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Neururer, Schmadtke und Co.: "Großer Fehler"

Foto: Caroline Seidel/ dpa

Kritik an WM-Ausrichtern Russland und Katar Elf Gegner sollt ihr sein

Krim-Annexion, Zwangsarbeit, Korruptionsverdacht: Selten waren WM-Ausrichter so umstritten wie Russland und Katar. Im Magazin "Cicero" melden sich jetzt elf prominente Kritiker zu Wort.

Hamburg - "Sagt die Fußballweltmeisterschaft in Katar ab!", fordert Peter Neururer in der Oktoberausgabe des Politikmagazins "Cicero". Der Trainer von Zweitliga-Tabellenführer VfL Bochum nennt die WM in dem Wüstenstaat, in dem "viele Gastarbeiter unter unmenschlichsten Bedingungen ihr Dasein fristen" würden, eine "sportliche Tragödie". Bei der umstrittenen Weltmeisterschaft stünden "rein wirtschaftliche Interessen im Vordergrund".

Der Fußball dürfe sich an diesem "Foulspiel" nicht beteiligen, "aber leider", so Neururer, "scheint der Schwachmatismus bei den Entscheidungsträgern im Weltfußball überhandzunehmen". Neben Katar nimmt Neururer, 59, auch Russland, den Gastgeber 2018, ins Visier. Auch dort gebe es "klaren Handlungsbedarf", ein deutliches Zeichen müsse her: "Beispielsweise indem man über alternative Spielorte nachdenkt."

Hier die Annexion der Krim, die Rolle in der Ukraine-Krise oder der repressive Umgang mit Minderheiten, dort anhaltende Korruptionsvorwürfe, die unhaltbaren Zustände beim Bau der Stadien sowie unfassbare klimatische Bedingungen - selten waren Ausrichter einer Fußballweltmeisterschaft so umstritten wie Russland und Katar. Zuletzt hatte Theo Zwanziger, ehemals Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und aktuell Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees, Zweifel an WM-Ausrichter Katar geäußert.

"Cicero" hat in der neuen Ausgabe Stimmen weiterer prominenter Kritiker der Weltmeisterschaften in Russland und Katar gesammelt. So äußern sich unter anderen…

  • der aktuelle Sportdirektor des 1. FC Köln, Jörg Schmadtke ("Frage legitim, ob es […] ausgerechnet Katar sein musste");
  • Werder-Aufsichtsrat und Europameister von 1996, Marco Bode ("Vergabe nach Katar ein großer Fehler") und
  • Sky-Chefkommentator Marcel Reif ("stellt sich in beiden Fällen die Frage, wie der Fair-Play-Gedanke des Fußballs zu Ländern passt, die unseren demokratischen Ansprüchen nicht oder nur kaum genügen").

Doch auch wenn sich die kritischen Stimmen mehren (im August hatte auch DFL-Präsident Reinhard Rauball eine Sommer-WM in Katar in Frage gestellt) - zurzeit sind weder der Boykott einer WM in Russland noch die Neuausschreibung des Turniers in Katar seitens der Fifa gewollt. Zu eng sind die Funktionäre des Weltsports mit den Bewerbern verbunden, Fifa-Chef Joseph Blatter selbst war es, der die Bewerbung Russlands um die WM 2018 forcierte. Der Abschlussbericht der Fifa-Ethikkommission, der sich mit möglicher Korruption bei der WM-Vergabe nach Russland und Katar befasst, wird sich bis mindestens Anfang November verzögern.

Und natürlich betonte der Weltverband nach dem Zwanziger-Interview umgehend, die Äußerungen des deutschen Fußballfunktionärs seien dessen Privatmeinung.

goe
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