222-Millionen-Transfer Paris Saint-Neymar

Präsident Macron jubelt, der Fiskus spekuliert auf millionenschwere Einnahmen. Neymars Wechsel nach Paris entzückt die Franzosen: "Es geht ein wahrer Geldsegen über Frankreich nieder."

Aus Paris berichtet


"Paris, ich komme!" Seit dem Instagram-Post von Fußball-Star Neymar steht Frankreich Kopf: Der Wechsel des Brasilianers von Barcelona zu Paris Saint-Germain bestimmt die TV-Nachrichten und die Titelseiten der großen Zeitungen wie "Le Monde" und "Le Figaro". Die Überschrift des Sportblatts "L'Équipe" wiederholt die Botschaft: "Er kommt".

Atemlos verfolgen die Nachrichtensender Neymars Reise im Privatjet von Barcelona in die französische Hauptstadt, Reporter begleiten per Live-Schalte den Weg Neymars vom Flughafen Le Bourget bis in sein Hotel und ins Prinzenpark-Stadion - gefolgt von einer Fotografen- und Kamera-Kavalkade. Neymars Wechsel nach Paris wird in Frankreich beinahe als nationaler Triumph gefeiert.

Seit dem Vormittag drängten sich die PSG-Anhänger in die Fanshops, um ein begehrtes Trikot mit der Nummer 10 zu ergattern - für satte 140 Euro. Am frühen Nachmittag folgte dann die offizielle Vorstellung. Er wolle sein "gesamtes Herzblut" einbringen "um mit Paris die großen Ziele zu erreichen", sagte Neymar. Die Fans werden solche Worte gerne gehört haben.

Lange Schlangen vor dem Fanshop
AFP

Lange Schlangen vor dem Fanshop

Die Verpflichtung des "brasilianischen Wunders", so das Polit-Magazin "Nouvel Observateur", wird nicht nur als sportlicher Superlativ gefeiert. PSG hat einen wahrhaft "globalen Spieler" eingekauft - und zugleich einen Marketing-Star: 170 Millionen Anhänger auf Facebook, Twitter und Instagram machen Neymar zum ökonomisch wertvollen Schwergewicht.

Der Transfer des 25-Jährigen für 222 Millionen Euro Ablöse sprengt nicht nur die finanziellen Gebräuche des Gewerbes, sondern übersteigt auch die Vorstellungkraft des französischen Normalbürgers.

Nicht alle Franzosen sind begeistert

Manche Politiker rügen den Millionendeal und Neymars Jahreseinkommen von mutmaßlich 30 Millionen Euro als "moralisch anstößig" und "nicht vertretbar". "Sport verkommt zum Geschäft mit verrückten Summen", schimpft Alexis Corbière, Abgeordneter der linken Partei "La France Insoumise": "Es geht nur um Geld, Geld, Geld."

Präsident Emmanuel Macron begrüßt den Wechsel Neymars an die Seine als "gute Nachricht". Er wertet den Transfer als Beweis für "Frankreichs Attraktivität". Und Budgetminister Gérald Darmanin sagt: "Als Minister für den Haushalt freue ich mich über die möglichen Steuereinnahmen Neymars."

Dabei ist Neymar bis 2022 von der Vermögensteuer ausgenommen und als Neubürger genießt er einen 30-prozentigen Abschlag - seine jährlichen Steuern belaufen sich auf etwa zehn Millionen Euro.

Neymar-Fans in Paris
REUTERS

Neymar-Fans in Paris

Gut verdienen wird der Staat vor allem an der Mehrwertsteuer auf TV-Rechte, Eintrittskarten oder Merchandising mit Fanartikeln. Allein bei den Trikots wird der Absatz auf eine Million Exemplare geschätzt. "Die Steuerbehörde hat allen Grund sich die Hände zu reiben", sagt Redouane Mahrach, Jurist und Sportexperte beim Pariser Anwaltsbüro RMS. "Für den Fiskus geht ein wahrer Geldsegen über Frankreich nieder."

Vereine setzen auf Zuschauerrekorde

Aber auch sportlich soll eine neue Zeitrechnung beginnen. "Neymars Transfer ist das wichtigste Ereignis der vergangenen 30 Jahre", sagt Nathalie Boy de la Tour, Präsidentin des französischen Profifußballs. Seine Präsenz wird international für Aufmerksamkeit sorgen und unserer Liga endlich eine weltweite Dimension bescheren."

Auf heimische Zuschauerrekorde setzen bereits die Vereine, gegen die der Brasilianer bei der am Wochenende beginnenden Saison antreten wird. "Das ist fantastisch", sagt Antoine Kombouaré, ehemaliger PSG-Coach, der heute den Verein En Avant Guingamp trainiert. "Wenn Neymar bei uns am 13. August spielen wird, könnten wir gewiss eine Arena mit 200.000 Zuschauern füllen", sagt er. Das Vereinsstadion hat aber nur 15.000 Plätze.

Es dürfte also eng werden, wenn Neymar seinen ersten Auftritt in der französischen Provinz hat.

Mit Material vom sid



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
thegambler 04.08.2017
1.
Die Steuermehreinnahmen rechnen die sich aber auch schön. Ich bezweifle stark das die 140 Mio für Trikotkäufe in Sparanlagen geflossen wären, die TV-Rechte werden jetzt auch nicht explodieren und PSG kann als Unternehmen die Ausgabe als sicherlich steuerlich geltend machen. Zumal die selbst wenn die Summe so stimmt, die Einnahmen eher der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein wäre.
marianne.kramergt 04.08.2017
2. Einfach nur schlimm
dass in Frankreich ein so geldgieriger und überbezahlter Fußballer auch noch bejubelt wird. Ich denke, dass PSG auch mit diesem "Star" die Champions League nicht gewinnen wird, denn " eine Schwalbe macht noch keinen Sommer".
ssc58 04.08.2017
3. absurdes Theater
Er "arbeitet" 3 Stunden die Woche (= 2 Spiele), dazu einige Trainingseinheiten und verdient im Jahr mehr als der normale Fan in 1000 Jahren. Und dieser Fan flippt auch noch total aus und trägt von seinem normalen Verdienst 140 Euro in den Fan-Shop oder bezahlt mehrere hundert Euro für eine Dauerkarte. Merken die Leute nicht, dass sie nur abgezockt werden? Hoffentlich wird dieser Transfer ein Riesenflopp!.
spmc-125536125024537 04.08.2017
4. Er wechselt in die fünftstärkste europäische Liga
das sagt doch alles darüber, worum es bei diesem Transfer ging. Die Ligaalltag wird grausam werden. Sein sportliches Jahr beginnt künftig erst im April
nixus_minimax 04.08.2017
5. Titel ohne Ende
Zitat von spmc-125536125024537das sagt doch alles darüber, worum es bei diesem Transfer ging. Die Ligaalltag wird grausam werden. Sein sportliches Jahr beginnt künftig erst im April
da wird bestimmt die französische Liga und der Pokal gefeiert wie Bolle. PSG hat es ja nicht mal geschafft das fußkranke Barca zu schlagen obwohl Sie alle Vorteile hatten. Wie sehen die gegen Juve oder Madrid dann aus? Retortenmannschaften die zusammengekauft sind funktioniren nur sehr selten.
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