Neuer Aufsichtsrat HSV-Boss Hoffmann muss gehen

Beim Hamburger SV geht eine Ära zu Ende. Spätestens zum 31. Dezember dieses Jahres wird der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann den Club verlassen. Der neue Aufsichtsrat konnte sich nicht auf die Verlängerung seines Vertrages einigen.
Von Clemens Gerlach
HSV-Vorsitzender Hoffmann: Keine Zukunft mehr beim Bundesliga-Dino

HSV-Vorsitzender Hoffmann: Keine Zukunft mehr beim Bundesliga-Dino

Foto: dapd

Hamburg - Acht der zwölf Aufsichtsräte hätten für Hoffmann stimmen müssen, es fand sich am Sonntagabend jedoch nur eine 7:5-Mehrheit. Daher wird der zum Ende dieses Jahres auslaufende Vertrag von Hoffmann, der seit dem 1. Februar 2003 Vorstandsvorsitzende des Clubs ist, nicht verlängert. Auch die zweite Vorsitzende Katja Kraus muss den Club verlassen, der als einziges Gründungsmitglied der Bundesliga 1963 niemals abgestiegen ist.

Zur Abstimmung hatte ein neuer Ein-Jahres-Vertrag gestanden, üblicherweise laufen Vorstandsverträge beim HSV über drei Jahre. Doch selbst für den Kompromiss gab es nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit.

"Der Aufsichtsrat ist überzeugt, dass Bernd Hoffmann und Katja Kraus ihrer Arbeit für den HSV weiter wie bisher professionell nachkommen werden", wird der Aufsichtsratvorsitzende Otto Rieckhoff in einer offiziellen Erklärung auf der HSV-Homepage zitiert.

Dass es für Hoffmann und Kraus eng werden würde, hatte sich bereits Anfang Januar abgezeichnet. Bei der Mitgliederversammlung des HSV waren vier der zwölf Posten im Aufsichtsrat neu zu besetzen. Bei der Wahl setzten sich ausnahmslos Hoffmann-kritische Kandidaten durch.

Hoffmann brachte es auch nichts, dass er den HSV zum finanziell gesehen zweiterfolgreichsten Club Deutschlands nach dem FC Bayern machte. Zu tief war das Misstrauen dem 48-Jährigen gegenüber. Hoffmann wird von seinen Kritikern vorgeworfen, nicht teamfähig zu sein und sich für das Maß aller Dinge zu halten.

Im Juni 2009 konnte sich Hoffmann im Machtkampf mit Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer zwar durchsetzen, es war jedoch nur ein Pyrrhussieg. Denn anschließend blamierte sich der HSV bei der Suche nach einem Nachfolger für Beiersdorfer, was dem alten, Hoffmann-freundlichen Aufsichtsrat angelastet worden war.

Bevor mit Frank Arnesen ein arrivierter Sportdirektor zum 1. Juli 2011 verpflichtet werden konnte, hatte der HSV etliche Absagen kassiert. Unter anderem gab DFB-Mann Matthias Sammer dem Club im letzten Moment einen Korb. Der HSV stand wieder einmal mit leeren Händen da und musste sich Inkompetenz vorwerfen lassen.

Mit dem Abgang Hoffmanns wird auch ein Wechsel auf der Position des Cheftrainers wahrscheinlicher. Coach Armin Veh und der Verein können den bis 30. Juni nächsten Jahres laufenden Vertrag zum 31. Mai 2011 kündigen.

Angesichts der sportlich mäßigen Bilanz ist anzunehmen, dass der HSV die Option ziehen wird. Unter Veh, der seit Saisonbeginn den HSV coacht, ist der Club nur Mittelmaß. Neun Spieltage vor dem Ende der Saison hat der HSV als Tabellensiebter fünf Punkte Rückstand auf einen Europa-League-Platz. Zudem gilt Veh als Hoffmann-Befürworter.

Als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Hoffmanns gilt nach überstimmenden Informationen des "Hamburger Abendblatts" und der "Hamburger Morgenpost" Björn Gulden.

Der 45-jährige Norweger ist derzeit geschäftsführender Direktor eines Schuhdiscounters. Gulden müsste allerdings aus seinem bis Ende 2012 laufenden Vertrag herausgekauft werden.

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