Nazi-Angriff auf MSV-Fans Duisburg glaubt nicht an politische Motivation der Schläger

Rechte Hooligans gegen linke Ultras: Der Überfall auf Fans des MSV Duisburg am vergangenen Samstag hat ganz offensichtlich politische Hintergründe. Der Club sieht das anders, beim MSV gebe es kein Nazi-Problem. Der Drittligist kämpft um sein Image.

Hamburg - Der brutale Angriff rechter Hooligans auf Ultras des MSV Duisburg hat den deutschen Fußball schockiert. Nun meldet sich erstmals auch der Club selbst ausführlich zu Wort. In einem Statement auf der Vereinsseite heißt es: "Die Vorkommnisse (...) haben uns alle erschüttert." Nach jetzigem Kenntnisstand könnten der MSV und die Polizei "nicht bestätigen, dass Anzeigen gestellt wurden oder sich Verletzte der beteiligten Gruppen gemeldet haben". Man befinde sich im Dialog mit beteiligten Personen, demnach scheine "eine politische Motivation in diesem Fall nicht vorrangig vorzuliegen".

Dieses Statement steht allerdings in einem krassen Gegensatz zu den Beobachtungen mehrerer Augenzeugen des Zusammenstoßes am vergangenen Samstag. Diese haben SPIEGEL ONLINE bestätigt, dass es sich bei den Angreifern um 25 Hooligans gehandelt habe, von denen ein Großteil zur rechten Gruppe "Division Duisburg" gehört. Zudem sollen Personen dabei gewesen sein, die nach Einschätzung der Polizei aus dem Umfeld des mittlerweile verbotenen "Nationalen Widerstands Dortmund" und der Parallelgruppierung aus Duisburg kommen.

Sie hätten nach dem Spiel innerhalb kurzer Zeit Ultras der linksorientierten Gruppierung "Kohorte", darunter auch Frauen und Kinder, zusammengeschlagen. Auslöser war offenbar ein von der "Kohorte" im Stadion gezeigtes Plakat zur Solidarisierung mit einer antirassistischen Ultragruppe aus Braunschweig, die ein Stadionverbot erhalten hatten.

In einer Stellungnahme auf der Internetseite der "Kohorte" heißt es, dass vor Wochen ein Gespräch zwischen der "Division" und den Ultras stattgefunden habe, bei dem die "Division" darauf bestanden habe, dass im Stadion keinerlei Politik mehr betrieben werden dürfe. Nach Angaben der Ultras einigte man sich auf einen Kompromiss - allerdings seien diesem Einschüchterungen seitens der "Division" vorausgegangen.

"Solche Vorkommnisse sind nicht förderlich"

Der Übergriff hat nach Aussagen Beteiligter ganz offensichtlich einen politisch motivierten Kern. In einem Interview mit der "WAZ" äußerte sich sogar Duisburgs Fan-Beauftratger Christian Ellmann in diese Richtung: "Ein Großteil unserer Anhänger hat einfach keinen Bock auf Politik im Stadion." Demnach gebe es zwar "sicherlich einige wenige Leute" mit rechtem Gedankengut unter den Fans des MSV Duisburg, "aber es ist kein alleiniges Duisburger Problem".

Einige Stadionbesucher hatten während des Spiels gegen den 1. FC Saarbrücken zudem beobachtet, dass Personen den Hitler-Gruß gezeigt hätten. Doch auch diesen Vorfall entkräftete Sicherheits-Manager Michael Meier: "Wir hatten den Mann hier zum Gespräch. Er hat das besagte Wort schlichtweg aus Dummheit gerufen. Und nicht, weil er diese politische Gesinnung hat", sagte er der "WAZ".

Der Soziologe Gerd Dembowski sieht die Situation allerdings anders. Er beobachtet derzeit "einen Schulterschluss von rechtsoffenen Tendenzen gegen antirassistische Ultras", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Bei Vereinen, insbesondere finanzschwächeren Traditionsvereinen, wachsen Strukturen, die es auch solchen Kräften möglich machen, den Fußball zu missbrauchen", sagt Dembowski.

Dem MSV ist in dieser Sache jedoch offenbar mehr an seinem Image als an Aufklärung gelegen: "Der Stadionbesuch ist für Familien beim MSV nach wie vor sicher", sagte Meier. "Natürlich ist es blöd, wenn Du als Vater mit deinem sechsjährigen Kind aus der Arena kommst und draußen gibt es Tumult mit zwei Fangruppen, die von Polizeikräften mit Hunden getrennt werden."

Der Verein habe Zuschriften von Eltern bekommen, aus denen klar hervorgehe, das ihre Kinder nicht mehr zum MSV gehen wollten. "Der entstandene Imageschaden ist enorm", sagte Meier, "gerade in der Phase, in der (...) die wirtschaftliche Situation verbessert werden soll, sind solche Vorkommnisse nicht förderlich."

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Foto: SPIEGEL ONLINE
psk
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