NBA Reggie Millers Auferstehung

Der Meisterschaftsexpress der Los Angeles Lakers ist vorerst gestoppt worden. Im heimischen Conseco Fieldhouse präsentierten sich die zuletzt rat- und energielos wirkenden Indiana Pacers sichtlich erholt und fuhren einen 100:91-Sieg über L.A. ein. Die Pacers verkürzten somit die Finalserie auf 1:2.

Von Tobias Pox


Einmal mehr einer der besten: Shaquille O'Neal
DPA

Einmal mehr einer der besten: Shaquille O'Neal

Indianapolis - "Wenn wir 0:3 hinten gelegen hätten, hätte man uns wohl abschreiben können," verdeutlichte Reggie Miller nach Spielende die prekäre Situation seines Teams vor der dritten Finalbegegnung. "Wir brauchten unbedingt eine couragierte Vorstellung, und haben diese glücklicherweise gezeigt," so der 34-jährige Starschütze weiter. Dabei dürfte Miller nicht zuletzt auch unmittelbar auf sich selber Bezug genommen haben. Nach einem katastrophalen Spiel eins mit einer unterirdisch schlechten Trefferquote von nur sechs Prozent und einem Spiel zwei, in welchem er im letzten Viertel merklich untergetaucht war, besann sich der spindeldürre Shooting Guard vergangene Nacht eines Besseren und ließ seinen ehrwürdigen Spitznamen wieder aufleben: mit 33 Punkten wurde "Killer-Miller" zum Hinrichter der Lakers.

Der Hauptgrund für die Leistungssteigerung Indianas lag in der vertrauten Umgebung der Heimarena, wie Travis Best, mit 21 Punkten zweitbester Scorer seiner Mannschaft, verriet: "Wir haben einfach viel mehr Energie, wenn wir zu Hause spielen". Die Platzherren unterstrichen von Beginn an ihre Revieransprüche und legten einen guten Start hin. Nach dem ersten Viertel lag das von der ehemaligen Spielerlegende Larry Bird trainierte Team bereits mit 23:15 in Front. Dieser Vorsprung wuchs teilweise bis auf achtzehn Zähler an. Die Lakers konnten einen "Blow out" jedoch verhindern und sich zum Schluss noch mal gefährlich herankämpfen.

Nach einem Dreier von Ron Harper, der letztlich vierzehn Punkte verbuchte, verkürzte L.A. vierzehn Sekunden vor der Schlusssirene auf 91:94 und schöpfte neue Hoffnung, doch noch einen vorentscheidenden dritten Sieg in Folge landen zu können. Diese Hoffnung wurde jedoch durch sechs in Folge verwandelte Freiwürfe von Miller (vier Treffer) und Rose (zwei) im Keim erstickt. Miller, der im gesamten Spiel alle seine neun Freiwürfe verwandelte, ist nunmehr seit 21 Freiwürfen in der Finalserie ohne Fehlwurf von der Linie.

Ähnliches Geschick würde Shaquille O´Neal nur allzu gerne vorweisen, doch der Centerstar der Lakers kränkelt nach wie vor von der Ein-Punkte-Linie. Shaq traf nur drei seiner dreizehn Freiwurfversuche und ließ die "Hack-a-Shaq"-Taktik der Pacers, die dieses Mal jedoch wesentlich spärlicher als zuletzt benutzt wurde (in Spiel zwei hatte O'Neal mit 39 Freiwurfversuchen einen neuen Ligarekord aufgestellt), zum Erfolg werden.

Aus dem Feld war Shaq-Attack allerdings erneut nicht zu stoppen und erzielte 33 Punkte. Aber anders als im letzten Spiel, als Ron Harper und Glen Rice mit jeweils 21 Punkten ihren Center tatkräftig unterstützt hatten, blieb dem MVP der regulären Saison, der neben seiner Basketballkarriere auch noch als Rapmusiker und Hobby-Schauspieler fungiert, solche Hilfe gestern verwehrt. Vor allem Rice enttäuschte und blieb mit sieben Punkten weit unter seinen Möglichkeiten. Ein weiteres Hindernis für die Lakers waren siebzehn Ballverluste und eine ungewohnte Reboundschwäche - Indiana fischte 39 Rebounds von den Brettern, die Lakers nur 33. "Durch diese blöden Fehler," haderte ein verärgerter O´Neal, "schoss sich L.A. selber in den Fuss".

Ob der hohe Meisterschaftsfavorit im nächsten Duell lieber wieder auf den Gegner schiesst, als auf sich selber, wird sich am Mittwoch zeigen, wenn die Pacers wiederum in ihrer Heimarena zum nächsten Finaltanz bitten. Die Vorzeichen für die Lakers stehen gut, denn nach seiner gestrigen Zwangspause wird der am Knöchel verletzte Kobe Bryant zurückerwartet. Und dann, prophezeit selbst Bryants unmittelbarer Gegenspieler Reggie Miller, steht wieder "das wirkliche Lakers-Team" auf dem Parkett.



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