Nedveds Trauma "Halbfinals sind ein Fluch"

Die tschechischen Spieler fühlten sich nach der Niederlage gegen Griechenland wie bei der EM 1996, als sie das Finale durch ein Golden Goal von Oliver Bierhoff verloren. Damals wie heute war Pavel Nedved eine der tragischen Figuren.


Verletzter Nedved: "Den besten Fußball gezeigt"
AP

Verletzter Nedved: "Den besten Fußball gezeigt"

Porto - Am Ende blieb Pavel Nedved nur ein Lob ohne Wert. "Pavel hat in der Kabine gesagt, dass es die beste Mannschaft war, in der er jemals gespielt hat", berichtete Tschechiens Coach Karel Brückner. Wieder einmal war dem 31-jährigen Spielmacher ein großer internationaler Erfolg verwehrt geblieben. Bei einem Schussversuch im Spiel gegen die Griechen hatte sich der Kapitän in der 40. Minute das Knie verdreht und musste ausgewechselt werden.

Mit Tränen in den Augen nahm der Mittelfeldspieler von Juventus Turin auf der Auswechselbank Platz. Genauere Untersuchungen sollen Klarheit bringen, wie schwer die Verletzung ist.

Nedved, Europas Fußballer Jahres 2003, hätte bei einem Sieg seiner Mannschaft wegen dieser Verletzung vermutlich auch am Sonntag im EM-Finale gefehlt. Das Champions-League-Finale 2003 in Manchester mit "Juve" hatte der Tscheche wegen einer Gelbsperre verpasst. Dieses Schicksal hatte ihm jetzt auch gedroht, denn Nedved ging in das Spiel gegen die Rehhagel-Truppe ebenfalls mit einer Gelben Karte. "Die Halbfinalspiele sind für mich ein Fluch", sagte der tschechische Kapitän.

Der bittere Halbfinal-K.o. schmerzte Nedved viel mehr als sein lädiertes Knie. "Wir haben den besten Fußball gezeigt, den jemals eine tschechische Nationalmannschaft gespielt hat. Wir hätten das Finale verdient gehabt", haderte der Pechvogel nach dem 0:1 gegen Griechenlands Abwehrbollwerk mit dem Schicksal.

Nedveds frühes Aus schockierte seine Mitspieler. "Pavel ist natürlich ein wichtiger Spieler. Man hat schon gemerkt, dass er nicht mehr dabei war", gab Verteidiger Tomas Ujfalusi zu. "Wir waren so nah dran. Es ist schade. Aber nicht immer gewinnt die bessere Mannschaft", sagte der HSV-Spieler, der das "Silver Goal" des griechischen Abwehr-Hünen Traianos Dellas (105.) auch nicht verhindern konnte.

Es war das abrupte Ende des tschechischen Titeltraumes, ähnlich dem beim "Golden Goal" von Oliver Bierhoff im EM-Finale vor acht Jahren im Londoner Wembleystadion. "Das war der gleiche Film - wie Deutschland 1996", bemerkte der griechische Angreifer Angelos Charisteas von Werder Bremen. Vom damaligen tschechischen Team waren noch drei Spieler dabei: Vladimir Smicer, Karel Poborsky und natürlich - Pavel Nedved.



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