Nationalstürmer Cacau "Ich will einfach nur spielen"

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Aus Pretoria berichtet Cathrin Gilbert

2. Teil: Durchbruch in Deutschland - mit Verzögerung


Der 12. Juli 1999 war ein angenehmer Sommertag in München, 32 Grad war es warm. Nach einer Zwischenlandung in Brüssel stieg ein 18-jähriger Teenager mit einem braunen, viel zu großen Anzug aus einem Flugzeug. Er trug eine kleine Tasche mit Kleidern und Wechselgeld unter dem Arm. Es war Cacau, der auf den Rat eines ehemaligen Trainers und Einladung des in Deutschland lebenden Brasilianers Osmar Oliveira, der sein Geld mit Samba-Musik verdiente, losgeflogen war.

Ein Abenteuer, das viele junge Brasilianer ohne jegliche Sicherheit eingehen. "Cacau schaute mich an wie ein scheues Tier", sagt Oliveira. Er habe sofort gewusst, dass er ab diesem Moment nicht nur sein Berater sein würde, der ihn bei einem deutschen Verein unterbringen wollte, sondern auch der Ersatzvater. Die Reise des jungen Cacau, der eigentlich Claudemir Jeronimo Barreto heißt, endete nicht wie geplant bei Bayern München, sondern im Haushalt der Familie Oliveira. Er half bügeln, spülen und bei der Gartenarbeit. Bei einem Einkauf mit Ersatzvater Oliveira in der Leopoldstraße in München schlug die Kassiererin vor, den hübschen Mann doch bei einer Modelagentur vorzustellen.

Aber Cacau wollte nicht modeln. Er wollte Fußball spielen. Bis zu seinem ersten Vertrag in Deutschland, bei Münchens Landesligisten Türk Gücü, dauerte es fast ein Jahr. Cacau hat seine schmalen, schwarzen Finger übereinander gelegt. Am Ringfinger der linken Hand glitzert es silbern, am Mittelfinger der rechten steckt ein goldener Ring. Er kneift die Augen zusammen und sagt: "In Zeiten wie diesen fragte ich mich oft nach dem Sinn des Lebens." Er verspürte Heimweh nach seinen Freunden und der Verlobten Tamara, seiner jetzigen Frau. Der Junge habe oft geweint, erinnert sich Osmar Oliveira.

"Wir haben uns für ein Leben als Deutsche entschieden"

Heute, sagt Cacau auf der Terrasse des DFB-Teamhotels sitzend, sehe er die Zeit zwischen seinem 16. und 19. Lebensjahr als eine wichtige Etappe in seinem Leben an. Der Sprung aus der fünften Liga, über den 1. FC Nürnberg zum VfB Stuttgart gelang Cacau zwar innerhalb von zwei Jahren, trotzdem ist er einer der wenigen Fußballer, die erst erwachsen wurden und dann zum Profi.

Dass der Brasilianer Cacau die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen würde, war die logische Folge seiner persönlichen Entwicklung. Er hat sich früh gemeinsam mit seiner Frau Tamara dafür entschieden, sein neues Heimatland anzunehmen mit all seinen Nachteilen und sich mit seiner Umgebung zu identifizieren. "Wir haben uns für ein Leben als Deutsche entschieden", sagt Cacau. Und wenn man in die kleine Straße im schwäbischen Örtchen Korb einbiegt, in der das Einfamilienhaus der Familie Barreto steht, den akkurat geschnittenen Vorgarten sieht und das in Stuttgart gebaute Familienauto, dann versteht man, worüber Cacau spricht.

Trotz der Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft leugnet Cacau seine Herkunft nicht. Die Familie besucht eine brasilianische Gemeinde in Stuttgart-Zuffenhausen, als evangelisch-freikirchlich bezeichnet Cacau die Gemeinschaft. Sie singen religiöse Lieder auf portugiesisch, tanzen und beten mit anderen Brasilianern. Die Religion bedeutet für Cacau einen Rückzugsort, an dem er abschalten kann. Es ist die Mischung aus Offenheit und Treue, die Cacau für die Fans greifbar macht, sie fühlen sich mit ihm verbunden und schenkten ihm bei der Bürgermeisterwahl in Korb sechs Stimmen, obwohl er nicht kandidiert hatte.

Cacau lehnt sich in seinem Stuhl zurück, er trägt das offizielle DFB-T-Shirt mit dem Adler auf der Brust und sagt einen Satz, den bereits viele Fußballer zuvor gesagt haben: "Ich will einfach nur spielen."

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JustinSullivan 02.06.2010
1. ich tippe auf...
Gruppensieg in der Vorrunde, Sieg gegen die USA im Achtelfinale, dann im Viertelfinale raus gegen Argentinien. Ich schätze Deutschland stärker als England ein, aber schwächer als Argentinien. Witzig wäre also, wenn Deutschland den Argentiniern ausweichen würde, indem sie Gruppenzweiter würden, dann im Achtelfinale die Engländer raushauen und im Viertelfinale auf nen schwaches Frankreich treffen würden. Hätte, wenn und aber... Hauptsache, es wird ein tolles Turnier.
Kourosh 02.06.2010
2.
Ich halte recht viel von dieser jungen Truppe vor allem auf das Mittelfeld bin ich sehr gespannt. Am Ende werden sie wohl gegen die erste abgezockte Truppe rausfliegen auf die sie treffen. Vorraussichtlich wohl so Viertelfinale. Ist aber egal denn das könnte ne echte Gewinnertruppe in 2, 4 und 6 Jahren werden. Freue mich auf feinen Fussball!
deepocean 02.06.2010
3.
Zitat von sysopDer WM-Kader von Bundestrainer Jogi Löw ist komplett. Welche Chancen hat die Mannschaft bei der WM?
einfache frage einfache antwort: Gruppensieg AF: USA VF: Argentinien (und dann wird es wirklich ernst) HF: Spanien (jetzt wird es noch ernster) und es darf gehofft werden;-) etwas weniger einfache antwort, solche fragen machen aus meiner sicht erst sinn nach dem ersten oder zweiten spieltag in der gruppe... jetzt ist es wirklich nur kaffeesatzleserei.... egal was geschieht... DAUMEN DRÜCKEN ist angesagt :-)
pablo morales 02.06.2010
4. Wm
Zitat von KouroshIch halte recht viel von dieser jungen Truppe vor allem auf das Mittelfeld bin ich sehr gespannt. Am Ende werden sie wohl gegen die erste abgezockte Truppe rausfliegen auf die sie treffen. Vorraussichtlich wohl so Viertelfinale. Ist aber egal denn das könnte ne echte Gewinnertruppe in 2, 4 und 6 Jahren werden. Freue mich auf feinen Fussball!
^ Das hat man vor vier Jahren nach der WM 2006 auch schon gesagt, und heute sind sie um einiges schlechter als 2006.
JustinSullivan 02.06.2010
5.
" 'Uns ist die Entscheidung nicht leicht gefallen. Andreas hat in den drei Wochen sehr engagiert gearbeitet und gut trainiert. Er hat aber eine durchwachsene Saison gespielt und war einige Male verletzt.' Dann frag ich mich jetzt aufrichtig, aus welchem Grund Klose, Podolski und Gomez mit dabei sind..." Ganz klar deswegen: Klose, Podolski und Gomez haben eine durchwachsene Saison gespielt und waren einige Male verletzt. Aber sie haben in den drei Wochen sehr engagiert gearbeitet und gut trainiert. ;)
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