Uefa-Neuheit So funktioniert die Nations League

Die Nations League soll 2018 Testspiele ablösen. Für Top-Teams hat sie Eventcharakter, einem Fußballzwerg garantiert sie die EM-Teilnahme. Es dürfte nicht das letzte neue Showturnier bleiben.
Timo Werner beim Testspiel gegen Englands Gary Cahill (l., März 2017)

Timo Werner beim Testspiel gegen Englands Gary Cahill (l., März 2017)

Foto: Christian Charisius/ dpa

Was ist die Uefa Nations League?

Die Nations League soll Testspiele der europäischen Nationalmannschaften weitgehend ersetzen und startet nach der WM in Russland mit allen 55 Uefa-Mitgliedern. Der Reiz: In diesem Wettbewerb werden über Playoffs vier der 24 Startplätze für die EM 2020 vergeben, einer davon wird sicher an einen krassen Außenseiter gehen, siehe Einteilung der Ligen.

Wie ist der Modus der Nations League?

Die 55 Mannschaften werden gemäß ihres Uefa-Koeffizienten in vier Ligen (A bis D) eingeteilt. Deutschland befindet sich in Liga A. Aktuell würde die Aufteilung so aussehen:

Die Ligen der Nations League

Liga A: Deutschland, Portugal, Belgien, Spanien, Frankreich, England, Schweiz, Italien, Polen, Island, Kroatien, Niederlande
Liga B: Österreich, Wales, Russland, Slowakei, Schweden, Ukraine, Irland, Bosnien-Herzegowina, Nordirland, Dänemark, Tschechien, Türkei
Liga C: Ungarn, Rumänien, Schottland, Slowenien, Griechenland, Serbien, Albanien, Norwegen, Montenegro, Israel, Bulgarien, Finnland, Zypern, Estland, Litauen
Liga D: Aserbaidschan, Mazedonien, Weißrussland, Georgien, Armenien, Lettland, Färöer, Luxemburg, Kasachstan, Moldawien, Liechtenstein, Malta, Andorra, Kosovo, San Marino, Gibraltar

Jede der vier Ligen besteht wiederum aus vier Gruppen, in denen drei oder vier Teams vertreten sind (Auslosung: 24. Januar 2018). Es gibt also 16 Gruppen, Hin- und Rückspiel. In der Regel hat eine Mannschaft damit vier Gruppenpartien, die an Doppelspieltagen im September, Oktober und November 2018 ausgetragen werden. Die Gruppensieger von Liga A bestreiten im Juni 2019 ein Final Four (der Austragungsort wird nach der Gruppenphase bestimmt), in dem der erste Sieger der Nations League ermittelt wird - hurra. Den Modus können Sie im Detail hier  nachlesen.

Wie qualifiziert man sich über die Nations League für die EM?

Spannender werden die Playoffs (Halbfinale, Finale, ohne Rückspiele) im März 2020. Für diese Runde sind alle 16 Gruppensieger qualifiziert, jede der vier Ligen bleibt aber unter sich und spielt ihren EM-Teilnehmer aus. Damit ist garantiert, dass sich eine Mannschaft aus der schwachen Liga D für die EM qualifizieren kann.

Was die Sache kompliziert macht: An den Playoffs dürfen nur Gruppensieger teilnehmen, die es nicht über den herkömmlichen Qualifikationsmodus geschafft haben. Ist der Sieger bereits qualifiziert, rückt der jeweilige Gruppenzweite nach. Möglicherweise sogar der Dritte oder eine Mannschaft aus einer tieferen Liga, falls beispielsweise - und das ist denkbar - in Liga A bereits zu viele Teams qualifiziert sind. Für die Großen dürfte sich der Wettbewerb daher wie Testspiele mit Top-Gegnern anfühlen oder wie eine zweite Chance, falls man in der Qualifikation doch gescheitert sein sollte, wie die Niederlande vor dem Turnier 2016.

Wo kann ich die Nations League verfolgen?

ARD und ZDF haben sich die TV-Rechte für Spiele der deutschen Mannschaft in der Nations League von 2018 bis 2022 gesichert - und damit wieder mehr Partien mit Wettbewerbscharakter im Programm. Zuletzt hatten die öffentlichen Sender abseits der Endrunden nur Testspiele der DFB-Elf gezeigt. RTL überträgt seit 2014 die deutschen Qualifikationspartien für Welt- und Europameisterschaften.

Welche Veränderungen gibt es noch?

Die eigentliche Qualifikation (zehn Gruppen, die Sieger und Zweitplatzierten sind für die EM qualifiziert) beginnt nicht mehr im Anschluss an die WM-Endrunde, sondern erst im folgenden März, im konkreten Fall: März 2019. Sie endet bereits im November. Das klingt gestrafft, der Nachteil: Die Gruppenauslosung für die EM kann erst nach den Playoff-Ergebnissen der Nations League im März 2020 stattfinden - weniger als drei Monate vor Turnierstart. Bisher standen die Gruppen ein halbes Jahr vor dem Start einer Endrunde fest. Damit haben Scouting, Trainer und Spieler künftig deutlich weniger Zeit, sich auf ihre Gruppengegner vorzubereiten. Für Fans wird die Reiseplanung erschwert.

Nations League weltweit - was ist das?

Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet , die Uefa plane in Konkurrenz zur Fifa-WM-Endrunde eine eigene kleine Weltmeisterschaft, bei der die Nations League mit Mannschaften aller Kontinentalverbände ausgeweitet werden soll. Die Uefa bestätigte in einem Statement, dass über eine Weiterentwicklung der Nations League nachgedacht wird. Konkrete Pläne hat der Verband jedoch nicht mitgeteilt, eine Anfrage des SPIEGEL ließ die Uefa mit Verweis auf ihr Statement unkommentiert. Das waren unsere Fragen:

  • Wann würde der Wettbewerb stattfinden?
  • Welche und wie viele Mannschaften würden mitspielen bzw. wie würden die Mannschaften ausgewählt?
  • Welchen sportlichen Reiz soll eine weltweite Nations League haben (z.B. bei einem Sieg einer nichteuropäische Nationalmannschaft die Vergabe einer Wildcard für eine EM)?
  • Wie sind die Klubmannschaften in die Überlegungen eingebunden?

Der sportliche Wert dieses Turniers wäre in jedem Fall fragwürdig, zumal es bereits mit dem Confed Cup der Fifa ein ähnliches und wenig geschätztes Format gibt, dessen Zukunft zudem ungewiss ist.

Welche Turnierpläne gibt es außerdem?

Der Weltverband Fifa erwägt - möglicherweise als Ablösung für den Confed Cup - eine größere Weltmeisterschaft für Vereinsmannschaften auszurichten. Dieses Turnier soll ab 2021 alle vier Jahre mit 24 Mannschaften stattfinden, gespielt wird über 18 Tage im Juni. Bisher findet die Klub-WM mit sieben Vereinen im Dezember statt. Im März 2018 will der Fifa-Rat über seine Pläne entscheiden.

Bei diesen Überlegungen wird der finanzielle Aspekt (mehr TV-Einnahmen) eine Rolle spielen. Es geht aber auch um Macht und darum, ein Konkurrenzprodukt zur Champions League der Uefa zu schaffen. Allein unter dem sportlichen Gesichtspunkt dürfte eine aufgeblähte Klub-WM den Vergleich zwischen europäischen und nichteuropäischen Teams nicht spannender machen. In den vergangenen zehn Jahren kam der Sieger nur einmal nicht aus Europa. Am Ende hätte man nur noch mehr Spiele zwischen Favoriten aus Europa und klaren Außenseitern. Oder kurz gesagt: noch mehr Showspiele.

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