Neuer KSC-Präsident Metzger The spirit of Bretten

"Yes we Paul": Fünf Tage nach seiner Wahl zelebriert der neue KSC-Präsident Paul Metzger den Schulterschluss mit seiner Basis. Dass sein Team gegen den neuen Spitzenreiter aus Bielefeld verlor, irritiert ihn nicht weiter: Der Mann will aufsteigen.

Neuer KSC-Präsident Metzger: Will in die Bundesliga aufsteigen
dpa

Neuer KSC-Präsident Metzger: Will in die Bundesliga aufsteigen


Was hat Barack Obama der Welt nur angetan! Dass er George Bush abgelöst und John McCain verhindert hat, mag man ihm nun nicht unbedingt übel nehmen. Aber dieses penetrante "Yes we can", das einen seit Anfang 2008 überallhin verfolgt - vom Junggesellenabschied in Osnabrück über das Sonderangebot beim Baumarkt in Niederbayern bis zur Rede des stellvertretenden Parteikassierers in der Südpfalz. Ein bisschen Washington, ein bisschen Hollywood ist seit Obama eben überall in Deutschland.

Selbstverständlich durfte der Spruch dann auch am Montag Abend im Karlsruher Wildpark nicht fehlen, schließlich galt es, in der KSC-Fankurve den neuen Präsidenten willkommen zu heißen - Paul Metzger, amtierender Bürgermeister aus Bretten bei Karlsruhe, der in der vorigen Woche vor allem aus zwei Gründen gewählt wurde. Erstens, weil sein prominenter Gegenkandidat allzu offensiv mit Sohn Oliver Kahn hausieren gegangen war. Und zweitens, weil ihm Exponenten des KSC-Fandachverbandes "Supporters" geholfen hatten, flugs etwa 400 stimmberechtigte Neumitglieder zu organisieren.

"Yes we Paul" war dann auch folgerichtig auf einem Transparent an der Balustrade zur Gegengerade zu lesen - derweil der Gepriesene im Fanblock darunter inbrünstig mit den Ultras das "Badner Lied" (textlich: Landschaft, Städte und Frauen total schön, und das alles "in Gottes Hand") schmetterte.

"So ein Drecksspiel muss man auch mal gewinnen"

90 Minuten später feierte Arminia Bielefeld den Sprung auf Platz eins der Tabelle - ein Tor von Pavel Fort (43.) hatte das Duell der beiden Erstligaabsteiger entschieden: "So ein Drecksspiel muss man auch mal gewinnen", meinte Abwehrmann Nils Fischer fast schon peinlich verlegen "jetzt sind wir Tabellenerster."

Die Gastgeber haderten hingegen mit ihrer Chancenverwertung. "Zu der kann man nichts mehr sagen", so Abwehrspieler Timo Staffeldt. Dass Lars Stindl freistehend hätte treffen müssen (18.), ergänzte Manager Rolf Dohmen, dem allerdings erst die spielentscheidende Szene gründlich die Laune verdorben hatte: Innenverteidiger Sebastian Langkamp war da ziemlich fulminant an einem Abschlag von Bielefelds Keeper Dennis Eilhoff vorbeigesegelt. Fort rannte angenehm überrascht auf dessen Kollegen Markus Miller zu. Der Rest ist bekannt.

"Müssen uns grundsätzlich unterhalten, wo wir überhaupt hinwollen"

War die Arminia, die am Ende den fünften Sieg in Folge feierte, bis dato die passivere von zwei mittelmäßigen Mannschaften, spielte sie nun ein wenig besser - aber nicht gut. Das Spiel des KSC hingegen wurde zunehmend fahriger, und das Publikum schoss sich auf Marco Engelhardt ein, bei dessen Auswechslung wahre Begeisterungsstürme durchs Stadion tosten. "Man sollte das nicht an einem Spieler festmachen", sagte Trainer Markus Schupp nach dem Spiel diplomatisch. "So etwas geht gar nicht", fand Engelhardts Kollege Staffeldt und meinte damit wohl das Gleiche.

Nach den Niederlagen gegen Kaiserslautern und dem Pokal-Ausscheiden gegen Borussia Dortmund musste der KSC die dritte Niederlage in Folge hinnehmen. "Wir müssen uns einmal grundsätzlich darüber unterhalten, wo wir überhaupt hinwollen", fand Verteidiger Matthias Langkamp, der Bruder des zur Halbzeit ausgewechselten Unglücksraben, "sonst spielen wir um den Klassenerhalt".

"Wichtig, ehrgeizige Ziele auszuloben"

Eine solch grundsätzliche Unterhaltung scheint Langkamps Präsident hingegen für unnötig zu halten - für ihn ist das Saisonziel klar. Mit dem gleichen Fanschal, mit dem er zuvor in der Kurve gesungen hatte, kam Metzger nach dem Spiel in den Presseraum und wiederholte dort unverdrossen, die Mannschaft, die mit 10 Punkten auf Rang 14 rangiert, habe "die Substanz aufzusteigen". Es sei wichtig, ehrgeizige Ziele auszuloben: "Sonst kann man auch nichts bewegen."

Ehrgeizig war auch seine Ankündigung auf der Mitgliederversammlung, im Falle seiner Wahl werde er sich noch am folgenden Morgen mit dem Medienunternehmer Michael Kölmel zusammensetzen, mit dem der Club einen langwierigen Rechtsstreit um die Rückzahlung eines Darlehens austrägt. Für diese Ankündigung wurde Metzger lange beklatscht. Am kommenden Morgen kam es jedoch zu keinem Treffen - Kölmel hatte einen Termin in München.

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