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Maues DFB-Remis gegen Kamerun Nur noch 14 Tage bis Ronaldo

Das 2:2 im Testspiel gegen Kamerun hat dem Bundestrainer vor allem gezeigt, wie viel Arbeit er bis zur WM noch hat - es hakte in allen Mannschaftsteilen. Noch macht Joachim Löw in Entspannung, aber die Zeit wird knapp.

Man muss es wahrscheinlich als großen Glücksfall begreifen, dass Deutschland dieses Spiel gegen Testgegner Kamerun nicht gewonnen hat. Man muss einfach zu diesem Schluss kommen, wenn man nach dem 2:2 von Mönchengladbach den deutschen Nationalspielern zuhört.

"So können wir uns wenigstens nicht selbstzufrieden auf die Schulter klopfen", bilanzierte Thomas Müller. "Jetzt sehen wir wenigstens, was wir noch nicht gut machen", so Per Mertesacker. "Wir sollen ja auch jetzt noch gar nicht in Topform sein, sondern erst am 16. Juni", kam von Lukas Podolski. Man stelle sich vor, es hätte einen überzeugenden Erfolg über die Afrikaner gegeben. All diese Erkenntnisse hätte es nicht gegeben.

Tatsächlich bleibt für Bundestrainer Joachim Löw elf Tage vor dem WM-Eröffnungsspiel und zwei Wochen vor dem ersten Auftritt der deutschen Mannschaft gegen Portugal das Fazit übrig: "Wir haben schon erkannt, dass wir noch ein bisschen was machen müssen." Ein bisschen was. Er hätte noch hinzufügen können: in allen Mannschaftsteilen.

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DFB-Team in der Einzelkritik: Durm, der Lichtblick

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Testspiele auch im direkten Anschluss an einen Trainingslager sollte man nicht überschätzen, auch bei früheren Turnieren waren dies selten glanzvolle Auftritte. Aber für Löw und seinen Trainerstab bleibt mehr Arbeit zu leisten als nur ein klein wenig Feintuning. Gegen technisch und körperlich starke Kameruner hakte es fast überall. Bei der Chancenverwertung in der Offensive - "das zieht sich wie ein roter Faden durch die vergangenen Monate, dass wir zu viele Chancen brauchen, um Tore zu machen" (Löw) - , bei dem Schließen der Räume im defensiven Mittelfeld - hier hatte der Rekonvaleszent Sami Khedira noch deutliche Probleme, die zeigen, dass man eine so schwere Verletzung wie einen Kreuzbandriss nicht so einfach hinter sich lassen kann, auch wenn man sich fit fühlt.

Dass Khedira bei dessen bekannter Willensstärke noch einiges davon aufholen wird, davon darf man ausgehen. Ob sein früherer Madrider Teamkollege Mesut Özil dagegen noch rechtzeitig in die Spur findet, ist eine der offenen Fragen rund um dieses von Fragezeichen umstellten Team. Özil vergab die erste deutsche Chance nach gerade 43 Spielsekunden. Vollkommen freistehend setzte er den Ball aus kurzer Entfernung neben das Tor. Anschließend war der Arsenal-Spieler, dem im Konzept Löws so eine wichtige Rolle zugedacht ist, unsichtbar.

"Ich bin überzeugt davon, dass wir bei der WM einen anderen Mesut sehen", sagt Löw. Aber es gibt außer der Überzeugung des Bundestrainers derzeit wenig Anzeichen dafür, dass er damit auch Recht behält. Die Nationalmannschaft lebt von Özils fußballerischen Geistesblitzen, selten war davon so wenig bis gar nichts zu sehen wie am Sonntag.

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Deutschland gegen Kamerun: Es hakt in allen Mannschaftsteilen

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Draxler, Ginter, Mustafi - oder doch Großkreutz?

Seinen Kaderplatz hat der Arsenal-Spieler dennoch selbstverständlich sicher - wie fast alle, die gegen Kamerun aufliefen. Löw muss im Lauf des Montags noch drei Namen von Spielern bekanntgeben, die die Reise nach Brasilien nicht mitmachen werden. Der Debütant Erik Durm aus Dortmund und der Gladbacher Christoph Kramer in seinem zweiten Länderspiel werden sicherlich nicht zu diesem Trio zählen. Durm spielte frech und mutig auf, Kramers Laufvermögen und seine Kondition werden in Brasilien möglicherweise noch benötigt.

Unmittelbar nach dem Spiel wollte Löw keine Andeutungen geben, wen es denn aus dem derzeitigen Aufgebot treffen könnte. Dass er Offensivkraft Julian Draxler zwar warmlaufen ließ, ohne ihn dann jedoch einzusetzen, könnte der Schalker als ein schlechtes Zeichen für sich interpretieren. Auch die jungen Abwehrspieler Matthias Ginter und Shkodran Mustafi bekamen keine Gelegenheit mehr, sich auszuzeichnen, dasselbe galt für den Dortmunder Kevin Großkreutz. Alle vier dürfen und müssen demnach weiter bangen. "Das Schöne an dieser Entscheidung ist immerhin, dass keiner der Spieler sie treffen muss", hatte Mustafi auch noch etwas Positives daran gefunden.

Abwehr-Routinier Per Mertesacker, am Sonntag Kapitän des Teams, bemängelte nach der Partie, dass die Offensive bei Ballverlusten zu langsam umgeschaltet und defensiv zu wenig mitgeholfen habe. Angreifer Thomas Müller beklagte sich gleichzeitig, dass die Defensivleute zu wenig nach vorn gepresst hätten. Wenn man sich über die Fehleranalyse nicht einmal einig war, bleibt wohl wirklich noch einiges zu tun.

Noch haben sie 14 Tage Zeit bei der Nationalmannschaft. Dann wartet, sofern er fit ist, Cristiano Ronaldo. Und der verzeiht keine Fehler.

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