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DFB-Stürmer Podolski: Gegen die Kleinen ganz groß

Foto: Christof Koepsel/ Bongarts/Getty Images

Nationalspieler Podolski Immer auf die Kleinen

Lukas Podolski kann sich auf den DFB-Gegner Kasachstan freuen. Gegen die Fußballzwerge trifft der Kölner fast immer - gegen die Großen taucht er dagegen ab. Wie lange wird Bundestrainer Joachim Löw das noch hinnehmen? 

Dieser Dienstagabend wird sicherlich wieder der Abend des Lukas Podolski werden. Schließlich geht es für die DFB-Elf gegen Kasachstan (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), und vermutlich wird Podolski zwei Tore schießen. Kasachstan liegt auf Platz 126 der Fifa-Weltrangliste, und gegen die Kleinen im Weltfußball trifft der Kölner am liebsten.

Am vergangenen Freitag ging es gegen einen vermeintlich Großen, die Türkei. Alle sprechen vom stärksten Gegner in der deutschen EM-Qualifikation. Und Lukas Podolski war der mit Abstand schwächste Spieler im deutschen Team.

Der 25-Jährige bestreitet gegen die Kasachen sein 83. Länderspiel. Er zieht dadurch mit Bastian Schweinsteiger gleich, nur Miroslav Klose hat von den WM-Spielern mehr Einsätze in der Nationalelf. Dabei hat Podolski 41 Tore erzielt, mehr als Fritz Walter (33), Oliver Bierhoff (37) oder Lothar Matthäus (23). Wenn er gegen die Kasachen trifft, hat er Michael Ballack eingeholt, bei zwei Toren gar Uwe Seeler. Von diesen Zahlen her müsste Podolski ein ganz Großer im DFB-Dress sein. Aber wenn von den Führungspersönlichkeiten des Teams die Rede ist, dann spricht man von Philipp Lahm, von Bastian Schweinsteiger, von Per Mertesacker. Sogar von Arne Friedrich. Von Podolski spricht keiner.

Der Kölner ist auf dem Weg, zu einer Nebenfigur der Nationalmannschaft zu werden.

Podolski hat lange das Glück gehabt, dass sein Name gerne in einem Atemzug mit Miroslav Klose genannt wurde, wenn darüber diskutiert wurde, ob Bundestrainer Joachim Löw den richtigen Leuten vertraut. Dann wurden stets als Beispiele Klose und Podolski angeführt, als seien sie eine Art siamesische Zwillinge der Nationalelf oder der Name eines Pop-Duos. Dabei könnten beide Spieler in ihrer Entwicklung, auch in ihrer Persönlichkeit, nicht unterschiedlicher sein.

Mit Druck kann Podolski nicht umgehen

Klose wirkt nach außen oft als der Grübler, der Selbstzweifler, derjenige, der sich in sich vergräbt, wenn er mal ein paar Wochen das Tor nicht trifft - was in der Liga regelmäßig vorkommt. Tatsächlich ist Klose jedoch ein stabiler Typ, einer, der genau um seine Stärken weiß und sie meist auch dann einsetzt, wenn es drauf ankommt. Klose schießt in der Nationalelf die wichtigen Tore, zwei zuletzt gegen die Türkei.

Bei Podolski ist es genau anders herum. Die Öffentlichkeit hat ihn als rheinische Frohnatur abgehakt, als einen, für den das Wort Druck ein Wort ist, das in seinem Kölschen Sprachschatz nicht vorkommt. Der Instinktfußballer ohne Hang zur Nachdenklichkeit, der sein Spiel spielt, egal, was die Leute sagen. Unbekümmertheit als sein zweiter Vorname. Exakt das ist Podolski nicht.

Auch nach mehr als sechs Jahren in der Nationalelf hat er nicht wirklich gelernt, mit Druck umzugehen. Wenn die ganz großen Aufgaben anstehen, taucht der Kölner gerne ab. Seine Länderspieltore hat er vornehmlich gegen Thailand, San Marino, Liechtenstein, Aserbaidschan, Luxemburg, China oder Nordirland gemacht. Wenn es gegen Italien ging, gegen Argentinien, Spanien oder die Niederlande, sucht man seinen Namen dagegen vergeblich in der Torschützenliste.

Immer noch ein hochveranlagter Fußballer

Der Kölner hat bislang zudem ein bemerkenswertes Talent zur Karrierefehlplanung bewiesen. Als der 1. FC Köln, sein 1. FC Köln, im Jahr 2004 wieder einmal abgestiegen war, zog er es vor, als Jung-Nationalspieler mit dem Verein in die zweite Liga zu gehen, anstelle sich bei einem Top-Verein weiterzuentwickeln. Mit der Konkurrenzsituation beim FC Bayern ist er später nicht zurechtgekommen. Doch statt bei einem anderen Club mit Ambitionen wie Werder Bremen oder dem Hamburger SV anzuheuern, floh er wieder in sein kuschliges rheinisches Biotop zurück und ist mitsamt seinem Kölner Verein seitdem im unteren Mittelmaß versunken. Man kann das Vereinstreue nennen, gut getan hat es dem Fußballer Podolski nicht.

Podolski ist immer noch ein hochveranlagter Fußballer. Sein explosiver Antritt, seine ausgefeilte Schusstechnik, seine Wucht im Spiel nach vorne - es gibt wenige Abwehrspieler, die ihm an seinen guten Tagen gewachsen sind. Aber diese guten Tage sind selten geworden, und das ist auch dem Bundestrainer nicht entgangen. Vor der Partie gegen Aserbaidschan im September hat Löw den Kölner öffentlich und deutlich kritisiert, nach dem Türkei-Spiel hat der Trainer fast jeden aus seiner Elf einmal namentlich für die starke Leistung herausgehoben. Podolski wurde mit keinem Wort erwähnt. Löw bemerkte lediglich, dass er "durchaus gesehen habe, dass wir auf der linken Seite das eine oder andere Problem hatten". Es ist die Seite von Lukas Podolski.

Noch hat der Kölner Kredit beim Bundestrainer. "Wenn er auch ohne Ball weite Wege geht, ist er für einen Gegner fast nicht zu halten", hat er vor dem Aserbaidschan-Spiel auch noch ein Lob für Podolski übrig gehabt. Aber der Bundestrainer weiß auch sehr gut um die Alternativen: Toni Kroos, Marcell Jansen, Marko Marin - sie alle könnten Podolskis Part auf der linken Seite übernehmen, ohne dass die DFB-Elf dadurch merklich geschwächt würde.

2011 wird ein Zwischenjahr für die Nationalmannschaft. Es gibt keine WM und keine EM, im Jahreskalender stehen allerdings Testspiele gegen Italien und Brasilien an. Dazu kommen die Qualifikationspartien in der Türkei, in Österreich oder gegen Belgien.

Für Lukas Podolski wäre es allerhöchste Zeit, sich dort zu zeigen. Und nicht nur gegen Kasachstan.

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