Nations-League-Partie gegen die Schweiz Labile Deutsche

Nach vorne hui, nach hinten pfui. Die DFB-Elf hat nach Joachim Löws Umstellungen zwar an Durchschlagskraft gewonnen, Balance und Stabilität fehlen allerdings weiterhin. Die Schweizer lockten und trafen.
Da segelt sie, die Bogenlampe über Manuel Neuer

Da segelt sie, die Bogenlampe über Manuel Neuer

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Federico Gambarini / dpa

Ohne Balance: In der 24. Minute schalteten die Schweizer mal wieder schnell um, Xherdan Shaqiri leitete den Ball per Hacke auf Haris Seferović weiter, der einige Schritte später den Abschluss suchte. Der Ball ging zwar vorbei, aber die Szene war prototypisch für die Partie: Wenn die Deutschen den Ball nicht ordentlich in ihre starke Offensive trugen, hatten sie in der Defensivbewegung viel zu häufig keinen Zugriff auf den Gegner.

Das Ergebnis: In der Nations League haben sich Deutschland und die Schweiz 3:3 (1:2) getrennt. Hier geht es zum Spielbericht.

Das Personal: Bundestrainer Joachim Löw setzte nach der fortdauernden Kritik an seiner defensiven Dreierformation gegen die Schweizer auf eine Viererkette, in der Niklas Süle keinen Platz fand und Robin Gosens, der im Klub eigentlich eine Dreierkette gewohnt ist, Marcel Halstenberg als Linksverteidiger ablöste. Vorne kamen Kai Havertz und Timo Werner ins Team.

Die erste Hälfte: Bereits in der vierten Minute zwang Shaqiri DFB-Torhüter Manuel Neuer zu einer Glanzparade, die nachfolgende Ecke wurde nur unzureichend geklärt, sodass Mario Gavranović mit einer Kopfballbogenlampe Neuer überwinden konnte - 0:1 (5.). In der 26. Minute überlupfte Remo Freuler Neuer und Antonio Rüdiger konnte auf der Linie nicht mehr entscheidend klären. Das 0:2 konterte Werner mit einer schönen Einzelaktion und einem Schuss ins lange Eck (29. Minute). Mit einem verdienten 2:1 für die Gäste ging es in die Pause.

Die zweite Hälfte: Erst traf Havertz den Pfosten (49.), dann nach einer starken Sololeistung zum 2:2 (55.). Kaum gejubelt, schon wieder ernüchtert: Zwei Minuten später scheiterte zunächst Seferović zweimal an Neuer, bevor Gavranović den Ball aus dem Rückraum unter die Latte jagte (57.). Serge Gnabry sorgte per Hacke für das 3:3 (60.). Hier noch ein paar Chancen, dort noch ein paar beunruhigende Ballverluste, so wogte es hin und her. In der Nachspielzeit sah dann noch der Schweizer Fabian Schär Gelb-Rot und Rüdiger hatte Glück, dass sein Ellbogeneinsatz bei einer finalen Freistoßhereingabe nur mit Gelb und nicht mit einem Platzverweis geahndet wurde.

Offensiv sah es gar nicht schlecht aus für die deutsche Nationalmannschaft

Offensiv sah es gar nicht schlecht aus für die deutsche Nationalmannschaft

Foto: BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl / imago images/Beautiful Sports

Tonis 100: Als zwölfter Spieler hat Toni Kroos nun hundert Länderspiele für die DFB-Elf absolviert. Seine Familie auf der Tribüne sah zahlreiche Ballaktionen des Jubilars, einen Traumpass auf Werner in der ersten Hälfte, allerdings auch einen entscheidenden Fehler vor dem 0:2, als er sich im Aufbauspiel einen Pass in die Füße des Gegners erlaubte.

Top Schwyz: Wie schon beim 0:1 in Spanien am vergangenen Samstag agierte die Mannschaft von Trainer Vladimir Petković taktisch diszipliniert und hatte sich zudem ein paar Kniffe einfallen lassen. So lockten die Offensivspieler vor allem den deutschen Innenverteidiger Antonio Rüdiger immer wieder aus der Kette heraus, um mit den schnellen Spielern drumherum in den freien Platz in seinem Rücken zu stoßen. Zu stark sollte man die Schweizer allerdings nicht reden - in diesem Kalenderjahr hatten sie neben drei Niederlagen nur ein Remis geholt - gegen Deutschland.

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Gemütliche Gruppe 4 in Liga A: Die bislang ungeschlagenen Spanier unterlagen im Parallelspiel der Gruppe überraschend 0:1 (0:0) in der Ukraine, was nun zu einem kuscheligen Tabellenbild führt: Die Spanier führen weiterhin mit sieben Zählern, es folgen Deutschland und die Ukraine mit jeweils sechs, die Schweizer haben zwei. Zwei Spiele stehen für die DFB-Elf noch aus - am 14. November gegen die Ukraine und am 17. November in Spanien.

Joachim Löws Vision: "Wir haben einen Plan, ein Ziel, eine Vision" - der Bundestrainer gab sich vor der Partie trotz des seit Monaten, wenn nicht Jahren anschwellendem Unwohlsein mit seiner Nationalelf, kämpferisch. Es würde bei der Mitnahme der Öffentlichkeit womöglich helfen, wenn er einen Einblick gewähren würde, worin diese Vision denn besteht. Gegen die Schweiz stärkte er mit der Hereinnahme einer zusätzlichen Offensivkraft den Angriff. Dies war zu merken. Dafür fehlte eine Defensivkraft. Was man ebenfalls merkte. Eine Verschränkung des Teams in gemeinsame Offensiv- und Defensivarbeit scheint ihm im Jahr 2020 verloren gegangen zu sein. Sieben Gegentore gegen die Türkei, Ukraine und Schweiz sind auch bei acht Erzielten viel zu viele.