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DFB vs. Australien: Doppelpack und Pfeifkonzert

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Niederlage gegen Australien Publikum straft DFB-Team mit Liebesentzug

Die deutsche Nationalmannschaft hat das Testspiel gegen Australien verloren - doch die Niederlage schmerzte die Spieler weniger als die Pfiffe der Zuschauer. Das Verhältnis zwischen Team und Publikum steckt in einer ernsthaften Krise. Einige Spieler schimpfen schon zurück.

Die Stadionregie ist erstaunlich gut präpariert gewesen. Kaum erklang der Schlusspfiff des Testspiels zwischen der deutschen Nationalmannschaft und Australien, da wurde es zum ersten Mal richtig laut im mäßig besuchten Borussia-Park. Für einige Sekunden donnerte ein heftig aufgedrehtes "I Got a Feeling" von den Black Eyed Peas aus den Lautsprechern und übertönte galant die vielen Pfiffe nach der biederen 1:2-Niederlage des WM-Dritten.

Als der Sound heruntergedreht wurde, war der erste Sturm der Empörung bereits abgeebbt, die Mannschaft hat natürlich trotzdem mitbekommen, dass sich in Mönchengladbach fortsetzte, was drei Tage zuvor beim EM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan in Kaiserslautern begonnen hatte: Die Liebe zwischen Publikum und Nationalelf droht in eine ernsthafte Krise zu geraten.

Einige Spieler sind mittlerweile ziemlich sauer auf ihre Zuschauer, und sie haben das nach der Partie erstaunlich offen gesagt. "So etwas haben wir insgesamt nicht verdient", sagte Bastian Schweinsteiger, der die Mannschaft als Kapitän in diese Partie geführt hatte. "Wir spielen seit 2004 sehr erfolgreichen und guten Fußball, und bei Weltmeisterschaften ist jeder dabei, wenn es gut läuft. Wenn es dann mal eine Halbzeit lang nicht so gut läuft, wird gepfiffen, das ist unverständlich. Das zeichnet den wahren Fan nicht aus."

Fußballfans oder Eventbesucher?

Aber sind es überhaupt Fans, die bei solchen Länderspielen ins Stadion kommen? Oder handelt es sich mehrheitlich um jenen Zuschauertypus, der im Vereinsfußball als Eventbesucher bezeichnet wird? Vieles deutet darauf hin, dass die Leute eher wegen des Spektakels kommen, nicht weil sie ihre Mannschaft lieben. Sie singen nicht, sie machen wenig Stimmung. Aber sie bezahlen Geld, und sie wollen unterhalten werden. Größere Zusammenhänge interessieren sie nicht.

Doch diese größeren Zusammenhänge sind nun einmal wichtig im Fußball. "Für einen Trainer sind Testspiele immer gut", sagte Joachim Löw nach 90 ziemlich langweiligen Minuten. Der Bundestrainer braucht nun einmal Gelegenheiten, um neue Spieler zu testen. "In den Zwischenjahren ohne großes Turnier geht es genau darum, herauszufinden, welche Spieler zu einem Turnier fahren können", erklärte er.

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DFB-Gegner Australien: Alte Hasen und junge Spunde

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Zum Beispiel konnte Löw sehen, dass André Schürrle ganz hervorragend in diese Mannschaft hineinpasst. Der Mainzer hatte viele gute Momente, bereitete das Tor von Mario Gomez vor (26.), war der beste Deutsche und sagte hinterher: "Mir hat dieses Spiel sehr viel gebracht, das war ein Riesenerlebnis, ein Meilenstein in meiner Karriere." Die vier jungen Dortmunder (Marcel Schmelzer, Mats Hummels, Sven Bender und Mario Götze) nährten hingegen den Verdacht, dass sie ohne ihre spezielle schwarz-gelbe Umgebung nicht so gut funktionieren. Auch das könnte eine wertvolle Einsicht für Löw sein, aber das Publikum hat natürlich wenig Freude an derlei Erkenntnissen.

Mannschaft beweist Qualität in den wichtigen Spielen

Mario Gomez war dennoch richtig wütend, als er frisch geduscht vor die Presse trat. Der Stürmer hatte die Nationalmannschaft mit einem wunderbaren Tor in Führung gebracht, doch als er in der 73. Minute aus der Partie genommen wurde, pfiff ihn das Publikum aus. "Mein größter Konkurrent ist nicht nur Miroslav Klose, sondern auch ein Teil der Fans", sagte Gomez. Drei Tage zuvor in Kaiserslautern sei er schon bei seiner Einwechslung mit Pfiffen begrüßt worden, "so etwas trage ich dann einige Tage mit mir rum, Heimspiele mit der Nationalmannschaft sind für mich sehr schwierig, die Stimmung ist nicht sehr positiv".

Natürlich gibt es immer das Argument, dass die Spieler mit ihren exorbitanten Gehältern gefälligst rennen müssen bis zum Umfallen. Erst recht, wenn sie für Deutschland spielen. Andererseits könnte man sich aber auch einfach einmal darüber freuen, dass die deutsche Mannschaft eine sehr besondere Qualität besitzt: Sie gewinnt, wenn es wichtig ist.

Abgesehen von den beiden WM-Halbfinalspielen 2006 und 2010 gegen Italien und Spanien und dem EM-Finale gegen Spanien 2008 hat Deutschland seit 2004 keine einzige wirklich bedeutsame Partie verloren. Niederlagen sparen sich die Spieler gerne für Testkicks gegen Norwegen, Argentinien oder jetzt Australien auf. "Man muss immer ein bisschen abwägen, was ein Freundschaftsspiel ist und was ein Qualifikationsspiel ist", gab Miroslav Klose unumwunden zu, "das ist auch ein bisschen Einstellungssache."

Dieser Selbstentblößung musste der Bundestrainer natürlich entgegentreten. "Ich wüsste nicht wer", meinte Löw, als er mit Kloses These von der mangelhaften Einstellung konfrontiert wurde. Dabei ist es ganz natürlich, dass so ein Testkick gegen einen sehr unattraktiven, aber keineswegs schwachen Gegner gerade den etablierteren Spielern wenig Freude bereitet. Sami Khedira, Mesut Özil und Philipp Lahm waren auch deshalb schon vor der Partie abgereist, zumal am Freitag die entscheidende Phase der Clubsaison beginnt. Und da wird es auch wieder guten Fußball geben.