Nationaltorhüter ter Stegen Signal an den Stierkämpfer

Erstmals seit dem Ausbruch des Torwartstreits mit Manuel Neuer hat sich Marc-André ter Stegen im Kreis der Nationalelf geäußert. Vom DFB ist das ein Signal - auch an den FC Bayern.

Marc-André ter Stegen: "Ich möchte dem Bundestrainer die Entscheidung so schwer wie möglich machen"
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Marc-André ter Stegen: "Ich möchte dem Bundestrainer die Entscheidung so schwer wie möglich machen"

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Es wäre naiv zu glauben, dass diese Entscheidung keine politische war. Die Wahl von Torwart Marc-André ter Stegen als Podiumsgast bei der Pressekonferenz der deutschen Fußballnationalmannschaft einen Tag vor dem Testspiel gegen Argentinien am Mittwoch (20.45 Uhr/Liveticker SPIEGEL, TV: RTL) war nichts anderes als ein Signal des DFB. Und zwar an mehrere Adressen gerichtet:

  • an die des FC Bayern, der die Debatte um den Torwartstreit zwischen ter Stegen und dem Münchner Manuel Neuer um die Nummer eins im Nationaltor mit Aussagen der Klubführung um Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge besonders politisiert und dem DFB sogar gedroht hatte.
  • an die von ter Stegen selbst, der sich nach dem vergangenen Nationalmannschaftslehrgang öffentlich darüber beschwert hatte, beim DFB nicht die faire Chance und Bühne zu erhalten, die ihm versprochen worden war.
  • an die von Neuer, der ter Stegens Beschwerde zunächst als unkollegial eingestuft hatte, nun aber auch vorgeführt bekommen soll, dass Bundestrainer Joachim Löw ter Stegens grundsätzliches Anliegen durchaus als berechtigt einschätzt.
  • und letztlich auch hinein ins Innere der Nationalmannschaft sowie nach außen an die interessierte Öffentlichkeit: Wir lassen uns von keinem Klub der Welt unter Druck setzen. Konkurrenzkampf ist Normalität bei uns.

Diese Geschichte zwischen ter Stegen und Neuer bekam nun im deutschen Fußballmuseum in Dortmund ein neues Kapitel. Erstmals seit dem Disput traten ter Stegen und Löw im Kreise der Nationalmannschaft öffentlich auf. Beim DFB haben sie dies bewusst so entschieden, auch wenn es "eine Operation am offenen Herzen" zu werden versprach, wie es intern hieß.

Ter Stegen hätte ja die Angriffe aus München (er beschädige "einen völlig tadellosen Sportsmann wie Manuel Neuer", hatte Hoeneß geschimpft) kontern können. Damit hätte er der Debatte eine neue Schwere verliehen, die sich über die beiden aufgrund von allerlei Absagen ohnehin schon schwierigen Länderspiele gelegt hätte. Aber der 27-Jährige vom katalanischen Topklub FC Barcelona zog es vor, den wütenden bayerischen Bemerkungen im Stile eines Stierkämpfers auszuweichen und sie damit ins Leere laufen zu lassen.

Marc-André ter Stegen bestritt bisher 22 Länderspiele für Deutschland
DPA

Marc-André ter Stegen bestritt bisher 22 Länderspiele für Deutschland

"Ich beschäftige mich nicht so sehr mit anderen Aussagen", sagte ter Stegen, angesprochen auf die Hoeneß- und Rummenigge-Wortmeldungen, "ich habe gut daran getan, mich auf den Fußball zu konzentrieren. Alles, was danach gesagt wurde, war ein Wort zu viel."

Löw kommentierte das Thema sogar deutlicher: "Egal, was da aus München kommt, das spielt für mich persönlich keine Rolle", sagte der 59-Jährige.

Kein klärendes Gespräch mit dem Bundestrainer geplant

Dass ter Stegen dieses Testspiel gegen den attraktiven Gegner aus Argentinien von Löw zugesprochen bekommt, um für sich zu werben, das war lange vor dem Ausbruch des Torwartstreits geplant. Aber es passt jetzt eben auch ganz gut für den Bundestrainer, um ter Stegen Wertschätzung entgegenzubringen. "Nach einer schwierigen Anfangsphase hat sich Marc seit dem Confed Cup bei uns etabliert. Auf ihn ist absolut Verlass, er spielt auf allerhöchstem Niveau", sagte Löw.

Er werde den Zwist zwischen ter Stegen und Neuer vor dem Spiel gegen Argentinien nicht noch einmal in einem klärenden Gespräch thematisieren, so Löw. Erstens habe er mit der Organisation seiner dezimierten Elf genug zu tun. Und zweitens sehe er "kein Problem zwischen den beiden Torhütern. Beide schätzen sich".

Der Bundestrainer fragt sich ohnehin, warum er seine Zeit mit der Debatte um die Nummer eins verschwenden soll, wenn beide Kandidaten derart gut sind, dass fast egal ist, wer spielt. Und wenn drumherum viele andere Profis noch nicht die Fähigkeit nachgewiesen haben, bei der EM im nächsten Jahr wirklich um den Titel mitspielen zu können. "Die Torhüter sind die kleinste Baustelle", sagte Löw und korrigierte sich gleich: "Nein, das ist überhaupt keine Baustelle."

Wenn es wichtig wird, spielt Neuer

Für ter Stegen ist es natürlich weiterhin problematisch, einer der herausragenden Torhüter der Welt zu sein und im Nationalteam trotzdem keine Chance auf dauerhaftes Bleiben im Tor zu haben. Bei der Fifa-Wahl zum besten Keeper des Jahres stand ter Stegen unter den letzten drei - Neuer nicht. Bei Barças 4:0 gegen Sevilla am Wochenende bestritt ter Stegen sein 200. Pflichtspiel für die Katalanen - das war zuvor noch keinem ausländischen Torhüter gelungen. Und im Dortmunder Stadion, wo nun das Spiel gegen Argentinien stattfinden wird, zeigte ter Stegen zuletzt im Champions-League-Spiel gegen den BVB eine grandiose Leistung.

"Ich werde alles dafür tun, die Nummer eins zu sein", sagte er nun. Das aber habe nichts mit Neuer zu tun, mit dem es im Übrigen keinen Streit gebe. Er lese die Aussagen des Bundestrainers so, "dass Manuel einen Vorteil hat", sagte ter Stegen. Aber: "Ich möchte dem Bundestrainer die Entscheidung so schwer wie möglich machen."

Im Video: Ter Stegen will es Löw "so schwer wie möglich machen"

Löw stand oft schon im Verdacht, ein Trainer zu sein, der es sich gern etwas einfacher macht, indem er an Bewährtem festhält. Das Spiel nun gegen Argentinien ist für ihn eine willkommene Gelegenheit, zu zeigen, dass er für Neues offen ist, ohne dabei seinen alten Helden Neuer zu degradieren. Der Kapitän wird am Sonntag spielen, wenn es in der EM-Qualifikation gegen Estland um Punkte geht.

Womöglich hätte er sich die Debatte selbst ersparen können, hätte er ter Stegen zuletzt beim 2:0 gegen Nordirland spielen lassen. Doch nach dem 2:4 gegen die Niederlande habe er sich eben für Neuer entschieden, erklärte Löw nun. Wenn es wichtig wird, dann spielt eben der Altmeister.

insgesamt 24 Beiträge
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peter-11 08.10.2019
1. unnötige Diskussion
ganz einfach, weil das der Trainer entscheidet. In dem Fall der Bundestrainer. Beide Torhüter sind weltklasse ... aber nur einer kann spielen.
flicflac44 08.10.2019
2. Ein klassischer Journalisten-Artikel..
.. er besteht fast zu 100% aus Annahmen und nahezu ohne neue Fakten. Das ganze Thema hat ter Stegen angeleiert! Die feste Nummer 1 im deutschen Tor - Manuel Neuer - hat 1 mal geantwortet und an die Mannschaftsdienlichkeit erinnert. -- Bedauerlicherweise hat sich dann Uli Hoeneß eingeschaltet und das Thema hochgejubelt. Dass ter Stegen am Tag vor seinem Freundschafts-Spiel gegen Argentinien sich in der Pressekonferenz befindet ist an sich ziemlich normal und braucht nicht zu einem Politikum hochstilisiert zu werden.
undlos 08.10.2019
3.
Pressekonferenz mit Ter Stegen als Zeichen von Löw, dass er völlig autark das Team aufstellt? Wer soll das denn glauben? Nach all dem, was Löw sich nach dem WM Sieg abstruses erlaubt hat? Nein, lieber Redakteur, die Pressekonferenz mit Ter Stegen ist genau so ein Publicity Gag wie das Gespräch mit den beiden Erdoganjüngern Özil und Gündogan beim Bundespräsidenten. Aber wen interessiert das eigentlich noch? Löw lässt mittlerweile den unattraktivsten Fuüball einer deutschen Nationalmannschaft sei 41 Jahren spielen. Deshalb sollte jeder, der den Fußball schätzt, einfach den Fernseher ausmachen, wenn die Nationalelf, sorry, die Mannschaft..., spielt. Wenn kaum noch einer guckt, wird sich vielkeicht was ändern. Schade nur für Ter Stegen, der nach ein paar Alibieinsätzen wieder die Bank aufsuchen wird.
petzle 08.10.2019
4. Gähn
ein recht sinnloser Artikel. Ärgert mich fast, das gelesen zu haben. Es war doch schon immer so, Torhüter sind seltsame Typen, denn keiner hat so richtig Bock drauf sich ab der E-Jungend ins Tor zu stellen. Derjenige, der es dann macht, jo, es freut den Trainer egal welcher Altersstufe, das diese Diskussion durch ist. Dummerweise darf laut aktuellen Statuen nur einer spielen, daher ist´s halt immer blöd für den anderen...
aurichter 08.10.2019
5. Ja ja
und diejenigen, die hier aus welchem Grund auch immer, so vollmundig den "Sonderstatus" eines ehemals Dauerverletzten hervorheben, das sind vermutlich auch diejenigen,cdie seinerzeit Pappschilder mit "Koan Neuer" in die Stadionluft gehalten haben. Einerseits fordert man permanent die Leistung stärker zu berücksichtigen, wenn jedoch dann eine derzeitige "Vereinsikone" dabei zur Debatte steht, dann rastet der süddeutsche Fan (antiker) vollends aus. Selbst Angriffe auf den BT bleiben wieder nicht aus, sind willkommener Anlass seinen persönlichen Frust darzustellen. Man Stelle sich jetzt einmal vor, eine deutsche NM OHNE jeglichen Bayern-Spieler! Nicht auszudenken :-(
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