Nationalspieler Marin "Ich bin nicht defensivschwächer als andere"

Er ist gerade 19 Jahre alt, aber Marko Marin hat sich schon einen Platz im DFB-Kader erspielt. Vor dem Spiel gegen England sprach der Gladbacher mit SPIEGEL ONLINE über Kritik an seinem Stil, den Wert von Familie und seine Jugend im Eintracht-Frankfurt-Trikot.


SPIEGEL ONLINE: Herr Marin, Sie wurden am Montag mit Ihren Teamkollegen von der Bundeskanzlerin empfangen. Haben Sie mit ihr über die Finanzkrise oder Fußball geredet?

Nationalspieler Marin: "Ich muss defensiv mitarbeiten"
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Nationalspieler Marin: "Ich muss defensiv mitarbeiten"

Marin: Es wurde auch über die Lage bei Opel gesprochen. Frau Merkel wusste aber, dass ich kürzlich zwei Tore in einem Spiel gemacht habe. Das fand ich schon beeindruckend.

SPIEGEL ONLINE: Das Gespräch war sicher entspannter als die lange erwartete Ansprache des Bundestrainers an die Mannschaft gleich danach.

Marin: Überhaupt nicht, die Ansprache des Trainers dauerte auch nicht besonders lange. Er hat eben ein paar Dinge angesprochen, gesagt, dass wir respektvoll miteinander umgehen sollen, einander vertrauen sollen.

SPIEGEL ONLINE: Das sind doch ziemliche Selbstverständlichkeiten.

Marin: Eben. Es kann aber nicht schaden, wenn jeder von uns sich da noch mal ein paar Gedanken drüber macht.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind mit gerade 17 Bundesliga-Spielen als 19-Jähriger schon ein fester Bestandteil des DFB-Kaders. Fragen Sie sich manchmal, wie Sie leben würden, wenn Ihre Mutter 1991 nicht nach Deutschland gezogen wäre?

Marin: Klar, das frage ich mich oft. Als ich zweieinhalb Jahre war, sind meine Eltern mit uns nach Deutschland gekommen. Wer weiß, was aus mir geworden wäre, wenn es damals dieses Abkommen zwischen Jugoslawien und Deutschland nicht gegeben hätte und in Deutschland nicht gerade Klinikpersonal gefehlt hätte. Viele meiner Freunde in Bosnien haben es jedenfalls schwer.

SPIEGEL ONLINE: Und dann kommen Sie und erzählen von teuren Hotels und Angela Merkel.

Marin: Wobei sich meine Freunde und Verwandte mit mir freuen, wenn ich wie jedes Jahr in Bosnien Urlaub mache. Die schauen sich alles über mich im Fernsehen an und bewahren Zeitungsartikel auf, in denen über mich berichtet wird. Es ist ja aber auch nicht so, dass wir dann ständig darüber reden, wie das Leben in Bosnien ist. Wir haben jede Menge Spaß, und ich bin immer sehr traurig, wenn ich wieder weg muss – auch wenn man sich dann wieder schnell auf den Alltag freut.

SPIEGEL ONLINE: In dem spielen Ihre Eltern noch immer eine große Rolle.

Marin: Das stimmt. Meine Mutter hat mich früher zu jedem Spiel gefahren, mein Vater war eh überall dabei, auch bei meinen Auswärtsspielen in der Jugend. Und heute übernachten sie bei mir in Mönchengladbach, wenn wir ein Heimspiel haben. Meine Eltern sind mir sehr wichtig.

SPIEGEL ONLINE: Zuletzt gab es erstmals Kritik an Ihrer Spielweise. Angeblich übertreiben Sie das Dribbling und vernachlässigen die Defensivaufgaben.

Marin: Das wurde nach außen falsch dargestellt, ich bin auch nicht defensivschwächer als andere Offensivspieler. Unser Trainer Hans Meyer hat mir auch noch mal erklärt, dass ich mein Spiel nicht komplett ändern soll. Ich muss halt defensiv mitarbeiten wie jeder andere auch.

SPIEGEL ONLINE: Wie fast jeder andere. Bei Bayern hat Ribéry alle Freiheiten – sein Coach Jürgen Klinsmann sieht ihn als Künstler, dessen Kreativität man nicht in taktische Zwänge einpferchen darf. Beneidenswert, oder?

Marin: Ein 18- oder 19-Jähriger wird ja nie das Standing haben wie jemand, der schon viel erreicht hat. Es muss eben das Ziel sein, sich dieses Standing zu erarbeiten. Wobei ich jetzt nicht sagen will, dass ich mit 25 Jahren nur noch vorne herumstehe und warte, bis mal ein Ball vorbeikommt.

SPIEGEL ONLINE: 2010 läuft Ihr Vertrag in Mönchengladbach aus. In München werden Sie bereits als potentieller Neuzugang gehandelt. Würden Sie Ihren Freunden in Bosnien einen Gefallen tun, wenn Sie für Bayern spielen?

Marin: Das weiß ich gar nicht. Viele meiner Bekannten sind Gladbach-Fans, das ist ein echter Name dort, schließlich hat die Borussia mal gegen Partizan und Roter Stern gespielt.

SPIEGEL ONLINE: Waren Sie selbst denn als Kind Bayern-Fan?

Marin: Nein, aber Mehmet-Scholl-Fan. Als wir vor zwei Jahren mal gegen Bayern gespielt haben, habe ich ihn schon vor dem Anpfiff gefragt, ob ich sein Trikot haben kann, damit es ja kein anderer bekommt. Ansonsten habe ich auch in der Freizeit im Trikot von Eintracht Frankfurt gekickt. Das war mein Verein.

Die Fragen stellte Christoph Ruf.



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Seite 1
Taubenus 10.09.2008
1.
Zitat von sysopDie Nationalelf ist auf dme Weg zur WM 2010. Trifft Joachim Löw die richtigen Entscheidungen? Wie gefallen Ihnen die Leistungen des Teams? Was sollte sich ändern? Diskutieren Sie mit.
Durch die vielen Verletzten ist Herr Löw momentan dazu gezwungen, junge und/oder neue Spieler in sein Team einzubauen. Dies finde ich sehr gut. Die Frage wird sein, ob er das auch dann noch durchziehen will, wenn Ballack, Frings, Schneider & Co. wieder fit sind. Bei der EM hat man gesehen, dass er mehr auf verdiente Leute setzt, als auf Leistung. Jüngstes Beispiel: Klose. Heute hat er 3x getroffen, okay. Wir können aber nicht immer so lange warten. Spieler wie Schweinsteiger, Lahm, Podolski etc. haben schon jetzt gefühlte 100 Länderspiele hinter sich. Dabei sind sie fast alle noch unter 25 Jahre. Damit sind quasi viele Positionen über Jahre hinweg "stammbesetzt". Man kann sagen: das ist/wird eine eingespielte Mannschaft. Man kann man aber auch befürchten, dass es einen Stillstand über Jahre hinweg geben könnte. Die Leistungen unserer Elf kann man so schwer einschätzen, da sie sich dauernd mit "Hochkarätern" wie Belgien, Luxemburg und Finnland mißt bzw. messen muß.
Augeseiwachsam, 11.09.2008
2. Unvermögend
Was will Löw eigentlich gewinnen? Den Jugendpreis? Den Talentschuppen? Da machen 10 Finnen im Mittelfeld die Räume eng, und die Deutsche Elf steht vor unlösbaren Problemen! Unfassbar!! Klare Konturen fehlen. Westermann und Kuranyi raus, die Schalker Schule ist überhaupt keine, wenn dann eine Hauptschule! Hey Jogi, finde erstmal Mannschaftsteile, die in der Liga auch zusammenspeielen. Sonst bleibst du ewig derjenige, der mit dem Abgesang tanzt.
Kurt Kurzweg 11.09.2008
3. Lachen oder Weinen?
Zitat von sysopDie Nationalelf ist auf dme Weg zur WM 2010. Trifft Joachim Löw die richtigen Entscheidungen? Wie gefallen Ihnen die Leistungen des Teams? Was sollte sich ändern? Diskutieren Sie mit.
Hier wird es wohl niemanden geben, dem die Leistung des teams gefallen. Wer sich - ganz gleich gegen welchen Gegner - DREI TORE einfängt muss sich (sehr) viele Fragen gefallen lassen...mon dieu, wir hatten mal die beste Abwehr der Welt...aber das Problem ist ja so neu nicht; man erinnere sich an die Spiele gegen England und Italien vor der WM...möchte nicht wissen, wieviel "Sauna-Olut" gestern abend in Suomi geflossen ist...
Jodeljedi, 11.09.2008
4.
Zitat von sysopDie Nationalelf ist auf dme Weg zur WM 2010. Trifft Joachim Löw die richtigen Entscheidungen? Wie gefallen Ihnen die Leistungen des Teams? Was sollte sich ändern? Diskutieren Sie mit.
Na ja, ich habe unsere Elf schon stärker spielen sehen als gestern. Finnland ist eher ein Fußballzwerg und sollte unsere Defensive besonders in der Rückwärtsbewegung nicht derart gefährden können. Haben sie aber und damit ist auch die bisherige und zukünftige Aufgabenstellung unseres Bundestrainers hinreichend beschrieben. Leider ist die Schwäche unserer Verteidiger seit längerem bekannt und trotzdem wurde seit der WM06 kein nennenswerter Fortschritt erreicht.Auch das Mittelfeld hat bei weitem nicht genügend Druck aufgebaut um die Finnen in Schach zu halten. Gut gefallen hat mir die Moral der Truppe und das Miroslav Klose endlich wieder so überzeugend gespielt hat. Eine andere Sache ist das mit Herrn Gomez, wie viele Chancen braucht der denn noch? Gebt Helmes eine Chance. Gruß Jodeljedi
Tomislav, 11.09.2008
5.
Zitat von sysopDie Nationalelf ist auf dme Weg zur WM 2010. Trifft Joachim Löw die richtigen Entscheidungen? Wie gefallen Ihnen die Leistungen des Teams? Was sollte sich ändern? Diskutieren Sie mit.
Das gestrige Spiel betrachtet, die Innenverteidigung. Tasci hat da sowieso nie hingehört (in die N11) und bei Westermann muss man sich auch fragen, ob er den Anforderungen eines Innenverteidigers auf diesem Niveu gerecht wird. Sobald der Ball irgendwie in der Luft ist, selbst wenn er nur 3 Meter vor ihm aufhopft, ist er überfordert und verschätzt sich. Wo war Enke, als der Ball beim 3:0 sich in seinen 5-Meter-Raum senkte? Überhaupt, so planlos wie die deutsche Abwehr da gestern rumgetorkelt ist, muss man sich schon fragen, ob der Torwart die selbige zu koordienieren in der Lage ist. Gott sei Dank hat Krisen-Klose gestern wieder getroffen, sonst wären wir noch zu null nach Hause geschickt worden. Gomez macht den Ball nichteinmal rein, wenn der ihm auf der Linie zurecht gelegt wird. Wieso hält er nicht einfach den linken statt dem rechten Schlappen hin??? Mit dieser Abwehr brauchen wir gegen die Russen gar nicht erst anzutreten, die hauen uns 5 Buden rein, wenn sich da nichts tut. Da ist mir ein Metzelder ohne Spielpraxis tausend mal lieber als das was da gestern zu sehen war.
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