Neuer Manipulationsverdacht im Fußball Drahtzieher des Hoyzer-Skandals festgenommen
Hamburg - Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt bundesweit gegen rund hundert Beschuldigte wegen des Verdachts illegaler Wettmanipulation. Das haben Recherchen von SPIEGEL TV für die Magazin-Sendung am Sonntag (22.15 Uhr, RTL) ergeben.
In einer Erklärung bestätigte die Staatsanwaltschaft an diesem Donnerstag, "gemeinsam mit der Polizei Bochum seit Anfang 2009 ein Ermittlungsverfahren" zu führen, "das sich gegen eine international agierende Bande richtet, der fortgesetzte, gewerbsmäßige Wettbetrügereien zur Last gelegt werden".
Bei den Verdächtigten soll es sich hauptsächlich um Südosteuropäer handeln, darunter mehrheitlich Kosovaren. Nach Informationen von SPIEGEL TV wurde am Donnerstag auch der Kroate Milan Sapina festgenommen. Dieser ist ebenso wie seine Brüder Ante und Filip wegen Wettbetruges vorbestraft.
Ante Sapinas Mutter bestätigte der "Berliner Morgenpost Online", dass ihr Sohn Ante von Polizeibeamten festgenommen worden sei. Die Sapinas waren bereits 2005 in den Bundesliga-Wettskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer involviert. Ante und Milan Sapina waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
In der Mitteilung der Bochumer Staatsanwaltschaft heißt es: "Die Beschuldigten sind verdächtig, Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle aus hochrangigen europäischen Fußballligen gegen Geldzahlungen veranlasst zu haben, den Ausgang von Spielen im Sinne der Bande zu manipulieren, und diese Situation zu Wettbetrügereien ausgenutzt zu haben."
Festnahmen im gesamten Bundesgebiet und im Ausland
Im Zuge dieser Ermittlungen, die durch Verantwortliche der Europäischen Fußball-Union (Uefa) unterstützt und begleitet würden, seien am Donnerstag eine Vielzahl von Durchsuchungen im gesamten Bundesgebiet und im Ausland vorgenommen worden, gaben Staatsanwaltschaft und Polizei bekannt. Es habe etliche Festnahmen gegeben.
Der Sport-Informations-Dienst (SID) berichtete unter Berufung auf eine sichere Quelle, dass Spiele in mindestens neun europäischen Ligen, darunter auch in Deutschland, auf Manipulationen untersucht werden. Neben Deutschland seien unter anderem Österreich, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Ungarn, Slowenien, die Schweiz und die Türkei betroffen.
Nach Informationen der "Berliner Morgenpost" sollen Erstliga-Spiele in der Türkei in großem Stil manipuliert worden sein. Demnach seien in Deutschland Wetten mit zum Teil sehr hohen Beträgen auf die manipulierten Spiele in der Türkei abgeschlossen worden.
Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge ist der deutsche Fußball, wenn überhaupt, nur am Rande betroffen. Demnach hätten die Ermittler den Verdacht, dass das Freundschaftsspiel SSV Ulm gegen Fenehrbaçe Istanbul (0:5) am 14. Juli 2009 manipuliert worden sein könnte.
Bei der Uefa hielt man sich am Donnerstagabend noch bedeckt. "Details kennen wir nicht", sagte Uefa-Mediendirektor Rob Faulkner dem SID. Harald Stenger, Mediendirekor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hatte am Nachmittag mitgeteilt: "Die Uefa- und DFB-Frühwarnsysteme für die Überwachung des Wettmarktes haben keinerlei Erkenntnisse über Spielmanipulationen in Deutschland geliefert."
Hoyzer-Skandal in der Saison 2004/05
Schiedsrichter Hoyzer hatte 2005 für einen der größten Skandale im deutschen Fußball gesorgt, als er gestand, in der Saison 2004/2005 etliche Spiele des DFB-Pokals, der zweiten Liga und der Regionalliga manipuliert zu haben. Im November 2005 verurteilte das Landgericht Berlin Hoyzer deshalb zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten ohne Bewährung wegen Beihilfe zum Betrug.
Gegen Ante Sapina, den Drahtzieher der Manipulationen, aufgrund derer bei Wetten viel Geld verdient wurde, war wegen Betruges in zehn Fällen eine Haftstrafe von zwei Jahren und elf Monaten verhängt worden. Ante Sapinas Brüder Milan und Filip, ein früherer Bundesliga-Profi und ein Schiedsrichter, die ebenfalls in den Skandal verwickelt waren, hatten Bewährungsstrafen erhalten.
Ante und Milan Sapina droht im Falle einer erneuten Verurteilung eine langjährige Haftstrafe. Nach Paragraf 263 des Strafgesetzbuchs kann diese bei einem "besonders schweren Fall" von Betrug bis zu zehn Jahre betragen. Dieser liegt zum Beispiel dann vor, wenn der Täter "gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung von Urkundenfälschung oder Betrug verbunden hat".