Protestbanner beim Länderspiel »Untypisches Verhalten« – DFB rechtfertigt Polizeieinsatz gegen Fangruppe

Beim DFB-Spiel gegen Italien protestierten Fans auf der Tribüne mit einem Plakat gegen die Katar-WM. Die anschließende Polizeikontrolle sorgte im Netz für Diskussionen. Der DFB verteidigt sich nun.
Das Protest-Banner gegen Fifa und Katar in der Nations League

Das Protest-Banner gegen Fifa und Katar in der Nations League

Foto: Matthias Koch / IMAGO

Fußballfans haben beim Länderspiel Deutschlands gegen Italien (5:2) ein Protestbanner gegen die Fußball-WM in Katar entrollt. Die Polizei kontrollierte die Gruppe daraufhin – was der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wiederum nun rechtfertigte.

Der Verband erklärte seine Bitte um polizeiliche Kontrolle der Fangruppe am Tag nach dem Spiel in einer schriftlichen Stellungnahme demnach mit deren ungewöhnlichem Verhalten. Nach dem Zeigen eines Fifa- und Katar-kritischen Banners habe die Gruppe das Stadion »sehr schnell« verlassen, sich aber weiter im Arena-Umfeld bewegt.

»Aufgrund dieses untypischen Verhaltens und aus Sorge um die Sicherheit der Veranstaltung informierte der DFB die Polizei«, teilte der Verband mit. Diese reagierte und stellte die Personalien von 15 Personen fest, die nach Informationen des Sport-Informations-Dienstes SID im Besitz von Eintrittskarten waren.

»Weitere Maßnahmen wird es nicht geben«

Eine Gruppe von Fans hatte gleich zu Beginn des Spiels ein Banner mit der Aufschrift »15.000 Tote für große Kulissen – Fifa und Co. ohne Gewissen. Boycott Katar« hochgehalten und dann augenscheinlich zügig die Tribüne verlassen. Der Vorfall und der mutmaßlich überzogene Polizeieinsatz hatten nach dem Spiel in sozialen Medien für Diskussionen gesorgt.

»Weitere Maßnahmen wird es nicht geben«, sagte Polizeisprecher Wolfgang Röthgens – dementsprechend auch keinen von Fanseite zunächst befürchteten Eintrag in die Datei »Gewalttäter Sport«. Ohnehin sei das Banner von der freien Meinungsäußerung gedeckt, der DFB habe die Daten-Übermittlung abgelehnt.

Allerdings seien laut Polizei möglicherweise weitere Aktionen der Gruppe zu erwarten gewesen. »Die Sachlage gibt den Vorwurf nicht her, dass wir allein auf DFB-Auftrag tätig geworden sind«, versicherte Röthgens. »Das war ein beidseitiger Austausch, wir sind da natürlich keine Handlanger, sondern betrachten das neutral.«

Der DFB erklärte, es habe sich herausgestellt, dass von der Fan-Aktion »keinerlei Gefahr« ausgegangen sei. »Es ist uns ein Anliegen zu betonen, dass die Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist. Diese einzuschränken war und ist nicht im Interesse des DFB«, teilte der Verband mit.

Die Fragen nach der WM-Austragung in Katar und der dort herrschenden Arbeiterrechte, »die eingeschränkte Presse- und Meinungsfreiheit und die Situation für die LSBTIQ+ Gemeinschaft« bedürften eines kritischen Diskurses. »Hierzu trägt deutsche Fankultur in erheblichem Maße bei, was wir ausdrücklich begrüßen.«

ara/sid
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