Neuer Ausraster Lorant knöpft sich 13-jährigen Kicker vor

Werner Lorant ist seinem Ruf als Choleriker wieder einmal gerecht geworden. Der ehemalige Bundesligatrainer, der in der Vergangenheit schon häufiger über die Stränge geschlagen hatte, konnte als Zuschauer bei einem Fußballspiel seines Sohnes nicht an sich halten. Der Bayerische Fußball-Verband ermittelt bereits.


Werner Lorant: "Ich lass doch meinen Sohn von keinem Menschen auf dieser Welt schlagen"
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Werner Lorant: "Ich lass doch meinen Sohn von keinem Menschen auf dieser Welt schlagen"

München - Nach übereinstimmenden Berichten der "Süddeutschen Zeitung" und der "AZ" ist Werner Lorant kürzlich beim D-Jugendspiel zwischen dem TSV Dorfen und Ebersberg auf das Spielfeld gerannt und hat einen Nachwuchskicker am Schlafittchen gepackt. Der frühere Trainer des Fußball-Bundesligisten TSV 1860 München war über den Jugendspieler erzürnt, der Lorants für Dorfen spielenden Sohn Tobias gefoult hatte.

"Der Junge hat meinem Sohn den Ellbogen in den Bauch gestoßen, Tobi krümmte sich vor Schmerzen. Ich lass doch meinen Sohn von keinem Menschen auf dieser Welt schlagen. Ich habe eine Verpflichtung gegenüber meinem Sohn. Wir sind doch auf dem Fußballplatz und nicht im Boxring bei den Klitschkos", rechfertigte Lorant in der "AZ" sein Verhalten bei der Partie in der 50 Kilometer nordöstlich von München gelegenen Kleinstadt.

Lorant gibt zu, auf den Rasen gelaufen zu sein. Er habe den 13-jährigen Ebersberger aber nicht berührt. Der Vater des Opfers will jedoch gesehen haben, dass Lorant den Buben angegangen und am Kopf berührt habe. Zuerst hatte der Mann laut "AZ" sogar die Polizei benachrichtigt. "Aber nachdem sich Lorant bei meinem Sohn und mir entschuldigt hatte, war die Sache für mich gegessen", sagte der Spielervater später.

Verband ermittelt im Fall Lorant

Für Ebersbergs Jugendleiter Martin Schedo ist die Angelegenheit aber nicht abgehakt. "Es kann nicht sein, dass Herr Lorant auf das Spielfeld läuft und Ohrfeigen verteilt. Lorant muss ein Vorbild sein. Unsere Kinder waren im ersten Moment total geschockt." Der frühere "Löwen"-Coach hat laut "SZ" mittlerweile eingeräumt, "überreagiert" zu haben.

Schedo hat dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV) einen Sonderbericht zugeschickt. Nach Studium der Aktenlage leitete das Verbandssportgericht am Mittwochnachmittag ein Verfahren gegen Lorant ein. Das Gremium wird in seiner Sitzung am kommenden Dienstag zunächst die Zuständigkeit klären. Im Rahmen des sich anschließenden sportgerichtlichen Verfahrens sollen Stellungnahmen von Zeugen und von Lorant eingeholt werden, heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Verbandes. Erst dann könne eine Entscheidung getroffen werden.

Lorant für DFB eine "persona non grata"

Lorant hatte vor dem jüngsten Vorfall wiederholt für Aufregung gesorgt. Er musste eine Geldstrafe von 12.000 Euro zahlen, weil er am 2. Mai als damaliger Trainer des Zweitligisten LR Ahlen den Zuschauern von Union Berlin den Mittelfinger gezeigt hatte. Im März war Lorant zu einer Sperre von zwei Spielen und 6000 Euro Geldstrafe verurteilt worden, nachdem er in der Partie gegen Burghausen einem Gästespieler an der Außenlinie geschubst hatte.

Der DFB hat Lorant vor wenigen Wochen zu einer "persona non grata" erklärt. "Werner Beinhart" hatte zuvor den U21-Coach Uli Stielike als "einen Blinden" und den Verband als "echte Mafia" tituliert. "Unfähige Funktionäre und einige eitle Schiedsrichter haben offenbar nur noch den Ehrgeiz, uns Trainern das Leben schwer zu machen", urteilte Lorant über den DFB.



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