Drei Thesen zur Nations League Marco Reus ist der Verlierer im neuen Löw-System

Die größte Veränderung rund um die DFB-Elf hat im Kopf von Joachim Löw stattgefunden. Eine Lösung für sein Sturmproblem hat er zwar nicht, aber die Nations League macht trotzdem Spaß.
Marco Reus

Marco Reus

Foto: Bongarts/Getty Images

1. Löw besinnt sich auf alte Stärken

Joachim Löw wurde nach dem historischen Vorrundenaus bei der Weltmeisterschaft in Russland heftig kritisiert. Und das zu Recht. Erst schwieg er lange, dann wirkte die Analyse halbherzig. Es schien sich wenig zu verändern. Das erste Länderspiel nach der WM hat aber gezeigt, dass es eben doch eine entscheidende Veränderung im Umfeld der DFB-Elf gibt. Nämlich bei Löw selbst. Noch im März hatte er scharfe Kritik an seinen Trainerkollegen in der Bundesliga geäußert. "Ein Kernproblem ist, dass immer gegen den Ball gearbeitet werden will", sagte Löw im Interview bei "Eurosport" . Mit anderen Worten: Ihr denkt zu defensiv, wenn doch eigentlich die Offensive im Fokus stehen sollte.

Mit dieser Einstellung war Löw in Russland angetreten - und gescheitert, weil sein Team die Abwehrarbeit vernachlässigte. Kritik daran, die schon nach dem ersten Gruppenspiel zum Beispiel von Mats Hummels kam, perlte an ihm ab. Nach dem 0:0 gegen Frankreich zum Auftakt der Nations League klang das ganz anders. "Das Wichtigste war die defensive Stabilität", sagte Löw. Ein Satz, den man so vor oder in Russland nicht von ihm gehört hätte.

Tatsächlich ließ Löw gegen Frankreich defensiv spielen. Im 4-1-4-1 bot er mit Matthias Ginter und Antonio Rüdiger zwei nominelle Innenverteidiger auf den Außen der Viererabwehrkette auf. Mit Erfolg. Beide überzeugten durch Zweikampfstärke und im defensiven Umschalten. Erinnerungen wurden wach an die Weltmeistermannschaft von 2014, in der Jérôme Boateng und Benedikt Höwedes diese Positionen bekleideten. Vor der Abwehr spielte damals mit Philipp Lahm ein gelernter Außenverteidiger. So wie Joshua Kimmich, der gegen Frankreich als einziger Sechser fungierte. Löw scheint sich auf alte Stärken zu besinnen. Das ist die gute Nachricht nach dem 0:0.

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2. Reus ist im Sturmzentrum verschenkt

Die schlechte: Deutschland hat ein Stürmerproblem. Das ist nichts Neues, wurde nach den "Rücktritten" von Mario Gomez und Sandro Wagner aber offensichtlich. Löw hat sich gegen Weltmeister Frankreich für Marco Reus im Sturmzentrum entschieden. Der Dortmunder fühlt sich aber auf außen wohler. Warum, zeigte sich gegen das französische Bollwerk in der Defensive. Reus hing gegen die Weltklasse-Innenverteidiger Raphaël Varane und Samuel Umtiti in der Luft.

Im Zentrum ist der 29-Jährige verschenkt. Reus kam auf 27 Ballaktionen. Zum Vergleich: Deutschlands Spieler mit dem zweitschlechtesten Wert war Manuel Neuer mit 37. Reus versuchte zwar immer wieder, sich ins Mittelfeld fallen zu lassen, um beim Spielaufbau zu helfen. Dann fehlte er aber im Strafraum. In Dortmund hat man vom Versuch mit Reus im Zentrum schon wieder Abstand genommen und ihn zurück auf seine geliebte Außenposition gestellt. Löw fehlen bislang die Alternativen. Für Reus kann man nur hoffen, dass der Bundestrainer schnell eine findet.

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Deutschland in der Einzelkritik: Wo ist der Vollstrecker?

Foto: Matthias Hangst/ Bongarts/Getty Images

3. Die Nations League macht Lust auf mehr

"Keiner braucht die Nations League", "wir haben genug Wettbewerbe" - selten waren sich Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und sein Dortmunder Kollege Hans-Joachim Watzke in einer Sache derart einig. Aber was, wenn sich die beiden Topmanager des deutschen Elitefußballs irren? Das Spiel zwischen Deutschland und Frankreich zeigte, dass die Nations League Spaß machen kann. Den Fans in den Stadien, den Fernsehzuschauern - und auch den Akteuren selbst. Die Namen in den beiden Startformationen des aktuellen und vormaligen Weltmeisters sprachen für sich: Kylian Mbappé, Antoine Griezmann, Toni Kroos, Thomas Müller. Beide Trainer boten ihre besten Teams auf.

Allerdings sind einige Profis überspielt und leiden unter der hohen Belastung zu vieler Einsätze. Aber machen Freundschaftsspiele mehr Sinn, in denen eine B- oder C-Elf gegen Aserbaidschan antritt? Dann doch lieber ein Duell auf Augenhöhe gegen die Weltelite - unter Wettbewerbsbedingungen und mit den besten Spielern. Der Fußballabend in München hat Lust auf mehr gemacht. Mitte Oktober ist die nächste Länderspielpause - und es gibt Gründe, sich darauf zu freuen.

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