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Heynckes Zukunft: Bayern zum Dritten

Foto: Achim Scheidemann/ picture alliance / dpa

Neuer Bayern-Coach Zurück zum Glück

Er ist wieder da: Jupp Heynckes trainiert ab Sommer erneut den FC Bayern. Der Rekordmeister bekommt seinen Wunschkandidaten, der 65-Jährige die Chance, seine Karriere mit Titeln zu beenden. Als Signal des Aufbruchs taugt die Verpflichtung deshalb nicht.

Für Cando wird es eine harte Zeit: Der Schäferhund der Familie Heynckes wird sein Herrchen künftig nur selten zu sehen bekommen, denn Jupp Heynckes kehrt zum FC Bayern zurück. Ab dem 1. Juli coacht der 65-Jährige den Rekordmeister aus München. Am Freitag unterschrieb Heynckes einen Zweijahresvertrag. Außer Cando dürften sich über diese Entscheidung aber alle Parteien freuen.

Der FC Bayern wählte nach dem beschlossenen Abgang des streitbaren Louis van Gaal die naheliegende Alternative: Heynckes kennt das Innenleben des Vereins wie kaum ein anderer Trainer. Über vier Jahre hat er bereits für den Club gearbeitet. Länger als die meisten seiner Vorgänger. Zwischen 1987 und 1991 holte der Trainer in München zwei Deutsche Meisterschaften (1989 und 1990). 2009 rettete er dem Club als Nachfolger Jürgen Klinsmanns während der letzten fünf Spieltage noch Platz zwei und damit die Teilnahme an der Champions League.

Man kennt und schätzt sich. Heynckes und Bayern-Präsident Uli Hoeneß verbindet bis heute eine Freundschaft. Seit dem 1:3 der Bayern in Hannover am 25. Bundesliga-Spieltag, also seit sich abzeichnete, dass van Gaal in München keine Zukunft hat, schien Heynckes erster und einziger ernsthafter Kandidat auf den Trainerposten. Nach der schwierigen Zusammenarbeit mit dem starrköpfigen Niederländer sehnt sich der Club nach Bewährtem - und Pflegeleichtem.

Und für Heynckes, der seit Wochen mit einer Vertragsverlängerung bei Bayer Leverkusen gezögert hatte und dort zur neuen Saison von Robin Dutt abgelöst wird, ist der erneute Wechsel nach München gar der nächste logische Schritt. In seinen zwei Jahren beim Werksclub formte er das unter Trainer Bruno Labbadia im Mittelmaß versunkene Bayer-Team zu einem Champions-League-Anwärter. Nach Platz vier 2010 ist Leverkusen aktuell Tabellenzweiter, mit derzeit fünf Punkten Vorsprung auf Rang drei. Die Bayern hat der Club momentan klar distanziert. So etwas macht Eindruck in München.

Mission in München: Titel holen

Den Rekordmeister soll Heynckes nach einer missglückten Saison so schnell wie möglich wieder zu Titeln führen. Gerne auch zu den ganz großen. 2012 wird das Finale der Champions League in München gespielt. "Da müssen wir dabei sein", hatte Hoeneß bereits vor Monaten gefordert. Es wäre auch für Heynckes eine Genugtuung, wenn es dazu käme. Er weiß, wie es sich anfühlt, die Champions League zu gewinnen. 1998 gewann er mit Real Madrid das Finale gegen Juventus Turin 1:0. Es war sein größter Erfolg als Trainer. Und sein bislang letzter Titel.

Der Triumph bedeutete eine Zäsur in seiner Karriere. Bei Real musste Heynckes trotz des Titels gehen, anschließend versuchte er sich bei Benfica Lissabon und Athletic Bilbao, ehe er 2003 in die Bundesliga zurückkehrte. Doch auch beim FC Schalke 04 kam er nicht zurecht. In Gelsenkirchen musste er nach nur einem Jahr gehen, Heynckes schien am Ende seiner Karriere angekommen.

Seine Rückkehr an die Seitenlinie nach etwa eineinhalb Jahren krankheitsbedingter Pause geriet erneut zum Desaster. Unter seiner Regie stürzte Borussia Mönchendladbach 2006/2007 in der Tabelle ab. In Interviews musste er entnervt erklären, warum er bei seinem alten Verein die Wende nicht schaffte. Nach seinem Rücktritt bei der Borussia zog er sich zurück. Zwei Jahre nahm Heynckes keinen Job an.

Heynckes wirkt entspannter als je zuvor

Heute erlebt die Bundesliga einen völlig anderen Jupp Heynckes. Entspannt wirkt er, gelassen. Selten wurde auf Pressekonferenzen mit dem Trainer so viel gelacht. Seine stets als schwierig geltende Beziehung zu den Journalisten scheint vorbei. Von Heynckes' Erfahrung profitieren vor allem seine Spieler. Unter seiner Führung entwickelten sich Arturo Vidal oder Renato Augusto zu international gefragten Akteuren. Im Mittelfeld schenkte er dem 21-jährigen Lars Bender das Vertrauen - und setzte sich im Streit mit Michael Ballack, 34, unaufgeregt, aber konsequent durch. Die Entwicklung bei Bayer ist auch das Ergebnis der Entwicklung von Heynckes.

Bei Bayern München, gegen das Heynckes mit Leverkusen am 17. April spielen muss, erwartet ihn jede Menge Arbeit. In einem Kader, der die hohen Ansprüche des Vereins nicht erfüllen konnte, stehen zahlreiche Veränderungen an. Heynckes wird sie vornehmen. Die Verträge von Thomas Kraft, Hamit Altintop, Andreas Ottl, Miroslav Klose und Jörg Butt laufen aus. Auch bei Breno, Anatoli Timoschtschuk, Diego Contento, Daniel van Buyten und Danijel Pranjic gab es zuletzt Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied.

Den wird es für Heynckes bei seinem neuen Arbeitgeber, allen Unwägbarkeiten des Geschäfts zum Trotz, wohl nicht geben. Eher einen geplanten. Nach Ablauf seines Vertrages wäre er 68 Jahre alt. Fraglich, ob Verein oder Trainer ein längeres Engagement in München beabsichtigen. Heynckes' Hund Cando würde es freuen.

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