Neonazi-Rufe bei Länderspiel Polizei identifiziert erste Problemfans

Deutsche Anhänger haben beim Fußball-Länderspiel in Tschechien "Sieg Heil" gerufen und DFB-Spieler bepöbelt: Die Dresdner Polizei hat auf Bild- und Videomaterial 13 Personen identifiziert.

Publikum beim deutschen Länderspiel in Tschechien
DPA

Publikum beim deutschen Länderspiel in Tschechien


Der DFB will bei der Aufklärung des Neonazi-Eklats von Prag eng mit den Behörden zusammenarbeiten. Beim WM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am vergangenen Freitag gegen Tschechien (2:1) hatten rund 200 deutsche "Chaoten" (O-Ton Bundestrainer Joachim Löw) provoziert und teilweise rechtsradikale Parolen, etwa "Sieg Heil", gebrüllt.

Die Mannschaft hatte daraufhin auf den üblichen Gang zu den Fans nach dem Schlusspfiff verzichtet. "Ich bin voller Wut und wirklich sehr, sehr angefressen", hatte Löw am Sonntag gesagt und von "unsäglichem Verhalten" gesprochen: "Diese Chaoten wollen wir nicht! Wir sind nicht deren Nationalmannschaft, das sind nicht unsere Fans."

DFB-Präsident Reinhard Grindel kündigte an, dass der Polizei "eigene Aufnahmen und Fotos zur Verfügung gestellt" werden. "Es wird seitens der deutschen Verbindungsbeamten eine Kontaktaufnahme zu den tschechischen Kollegen geben", sagte Grindel.

Erste Fahndungserfolge gibt es bereits. Die Dresdner Polizei hat auf öffentlichem Bild- und Videomaterial 13 Personen aus der Dresdner Fanszene identifiziert. Ob Strafverfahren eingeleitet werden, sei aber noch unklar, sagte Polizeipräsident Horst Kretzschmar: "Wir gehen in Vorleistung für den Fall, dass uns die zuständigen Behörden mit strafrechtlichen Ermittlungen beauftragen."

Die Pöbler hatten ihre Eintrittskarten nach Angaben von Teammanager Oliver Bierhoff nicht über den offiziellen Verkaufsweg des DFB bezogen. Laut Grindel seien einige Zuschauer "gewaltsam ins Stadion gekommen, indem sie einen Blocksturm gemacht haben". Der DFB-Präsident sprach im SWR von 200 bis 300 Problemfans, vor denen der Verband gewarnt gewesen sei, und drohte Stadionverbote an.

Zudem fordert Grindel ein europaweites Umdenken beim Verkauf von Eintrittskarten. "Ich werde das Thema nächste Woche im Uefa-Exko (Exekutivkomitee, d. Red.) und in den zuständigen Kommissionen deutlich ansprechen", sagte er dem "Kicker". "Wir müssen gemeinsam mit den europäischen Verbänden über die Ticketvergabe diskutieren und Wege finden, die europaweit mehr Kontrolle gewährleisten."

Die Exekutive der Europäischen Fußball-Union trifft sich am 20. September in Nyon. Offen war zunächst noch, ob die Uefa nach den Vorfällen von Prag Ermittlungen einleitet.

Auch der Fifa ist das Thema bekannt: "Wir haben Beobachter, die es hinsichtlich unseres Anti-Diskriminierungs-Systems überprüfen", sagte eine Sprecherin der Fifa auf Sport1-Anfrage. Die Fifa erhalte "Berichte zu jedem WM-Qualifikationsspiel. Der zum Spiel in Prag ist noch nicht da. Erst anschließend entscheiden wir, ob wir eine Untersuchung einleiten".

bka/mmm/sid/dpa



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