Leverkusens Sportchef Völler fordert Pause für DFB-Stars gegen Gibraltar

Wie viel Ruhe benötigen Fußballprofis? Weil die Belastung für Nationalspieler zu hoch sei, soll Bundestrainer Löw gegen Gibraltar seine Stars schonen. Das fordert Rudi Völler. In England sorgte ein Jungstar mit einer Bitte um Erholung für eine hitzige Debatte.

Bayer-Sportchef Völler: Stars sollen geschont werden
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Bayer-Sportchef Völler: Stars sollen geschont werden


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Hamburg - Rudi Völler hat eine Ruhepause für ausgewählte Nationalspieler gefordert. "Für das Länderspiel gegen Gibraltar sollten die Spieler, die mit ihren Klubs international spielen, geschont werden", sagte der Sportdirektor von Bundesligist und Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen.

Das britische Überseegebiet Gibraltar war erst vor einem Jahr von der Europäischen Fußballunion Uefa als offizieller Mitgliedsverband aufgenommen worden. In der Gruppe D wurden beide bisherigen Partien verloren, zuletzt unterlag Gibraltar Irland 1:7.

Ohne die Nationalspieler, die mit ihren Klubs im Europacup spielen, blieben Bundestrainer Joachim Löw aus dem aktuellen Kader für die Spiele gegen Polen (0:2) und Irland am Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) drei Profis: Ron-Robert Zieler (Hannover 96), Antonio Rüdiger (VfB Stuttgart) und Sebastian Rudy (1899 Hoffenheim).

Löw deutet an, seine Stars zu schonen

Die Schonung soll der Entlastung der zu stark beanspruchten Fußballspieler dienen. Auf knapp 70 Einsätze pro Saison bringen es manche Profis. Bereits in der vergangenen Woche hatte Völler eine Entzerrung des Bundesliga-Spielplans gefordert: "Es darf für die Mannschaften, die international spielen, keine Bestrafung sein, dass man während zwei Champions-League-Wochen noch eine englische Woche zu spielen hat".

Auch Bayern-Trainer Josep Guardiola und BVB-Coach Jürgen Klopp hatten die hohe Belastung der Nationalspieler beklagt, was wiederum Kritik von DFB-Manager Oliver Bierhoff hervorrief. Dass die Spieler durch die Nationalmannschaft so hoch belastet sind, könne er "überhaupt nicht akzeptieren", sagte Bierhoff. Zuletzt hatte der frühere Physiotherapeut der Nationalmannschaft, Oliver Schmidtlein, im "Kicker" gesagt: "Die Grenze ist erreicht."

Auch für Bundestrainer Löw sind viele Nationalspieler, was ihre Belastung angeht, "absolut an der Grenze". Er deutete an, einigen Profis eine Pause zu gönnen: "Wir dürfen die Schraube nicht überdrehen. In den letzten Jahren habe ich bewiesen, dass ich in Testspielen oder gegen die ganz kleinen Nationen vermehrt rotiert oder Spieler weggelassen habe", sagte Löw am Montag. Bei den Spielen im November (gegen Gibraltar und in Spanien) und im März (in Georgien) können sich dem DFB-Coach zufolge auch Neulinge und Spieler aus dem erweiterten Kreis Hoffnungen auf eine Berufung machen.

Ursache für die hohe Belastung sind laut Löw aber nicht die Länderspiele: "Da gibt es nicht mehr als vor zehn oder fünf Jahren", so der DFB-Coach. Vielmehr müssten den Profis nach großen Turnieren längere Pausen eingeräumt werden. Er halte es für "dramatisch", wenn Spieler über Jahre hinweg nur wenig Zeit zur Saisonvorbereitung hätten, sagte Löw.

"Zu müde! Sowas habe ich noch nie gehört!"

Die aktuelle Debatte wird nicht nur in Deutschland geführt. In England wird aktuell der Fall Raheem Sterling diskutiert. Der Nationalspieler hatte freiwillig auf einen Startelf-Einsatz beim EM-Qualifikationsspiel in Estland (1:0) am Sonntag verzichtet. Der Profi des FC Liverpool bat Teammanager Roy Hodgson, ihn nicht aufzustellen, weil er zu erschöpft sei. Zuvor war der 19-Jährige seit Saisonbeginn im August in 13 Pflichtspielen zum Einsatz gekommen und hatte dabei 1332 von 1410 möglichen Spielminuten absolviert.

Für die erbetene Ruhepause erntete Sterling zum Teil heftige Kritik. Ex-Nationalstürmer Alan Shearer schrieb in der "Sun": "Zu müde! So etwas habe ich noch nie gehört". Sterling sei vielleicht der Ruhm zu Kopf gestiegen, sodass er meine sich aussuchen zu können, gegen wen er spiele, so Shearer weiter.

Andere ehemalige Nationalspieler wie Rio Ferdinand oder Phil Neville lobten hingegen Sterlings Offenheit. Rückendeckung erhielt der Offensivspieler auch von Nationaltrainer Hodgson, der mit seiner öffentlichen Erklärung, warum Sterling zunächst nur auf der Bank saß, den ganzen Wirbel erst ausgelöst hatte. "Es wäre falsch, wenn Spieler versuchen würden, mich zu täuschen, dass sie einhundert Prozent bereit sind", sagte Hodgson: "Denn damit rauben sie einem anderen die Chance."

mon/tim/sid

insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
axelmueller1976 13.10.2014
1. Immer das Gleiche
Unter dem neuen Trainer in Leverkusen muß man für das neue System mehr laufen und schon verlangt Herr Völler mehr Ruhe für die Spieler.
blabliblupp 13.10.2014
2. Solange die Vereine
ihren Spielern Testspiele in Sommer- und Winterpause in Amerika, Asien und wo immer sonst auch zumuten, da dann die Kassen klingeln, braucht kein Klopp, kein Völler kein Pep sich über den DFB zu beklagen.
berbarov 13.10.2014
3. papalapap
da nimmt rudi rücksicht auf bayern und bvb. bayer hat nur den karim im dfb team. profitieren tut am meisten die bayer bei dem vorschlag.
scooby11568 13.10.2014
4. @2
Du vergisst, wer die Spieler bezahlt. Irgendwie müssen die Gehälter ja wieder reinkommen.
ftb7 13.10.2014
5.
ich warte nur darauf bis sich die Vereine das nicht mehr bieten lassen. Sie zahlen das volle Gehalt und müssen die Spieler abstellen. das kann nicht sein. Und ausser WM und EM ist die NM eh furchtbar langweilig. Wer will schon dröge Qualifikations und Testspiele gegen Fussballzwerge sehen. Mich nervt jedes Wochenende an dem die Bundesliga wegen so unsinnigen Spielen unterbrochen wird. Dann lieber alle die wollen zur WM und EM antreten lassen. Bei einem KO modus sind das auch nur 3-4 spiele mehr die mich dann sogar interessieren würden da es um etwas geht.
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