Nationalspieler Westermann "Ich habe alles auf eine Karte gesetzt"

Er ist die einzige Konstante des kriselnden FC Schalke: Heiko Westermann, 25, will seine guten Leistungen auch in der DFB-Elf bestätigen. Vor der Partie gegen Liechtenstein sprach der Verteidiger mit SPIEGEL ONLINE über Flexibilität, Ehrgeiz und das schwerste Spiel der WM-Qualifikation.


SPIEGEL ONLINE: Herr Westermann, Norwegen wurde im Februar als Testspielgegner ausgesucht, weil man einen defensiven Gegner auseinandernehmen wollte. Das Spiel endete 0:1. Holt die Mannschaft jetzt gegen Liechtenstein und Wales nach, was gegen Norwegen so glänzend schief ging?

Verteidiger Westermann (gegen Russland 2008): "Es war mir egal, wo ich spiele"
DDP

Verteidiger Westermann (gegen Russland 2008): "Es war mir egal, wo ich spiele"

Westermann: Liechtenstein hat ein paar gute Spieler, trotzdem ist die Qualität unserer Mannschaft natürlich um Klassen besser, deshalb werden wir die Partie auch gewinnen. In Wales wird es dagegen sehr schwer, ich halte das Spiel für das vielleicht wichtigste in der gesamten Qualifikation. Aber auch da bin ich optimistisch. So wie gegen Norwegen und England (1:2 im November in Berlin; die Redaktion) werden wir nicht mehr auftreten.

SPIEGEL ONLINE: Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?

Westermann: Wir haben mehrere Trainingseinheiten Zeit gehabt, uns aufeinander einzustellen, wir haben das Angriffs- und Verteidigungsspiel trainiert, lange Videoschulungen gehabt. Und schon jetzt merkt man, dass die Abstimmung besser klappt.

SPIEGEL ONLINE: Die EM 2008 war Ihr erstes großes Turnier als Profi. Was war das erste Spiel, das Sie als Kind bewusst wahrgenommen haben?

Westermann: Die EM 1996, da war ich 12 Jahre alt. Ich habe wirklich jedes Spiel geschaut - das Golden Goal von Olli Bierhoff vergisst sicher keiner, der es gesehen hat. Ein paar Jahre später habe ich dann gemerkt, dass ich selbst auch ein bisschen etwas kann. Und dann war der Ehrgeiz da, es unbedingt schaffen zu wollen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich dann für Fürth als erste Profistation entschieden.

Westermann: Und das war richtig so, dort durfte ich schon mit 17 Jahren bei den Profis trainieren, bekam meine Einsätze. Ich habe schließlich alles auf eine Karte gesetzt und nicht mal eine Ausbildung gemacht. Ich fing als rechter Verteidiger an - aber es war mir egal, wo ich spiele. Hauptsache, ich spielte.

SPIEGEL ONLINE: Diese Flexibilität scheinen sie sich bewahrt zu haben, bei Schalke spielen sie in dieser Saison im Mittelfeld und haben schon sechs Treffer erzielt. Es gibt also doch noch gute Nachrichten aus Schalke.

Westermann: Ich möchte nicht über Schalke sprechen, da bitte ich um Verständnis...

SPIEGEL ONLINE: Schade, schließlich hat Ihr Trainer Fred Rutten am Donnerstag verkündet, dass er zum Saisonende aufhören muss - am Abend war er dann nicht mehr Coach.

Westermann: Das mag schon sein, aber ich bin jetzt bei der Nationalmannschaft und möchte mich darauf konzentrieren.

SPIEGEL ONLINE: Unabhängig von Schalke: Wie wichtig ist es, international zu spielen?

Westermann: Für mich ist das sehr wichtig, man kann vielleicht mal ein Jahr ohne internationale Spiele überbrücken, aber auf Dauer geht das nicht. Ein Fußballerleben ist kurz und wenn man die sportliche Qualität hat, sollte man auch möglichst viel international spielen. Wer weiß, wie lange ich noch spiele?

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie drei Wünsche für Schalke frei hätten...

Westermann: ... würde mir einer genügen: Dass endlich mal Ruhe ist!

Die Fragen stellte Christoph Ruf

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