Neue Ansichten Einer flog über die Bolzplätze

Fußballfelder sind die größten Bühnen der Welt. Hier messen sich Filigrantechniker und Rumpelfüßler, Alte und Junge, Reiche und Arme. Alle haben nur ein Ziel: Das Runde muss ins Eckige. SPIEGEL ONLINE zeigt Orte der Leidenschaft von oben.


Was soll ein Sportplatz schon anderes sein als ein Stück Rasen, im besten Falle gepflegt, begrenzt von Kreidelinien, in der Mitte der übliche Anstoßkreis und an beiden Ende zwei Tore? Vorderhand ist so ein Sportplatz eine nüchterne Gebrauchsfläche, die ihr Leben nur durch ihre Benutzer erfährt. Kinder, Frauen, Männer, die darauf kicken. Oder was auch immer.

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Fußballplätze aus der Luft: Wie gemalt

Aus der üblichen Perspektive betrachtet, also auf dem Boden stehend, kann man das so sehen. Verlässt man diese Perspektive bekommt ein gewöhnlicher Sportplatz eine ganz andere Anmutung. Plötzlich wirkt diese Funktionswiese wie ein symmetrisches Muster. Die geradlinige Ästhetik wird aufgelockert durch die Menschlein, die an einen winzigen Organismus erinnern.

Der Stuttgarter Fotograf Stephan Zirwes schaut sich gerne die Dinge von oben an. Wälder, Küstenstreifen, Industriebauten - und Sportplätze. Entdeckt er eine interessante Landschaft mietet er sich einen Hubschrauber, fliegt über diese hinweg und fotografiert. Und von ganz oben wirkt alles anders. Laubwälder erinnern an Aquarelle, Sportplätze an grafische Elemente. Zirwes reizt der Widerspruch zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos, sagt er. Das Große wirkt von weit weg ganz klein - und weniger bedrohlich. Manches gewinnt sogar famose Schönheit. Und so sehen aus 600 Meter Höhe auch beliebige Dorf- oder Vorortsportplätze interessant aus und erinnern an Landschaftsmalereien.

Zirwes ist zwar kein Fußballfan, trotzdem will er im nächsten Jahr über Deutschland fliegen und alle Stadien der Fußball-Weltmeisterschaft fotografieren. Wer weiß, wie auf diesen Bildern die wuchtigen Hochglanz-Arenen in Hamburg, München oder Frankfurt wirken. Wahrscheinlich ganz harmlos, verspielt, wie Puppenhäuschen. Coca-Cola, McDonalds und das restliche große Geld sind dann weit, weit weg. Man wird nur noch die bunten Pünktchen der Menschen erkennen, die darin spielen oder sitzen. Wie schön.



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