

Der Konkurrenzkampf - es ist eines der Lieblingswörter von Bundestrainer Joachim Löw in den vergangenen Monaten gewesen. Er hat bei jeder sich bietenden Gelegenheit darauf hingewiesen, wie eng das Gerangel um die Plätze in der deutschen Startelf bei diesem Turnier sein wird.

Jetzt sind drei WM-Partien gespielt, und das Thema hat sich extrem relativiert. Der Konkurrenzkampf beschränkt sich auf zwei, drei Positionen - ein Gutteil des 23er-Kaders hat damit gar nichts zu tun. Und darf sich auf seine Rolle als reiner WM-Bankdrücker einrichten.

Von den 23 Spielern, die Löw mit nach Brasilien genommen hat, haben vor dem Achtelfinale gegen Algerien am Montag (22 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) sieben noch keine WM-Minute absolviert. Und wenn alles normal läuft, wird das bei diesem Turnier auch so bleiben. Das DFB-Aufgebot ist in zwei Teile gespalten, wie es wohl noch nie bei einer WM war. Zwei Drittel, die zur engeren Wahl des Bundestrainers gehören, ein Drittel, das den Kader auffüllt, wenn man es böse ausdrückt.

Sieben im Kader warten auf ihre erste WM-Minute

Roman Weidenfeller, Ron-Robert Zieler, Erik Durm, Kevin Großkreutz, Matthias Ginter, Julian Draxler und Christoph Kramer - es sind diese sieben Profis, die vor allem froh darüber sein können, überhaupt zum Aufgebot zu gehören. Ansprüche auf mehr können sie nicht stellen, und Löw hat sie lediglich als stille Reserve auf dem Zettel.

"Nie war es so wichtig, 14 Spieler auf hohem Niveau zu haben", hoben Löw und Assistent Hans-Dieter Flick in diesen Tagen wiederholt hervor, um angesichts des südamerikanischen Klimas die Bedeutung der Einwechselspieler zu betonen. Dabei denken sie allerdings an Akteure wie Miroslav Klose, Bastian Schweinsteiger oder Lukas Podolski.

Sie sind die erste natürliche Option, wenn es um Spielerwechsel im Lauf der zweiten Spielhälfte geht. Oder um Rotationen in die Startaufstellung. Für die Anderen in der Zweidrittelgesellschaft des DFB bleibt: Auf ein Spiel um den dritten Platz hoffen - gemeinhin die einzige Gelegenheit, auch geduldigen Bankdrückern die Chance zu geben, sie aus dem Status des WM-Touristen zu erlösen.

Dass Weidenfeller und Zieler nur dann eine Einsatzmöglichkeit bekommen würden, wenn Stammkeeper Manuel Neuer angeschlagen oder gesperrt ausfällt, war von vornherein klar. Trotz der Erfahrung Weidenfellers: Die Hierarchie bei der deutschen Nummer eins ist in Beton gegossen. An Neuer kommt keiner vorbei, und die bisherigen Leistungen in der Gruppenphase haben das bestätigt.

Durm ist ein Opfer der Taktik

Aber Weidenfellers Dortmunder Teamkollegen Durm und Großkreutz haben sich wohl schon insgeheim mehr ausgerechnet, als lediglich nach den Spielern ihre Stammelf-Kollegen abzuklatschen und sie während der Partie anzufeuern. Durm galt auf links hinten schon fast als konkurrenzlos, nachdem sein BVB-Konkurrent Marcel Schmelzer aus dem Aufgebot gestrichen worden war. Mittlerweile ist auch deutlich, was Löw zu dieser Entscheidung erwogen hatte. Er hatte da wohl bereits entscheiden, seine Abwehr auf vier Innenverteidiger aufzubauen. Weitere Außenspieler hielt er nicht mehr für notwendig.

Das ist Durms Pech und das Glück des Schalkers Benedikt Höwedes, der dadurch auf diese Position gerückt ist. Wenn in der Abwehr jemand ersetzt werden musste, dann war der gelernte Innenverteidiger und DFB-Neuling Shkodran Mustafi die einzige bisher benutzte Option. Nach Mustafis schwacher Leistung gegen Ghana dürfte Löw für die nächsten Spiele darüber zumindest noch einmal nachdenken. Eventuell könnte dadurch Ginter doch noch auf eine Einsatzchance hoffen.

Die ist für Christoph Kramer und Julian Draxler in weiter Ferne. Draxler steht in der Offensive hinten in der Schlange hinter André Schürrle, hinter Podolski - der allerdings im Achtelfinale gegen die Algerien verletzt aussetzen muss. Und Kramer ist ohnehin nur als Backup vorgesehen, falls entweder Schweinsteiger oder Sami Khedira erneut von einer Verletzung zurückgeworfen werden. Dass der Gladbacher im Gegensatz zu den Etablierten topfit ist, hat ihm zwar in Sachen Nominierung geholfen, aber nicht weiter.

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Nationalmannschaft: Das ist Deutschlands WM-Kader

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1990 wurde Deutschland Weltmeister, und der Bremer Günter Hermann wurde es mit ihm, ohne einen Einsatz bekommen zu haben. Er gilt bis heute als der klassische Typus des WM-Touristen, und bis heute ärgert es ihn. Da er damals auch nicht der einzige war: Stürmer Frank Mill, Verteidiger Pauil Steiner und die Ersatztorleute Raimond Aumann und Andreas Köpke spielten auch nicht, über sie hat aber kaum jemand geredet.

Fünf Weltmeister, die keinen Einsatz hatten - das war bisher der Rekord aus DFB-Sicht. 2014 könnte er gebrochen werden. Die wartenden Sieben würden den Titel trotzdem mitnehmen.