Neues Bayern-Duo Der Bescheidene und der Frauenschwarm

Uli Hoeneß durfte endlich wieder lachen. Der FC Bayern stellte seine zwei prominentesten Zugänge vor. Franck Ribéry und Luca Toni können vom Typ her unterschiedlicher nicht sein, dennoch eint sie eine Aufgabe: Sie sollen ihr neues Team zurück zum Erfolg führen.
Von Klaus Raab

Franck Ribéry kam zuerst, und er ging zuerst. Er hatte gerade das rot-weiß-gestreifte neue Heimtrikot des FC Bayern München mit der Rückennummer 7 erhalten. Als er am Ende der Pressekonferenz die Treppen in das Foyer des großen Hotels im Münchner Norden hinab stieg, hielt er es so in die Faust geknüllt, dass es fast darin verschwand. "Ich möchte ein einfacher Mensch sein", hatte er gesagt, und so hatte er sich der Öffentlichkeit auch präsentiert: als bescheiden wirkender junger Mann. Ribéry mag der teuerste Spielereinkauf der Bayern in der Vereins- und einer der teuersten in der Bundesligageschichte sein; er war eingebettet in einen kleinen Pulk von Begleitern, als er ging. Aber sein Verschwinden war fast unauffällig – zumindest gemessen daran, was nach ihm kam.

Nach ihm ging Luca Toni die Treppe hinunter, äußerlich eine Mischung aus Owen Hargreaves und Claudio Pizarro, zwei der Typen, die den FC Bayern München in den letzten Jahren auch für an Fußball desinteressierten Frauen attraktiv machten; eine wandelnde Zahnreihe von einem Mann, mit einem Lächeln, in das ein Schokoriegel quer passen dürfte, und Augen der Sorte "Ciao, Bella". Sein Trikot mit der Rückennummer 9 hing locker über seiner kleinen Ledertasche. "Ich lächle und lache gerne", hatte Ribéry zuvor über sich gesagt. Tonis Lächeln aber stahl seinem die Schau. Toni sagte Sätze wie: "Es werden hier sicher große Dinge passieren", und als er ging, erwarteten ihn schon die Damen im Foyer. Ribéry war fast unbehelligt an ihnen vorbeigegangen.

Wenn man also vom Flair der neuen Mannschaft etwas spüren konnte an diesem Nachmittag, an dem der FC Bayern München die Zeit der Spekulationen über den künftigen Spielerkader beendete und die zwei international prominentesten Neuverpflichtungen vorstellte, dann in diesen Momenten: Franck Ribéry, 24, ein dribbelstarker Spieler, der über rechts oder links kommen kann, nach eigener Aussage 1:1-Situationen mag und "gerne den Ball übernimmt und durch die Defensive prescht", wurde nach der Weltmeisterschaft in Deutschland als potenzieller Nachfolger von Zinédine Zidane auf dem Fußballplatz gehandelt – auch von Zidane, dessen Agent Ribérys neuer Manager ist. Toni aber, gerade 30 geworden, ein Stürmer, der in der italienischen Liga in den letzten zwei Jahren 48 Tore geschossen hat, dürfte einer der Spielertypen sein, die auch das Boulevard- und Unterhaltungssegment des deutschen Fußballgeschäfts stark bereichern werden.

Von welchem der beiden Spieler stammt wohl diese Aussage: "Ich konzentriere mich auf das Spielfeld, denn das ist mein Zuhause"? Und von welchem diese: "Ich habe schon einige Restaurants gesehen, und ich habe festgestellt, dass man hier in München sehr gut isst"? Genau, die letzte ist nicht von Ribéry.

Uli Hoeneß, der Manager des FC Bayern, der die beiden je für vier Jahre verpflichteten Spieler zusammen mit Vorstandsmitglied Karl Hopfner auf die Pressekonferenz begleitete, fand dennoch eine Kategorie, die er den zwei offenbar unterschiedlichen Typen gemeinsam überstülpen konnte: "Weltstars". Er hoffe, sagte er, dass er und seine Vorstandskollegen ein Team zusammengestellt hätten, "das unseren Ansprüchen genügt und das auch unsere Fans wieder richtig glücklich macht".

Nach Marcell Jansen, Hamit Altintop, Jan Schlaudraff und José Ernesto Sosa sind Ribéry von Olympique Marseille und Toni vom AC Florenz die Neuzugänge fünf und sechs. Ein Kauf von Khalid Boulahrouz vom FC Chelsea, der laut der Londoner "Times" nach München kommen sollte, stand Hoeneß zufolge nie zur Diskussion. Es soll noch der Transfer des 32-jährigen Brasilianers Zé Roberto, der im Mittelfeld und auf der linken Außenbahn spielen könnte und der einen Zweijahresvertrag erhalten soll, vom FC Santos abgewickelt werden. Es seien "noch Kleinigkeiten zu klären, zum Beispiel sein Engagement in der Nationalmannschaft, das wir nicht gerne haben würden", so Hoeneß. Und zum Kader könnte auch noch – so Werder Bremen das Angebot der Bayern annimmt – Miroslav Klose stoßen, der 2008, wenn sein Vertrag in Bremen ausläuft, nach München kommen wird, aber schon jetzt kommen soll, wie Hoeneß bestätigte. "Dann", so der Manager, "wäre die Einkaufspolitik beendet."

Zumindest namens-, medienrummel- und zahnreihenmäßig sind die Bayern also, das steht schon fest, in der nächsten Saison weit vorne. Ob das Team der großen Namen, das auch ein Team mit Gehaltsgefälle ist, aber eine funktionierende Mannschaft wird, ist die Frage, die erst auf dem Platz geklärt werden kann. Uli Hoeneß sagte: "Wir haben den Mund relativ voll genommen", was eine schamlose Untertreibung ist. Er hatte gesagt, man müsse dafür sorgen, dass die anderen Vereine die Bayern in der Tabelle mit dem Fernglas suchen müssten. Wohl also, um der drohenden Kritik, die kommen wird, falls die Bayern nicht von Anfang an erfolgreich und intergalaktisch schön Fußball spielen sollten, vorzubeugen, fügte er hinzu: "Es wird etwas Zeit brauchen, bis die Mannschaft sich findet."

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