Nationalmannschaft Jens Lehmann macht Platz

Torhüter Jens Lehmann verabschiedet sich von der Nationalmannschaft. Der 38-Jährige will sich künftig allein auf seine Arbeit beim VfB Stuttgart konzentrieren, Bundestrainer Joachim Löw ist informiert. Der Kampf um die neue Nummer eins kann beginnen.

Hamburg - Er hatte sich lange Zeit für eindringliche Überlegungen genommen. Sechs Wochen nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien (0:1) erklärte VfB-Torhüter Jens Lehmann nun, in Zukunft nicht mehr für die Nationalmannschaft zu spielen. "Ich konnte dem Bundestrainer keine Garantie mehr geben, dass ich über das eine Jahr hinaus, für das ich beim VfB Stuttgart einen Vertrag habe, noch Fußball spielen werde", begründete Lehmann die Entscheidung.

"Insofern habe ich ihm und Andreas Köpke (Bundestorwarttrainer; die Red.) vorgeschlagen, dass sie für die deutsche Nationalmannschaft nicht mehr mit mir planen", so Lehmann: "Es war für mich eine tolle Zeit im DFB-Team und in den vergangenen Jahren auch immer der Kontakt zur Heimat. Gerade die WM 2006 war ein faszinierendes und einzigartiges Erlebnis für mich."

Lehmann hatte am 18. Februar 1998 beim 2:0-Sieg gegen den Oman in Maskat sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft gegeben und seitdem in 61 Länderspielen im deutschen Tor gestanden. Er hatte seit 1998 an jeweils drei WM- und EM-Turnieren teilgenommen. Nur 2006 und 2008 war er Stammkeeper.

Bundestrainer Joachim Löw sagte nach dem Treffen mit Lehmann: "Es war ein sehr gutes Gespräch. Wir haben in der Beurteilung der Situation absolut auf einer Wellenlänge gelegen. Ich habe mich bei Jens für großartige Leistungen in der Nationalmannschaft bedankt."

Löw, der für die WM 2010 in Südafrika auf jüngere Torhüter wie Robert Enke, René Adler oder Manuel Neuer setzt, hob vor allem Lehmanns großartige Leistung bei der WM 2006 im Elfmeterschießen gegen Argentinien heraus. Im Viertelfinale hatte Lehmann zwei Elfmeter gehalten. "Das wird immer eng mit seinem Namen verbunden bleiben, aber auch bei der EURO 2008 hatte er einen genauso großen Anteil an unserem Erfolg", betonte Löw, "er hat viel für den deutschen Fußball geleistet und war für mich stets ein wichtiger Ansprechpartner."

Beeindruckt hätten Löw in der vierjährigen Zusammenarbeit bei der Nationalmannschaft auch Lehmanns Führungsqualitäten. "Ich habe bisher nur wenige Spieler kennengelernt, die so positiv und prägnant ihre Erfahrung eingebracht haben, um gemeinsam alles für den Erfolg zu geben", so Löw, "außerdem konnte er sich immer auf den Punkt konzentrieren, sein professionelles Verhalten in Training und Spielen war vorbildlich."

Lehmann spielte von 1988 bis 1998 beim FC Schalke 04, wechselte dann zum AC Mailand. Beim italienischen Spitzenclub konnte er sich aber nicht durchsetzen und kehrte 1999 in die Bundesliga zurück: Lehmann unterschrieb beim Schalker Erzrivalen Borussia Dortmund. Von 2003 bis 2008 stand er in London beim FC Arsenal unter Vertrag. In der kommenden Saison spielt Lehmann für den VfB Stuttgart.

Bislang hat sich Löw noch nicht festgelegt, welcher Torwart die neue Nummer eins in der Nationalmannschaft sein wird. Am Dienstag wird Löw seinen Kader für das erste Länderspiel nach der EM in Nürnberg gegen Belgien am 20. August bekanntgeben. Enke und Adler hatten bereits dem deutschen EM-Kader angehört.

Hoffnungen auf Einsätze in der DFB-Auswahl kann sich auch Timo Hildebrand machen. Der Torwart des spanischen Erstligisten FC Valencia war vor dem Turnier in Österreich und der Schweiz aus dem Kader gestrichen worden.

fpf/wie/sid/dpa

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