DFB-Niederlage gegen Frankreich Mut ohne Ertrag

Stark verbessert und doch verloren: Die deutsche Nationalmannschaft steht in der Nations League nach der Pleite gegen Frankreich vor dem Abstieg. Am fehlenden Risiko hat es diesmal nicht gelegen.

Niklas Süle
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Niklas Süle

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Szene des Spiels: 19 Minuten waren gespielt, als Leroy Sané nach einem Konter auf das gegnerische Tor zulief. Der Angreifer von Manchester City hatte im höchsten Tempo nur noch Raphael Varane neben sich, doch der Respekt vor dem Verteidiger von Real Madrid schien zu groß. Statt seine große Stärke auszuspielen, das Eins-gegen-eins, versuchte er, Timo Werner zu bedienen. Sein Pass geriet zu lang und wurde von Torhüter Hugo Lloris entschärft. Es hätte frühzeitig 2:0 für Deutschland stehen können, stattdessen blieb es bei der knappen Führung. Das sollte sich rächen.

Ergebnis: Eine deutlich verbesserte DFB-Elf verliert gegen Frankreich trotz Führung 1:2 (1:0). Hier geht es zum Spielbericht.

Das Horrorjahr: Schon vor dem Anpfiff war klar, dass das Jahr 2018 in schlechter Erinnerung bleiben wird. Das historisch frühe Scheitern bei der WM in Russland, die höchste Niederlage der Verbandsgeschichte gegen die Niederlande (0:3) und dazu der unschöne Abgang von Mesut Özil. Die reinen Zahlen dürften vor allem Joachim Löw nicht gefallen: Drei Siege, sechs Niederlagen, zwei Remis und seit drei Partien torlos - auch das hatte es zuvor noch nie gegeben.

Die Aufstellung: Löw wurde zuletzt vorgeworfen, dass er zu wenig Risiko gegangen sei. Außerdem, so hieß es, habe er zu lange an manchen Spielern festgehalten. Das konnten die Kritiker des Bundestrainers gegen Frankreich nicht mehr behaupten: Mit Thilo Kehrer, Serge Gnabry, Leroy Sané, Nico Schulz und Niklas Süle stellte er sein Team gleich auf fünf Positionen um. Die viel kritisierten Mats Hummels und Manuel Neuer spielten jedoch von Beginn an.

Erste Hälfte: Der DFB-Elf war die Nervosität zunächst anzumerken. Das zeigte sich auch beim Führungstreffer durch Toni Kroos. Der ansonsten so schussstarke Mittelfeldspieler von Real Madrid zitterte einen Foulelfmeter über die Linie (14.). Anschließend wirkte Deutschland in allen Mannschaftsteilen sicherer, Sané hätte auf 2:0 erhöhen können, traf nach einem Konter aber die falsche Entscheidung (19.). Frankreich wurde kurz vor der Halbzeit gefährlich, als Olivier Giroud aus kurzer Distanz verzog (45.).

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DFB-Niederlage gegen Frankreich: Mutig gespielt, erneut verloren

Die richtige Entscheidung: Löw zeigte Mut und wurde - zumindest in der ersten Hälfte - belohnt. Sané unterliefen zwar einige Fehlpässe, dennoch zeigte er, wie sehr er das Offensivspiel mit seinem Tempo beleben kann. Auch Schulz zeigte auf der linken Abwehrseite gute Ansätze. Auch Süle, der für den verletzten Jérôme Boateng in die Elf rückte, hielt die hochgelobten Angreifer des Gegners lange vom gegnerischen Tor fern. Die vielen Wechsel zeigten Wirkung.

Zweite Hälfte: Begann mit einer stark verbesserten französischen Auswahl. Kylian Mbappé scheiterte an einem glänzend reagierenden Manuel Neuer (51.). Den Ausgleich konnte aber auch er nicht verhindern: Antoine Griezmann traf sehenswert per Kopf, nachdem Lucas Hernandez den Ball druckvoll in den Strafraum geflankt hatte (62.). Der Angreifer von Atlético drehte die Partie in der Schlussphase per Elfmeter.

Elfmeterschießen: In den Strafräumen beider Teams tat sich einiges. In der ersten Hälfte verwandelte Kroos mit etwas Glück, nachdem Sané die Hand von Presnel Kimpembe angeschossen hatte. An dieser Entscheidung des Schiedsrichters gab es keine Zweifel. Ebenso wenig in der 62. Minute, als Hummels Blaise Matuidi zu Fall gebracht hatte. Griezmann verwandelte gewohnt sicher.

Antoine Griezmann
IAN LANGSDON/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Antoine Griezmann

Der DFB-Schreck: Griezmann zählt mit 27 Jahren schon jetzt zu den besten Torjägern der Équipe. Gegen Deutschland gelangen ihm seine Treffer 25 und 26, damit fehlt ihm auf Platz sieben liegend nur ein weiteres Tor auf Zinédine Zidane und Karim Benzema. Doch vor allem gegen Deutschland trifft er besonders gern: Die vergangenen vier Pflichtspieltore im Duell mit dem vierfachen Weltmeister schoss allesamt er.

Wie geht es weiter? Deutschland bangt um den Klassenerhalt in der Nations League. Die DFB-Elf muss zunächst hoffen, dass die Niederlande nicht gegen Frankreich gewinnt (16. November). Im abschließenden Gruppenspiel gegen Oranje (19. November) muss ein klarer Sieg her. Tritt dieser Fall nicht ein, spielen sie in der B-Liga weiter.

Frankreich - Deutschland 2:1 (0:1)
0:1 Kroos (14./Handelfmeter)
1:1 Griezmann (62.)
2:1 Griezmann (80./Foulelfmeter)
Frankreich: Lloris - Pavard, Varane, Kimpembe, Hernandez - Pogba, Kanté (90.+4 N'Zonzi) - Mbappé (86. Dembelé), Griezmann (90.+1 Ndombelé), Matuidi - Giroud Deutschland: Neuer - Kehrer, Süle, Hummels - Ginter (84. Brandt), Kimmich, Schulz - Kroos - Gnabry (88. Müller), Werner, Sané (75. Draxler)
Schiedsrichter: Milorad Mazic (Serbien)
Gelbe Karten: - / Ginter
Zuschauer: 75.000



insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
robrien 17.10.2018
1. sicher?
Ebenso wenig in der 62. Minute, als Hummels Blaise Matuidi zu Fall gebracht hatte. Griezmann verwandelte gewohnt sicher. Griezmann verwandelte den Elfer in der 80. Minute und zu Fall gebracht hat sich Matuidi eher selber...
torflut 17.10.2018
2. Immerhin
... das sah immerhin nach Fußball aus. Allerdings wieder kein erspieltes Tor. Werner hat bisher nicht die Klasse, sich auf Topniveau durchzusetzen. San? war okay, auch Spieler wie Süle, Gnabry und der schnelle Schulz haben mir gefallen. Kimmich hat eine glatte 1 verdient. Er ist schon heute ein Teil der Zukunft und kann ein echter Leader werden. Ich habe das Gefühl, dass endlich ein kleiner Schritt in die richtige Richtung gelungen ist. Hoffentlich rudert Löw nicht mehr zurück!
hoehans 17.10.2018
3. Mutig aufgestellt, doch dann das Spiel nicht gelesen
So wie die Franzosen zur 2. Halbzeit aus der Kabine kamen, hätte nach 5 Minuten die dt. Abwehr verstärkt werden müssen: Das passierte nicht, und der Rest ist bekannt ...
aggro_aggro 17.10.2018
4. Scherz?
Zitat: "[...] nachdem Sané die Hand von Presnel Kimpembe angeschossen hatte. An dieser Entscheidung des Schiedsrichters gab es keine Zweifel. Ebenso wenig in der 62. Minute, als Hummels Blaise Matuidi zu Fall gebracht hatte." Ist das ironisch gemeint? Das waren beides keine Elfmeter. Mit etwas gutem Willen kann man den deutschen Elfmeter mit "Vergrößerung der Körperfläche" begründen, 80% der Fussballer sind aber immernoch der Meinung "angeschossen aus 1m Entfernung" gilt als unabsichtlich. Der französische Elfer war garnichts, Matuidi tritt AUF Hummels Fuß. Muss Hummels da weg?
peterpretscher 17.10.2018
5. Der DFB Schreck Griezmann......
..... Schoß, Köpfte Deutschland ab! Griezmann war der beste Mann auf dem Platz, der schon bei der letzten WM glänzte und Frankreich zum WM-Titel verhalf! Deutschland gewann nach Punkten und in der Statistik, aber letztlich zählen die Tore!
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