Nationalmannschaft Löw gelassen, Heldt gereizt

Bundestrainer Joachim Löw verzichtet trotz der Absage von Arne Friedrich auf eine Nachnominierung für das Länderspiel gegen Norwegen. Der VfB Stuttgart lässt im Streit um die Lizenz für seinen Cheftrainer Markus Babbel nicht locker.


Hamburg - "Wir haben in Andreas Beck und Andreas Hinkel zwei Alternativen für die rechte Seite, deshalb reicht unser Personal aus", sagte Löw am Sonntag. Der Berliner Abwehrspieler Arne Friedrich hatte wegen Rückenbeschwerden für die Testpartie am Mittwoch in Düsseldorf gegen Norwegen abgesagt. Das erste Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im neuen Jahr wird um 20.30 Uhr angepfiffen (Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Bundestrainer Löw: "Wichtiger Testlauf"
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Bundestrainer Löw: "Wichtiger Testlauf"

Löw, der in dem Hoffenheimer Beck und dem Bremer Mesut Özil zwei Neulinge für dieses Spiel nominiert hat, stehen nach Friedrichs Absage noch 20 Akteure zur Verfügung. Im Kader sind auch die beiden Mittelfeld-Routiniers Michael Ballack und Torsten Frings. "Ich war jetzt länger nicht dabei und bin froh, dass ich wieder da bin", sagte DFB-Kapitän Ballack, der wie Frings Löw im vergangenen Herbst öffentlich kritisiert hatte.

Bayern-Stürmer Lukas Podolski, der im Sommer nach Köln wechseln wird, sollte der Aufsteiger die Klasse halten, wird hingegen fehlen. "Wir wollen uns einstimmen auf die WM-Qualifikation und die Ziele, die vor uns liegen", so Löw, "wir haben nicht viel Zeit. Das ist ein wichtiger Testlauf, den wir nutzen wollen. Norwegen wird ähnlich defensiv agieren wie unsere Qualifikationsgegner Liechtenstein und Wales."

In der Defensive steht der 21-jährige Beck vor seinem Debüt im DFB-Dress. "Er hat eine gute Entwicklung in Hoffenheim gemacht, daher wollen wir ihn in der Nationalmannschaft auf der rechten Seite testen", sagte Löw.

Erwartet wird auch das Debüt Mesut Özils. Der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler von Werder Bremen, um den sich auch der türkische Verband bemühte, würde bei einem Einsatz nicht mehr das Nationalteam wechseln können. Löw wird Özil und andere Akteure trotz des designierten Debüts im A-Team auf jeden Fall für die Junioren-EM vom 15. bis 29. Juni 2009 in Schweden abstellen.

"Wenn Horst Hrubesch einen Spieler haben möchte, der auch für die Asienreise der Nationalmannschaft in Frage kommt, dann wird er ihn für die EM bekommen", versicherte Löw, "dieses Turnier genießt bei uns eine höhere Priorität als die Asienreise. Özil wird auf jeden Fall die EM der U21 spielen."

Ob Frings gegen Norwegen sofort wieder zum Einsatz kommt, ist offen. "Torsten ist körperlich wieder in einer viel besseren Verfassung", sagte Löw. Ballack wird trotz der Kritik an Löw nach der EM für seinen 90. Länderspiel-Einsatz in die Startelf zurückkehren. "Die Sache ist ausgeräumt, wir wollen keine angepassten Typen, aber selbstverständlich müssen gewisse Regeln eingehalten werden."

Im Angriff dürfte in Abwesenheit von Podolski der Stuttgarter Mario Gomez eine neue Chance erhalten. "Er war das letzte halbe Jahr in der Nationalmannschaft nicht mehr so treffsicher. Ich hoffe, dass bei ihm der Knoten auch bei uns wieder platzt", sagte Löw. Gomez hatte am Samstag im Düsseldorfer Stadion beim 4:2-Sieg des VfB gegen Bayer Leverkusen seine Saisontore neun und zehn erzielt.

Stuttgarts Manager Horst Heldt machte im Deutschen Sportfernsehen (DSF) schon einmal Werbung für seinen Stürmer. "Mario ist einer der besten Stürmer Europas und auch der beste Stürmer der Bundesliga." Weniger freundlich äußerte sich Heldt über die Haltung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Fall des VfB-Trainers Markus Babbel.

"Es ist eine Verpflichtung des DFB, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass ein Trainer weiterarbeiten und sich trotzdem weiterbilden kann. Das gibt es in jedem Berufszweig", betonte Heldt. Der bislang ohne die notwendige Lizenz beim VfB arbeitende Babbel muss ab Mai in Köln den elfmonatigen Trainerlehrgang absolvieren. Seit Wochen müht sich Stuttgart um eine Ausnahmeregelung, die Babbel auch in der kommenden Saison die Tätigkeit als Chefcoach ermöglicht.

Zuletzt hatten sich Trainerkollegen wie Jürgen Klinsmann und Hans Meyer sowie der frühere DFB-Chefausbilder Erich Rutemöller für Babbel stark gemacht. Rutemöllers Nachfolger Frank Wormuth betonte hingegen: "Wir haben immer gesagt, dass es für Lothar Matthäus die letzte Sondergenehmigung gegeben hat. Man muss auch mal einen Schlussstrich ziehen. Das haben wir getan." Frühere Nationalspieler wie Matthäus, Klinsmann oder der heutige DFB-Sportdirektor Matthias Sammer hatten einst einen verkürzten Trainer-Lehrgang absolvieren dürfen.

ach/sid/dpa



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