DER SPIEGEL

Füllkrug und die Rehabilitierung »Fußballromantische Gefühle«

Dank Niclas Füllkrug hat Deutschland wieder gute Chancen auf das Achtelfinale. SPIEGEL-Sportreporter Peter Ahrens warnt davor, dem Bremer zu viel Last aufzubürden – und hofft auf einen Flow für die DFB-Elf.
Ein Video von Eckhard Klein

Nach dem Auftaktdesaster nun die Rehabilitierung: Das 1:1 gegen Spanien, eine der besten Mannschaften der Welt, fühlt sich für viele Fans fast wie ein Sieg an. Ist das deutsche Team jetzt in der Spur?

Hansi Flick, Bundestrainer

»Vielleicht ist es die Initialzündung für die Dinge, die wir einfach brauchen zum Selbstverständnis dann auch, das Tor zu schießen, wie es Niklas Füllkrug gemacht hat. Das sind die Dinge, die wir brauchen.«

Peter Ahrens, SPIEGEL-Sportredakteur

»Es ist schon möglich, dass das so ein, dass die so in so einen Flow reinkommen. Das halte ich schon für denkbar. Gestern haben Sie schon relativ viel richtig gemacht, muss man sagen. Also wenn man irgendwie sagt, dass Japan spiele, hätte auch der Coach durch seine Auswechslung durch diese Schlotterbeck Aufstellung. Dann war es diesmal so, dass das auch ein Unentschieden des Trainers war, dadurch, dass er eben die richtigen taktischen Maßnahmen ergriffen hat.«

Niclas Füllkrug, 29. Gerade mal drei Länderspiele. Keines von Anfang an. Vergangene Saison war er noch ein Zweitligastürmer. Ein wenig widerspricht er den Gesetzen des Marktes.

Peter Ahrens, SPIEGEL-Sportredakteur

»Der bedient natürlich so etwas wie fußballromantische Gefühle, weil er auch so ein Typ ist, wo man sagt, ja gut, den kannst du in der Kneipe treffen. Der trägt, glaube ich, keinen Rucksack mit irgendwelchen Diamanten dran. Ich würde sagen, der Mannschaft tut er in seiner Rolle als Mittelstürmer gut. Weil so einer eben gefehlt hat. Dass er so ein Typ ist, dass die Leute sagen, ja, jetzt guck ich wieder Nationalmannschaft. Ich glaube, damit überfordert man auch Niclas Füllkrug. «

Diese WM rief bislang wenig Interesse in Deutschland hervor. Doch vielleicht war die Leistung gegen Spanien ein Wendepunkt. Die TV-Quote hat sich gegenüber dem Japanspiel fast verdoppelt - von rund neun auf 17 Millionen Zuschauer. Auch im Stadion war die Stimmung unter den deutschen Fans besser.

Peter Ahrens, SPIEGEL-Sportredakteur

»Hier war es so, da war es vom Sound her einfach schon so, dass man sich an so ein richtiges WM-Spiel erinnert fühlte und dass man sagt okay, das ist jetzt wirklich WM Atmosphäre. Es waren auch mehr Deutsche im Stadion als gegen Japan. Ich hatte so das Gefühl es ist so eins zu eins, was die spanische Kolonie angeht. Also insofern, da ist mir überhaupt nichts aufgefallen, da bin ich überhaupt nichts gestolpert, dass ich gedacht hätte, merkwürdig, merkwürdig, sondern das war schon, ja eine klassische Unterstützung durch eine deutsche Delegation. Es sind immer noch viel weniger als bei anderen Weltmeisterschaften. Das war auch gestern so, aber es sind mehrere dazu gekommen. «

Zu Tode betrübt, dann himmelhoch jauchzend? Das wäre verfrüht. Noch ist nicht mal die Vorrunde überstanden - dafür muss Deutschland erstmal am Donnerstag gegen Costa Rica gewinnen und auf Hilfe der Spanier gegen Japan hoffen.

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