VfB-Pleite gegen Schalke Schock statt Stevensive

Dem VfB Stuttgart wurde von Schalke beim 0:4 schmerzlich demonstriert, wie schwer es im Abstiegskampf wird. Trainer Huub Stevens flüchtete sich nach dem Spiel in Galgenhumor. Er ahnt: Diese Saison könnte es den Klub erwischen.

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Hamburg - Bei Twitter tauchte am Samstag eine Wortschöpfung wieder auf, die längst vergessen schien: die "Stevensive". Durch seine Vorliebe für eine defensive Spielweise hatte der Rückkehrer zum VfB Stuttgart, Trainer Huub Stevens, den Begriff einst geprägt. Umso mehr musste es den 60-Jährigen schmerzen, wie seine Stevensive vom FC Schalke 04 auseinandergenommen wurde. Dass es dazu noch die "Königsblauen" waren, Stevens' alter Herzensverein, die das Heimteam bei bei ihrem 4:0-Triumph demütigten, passte perfekt zu diesem aus VfB-Sicht völlig missglückten Nachmittag.

Stevens war vor zwei Wochen mit dem Anspruch angetreten, den VfB-Profis wieder mehr Spaß zu vermitteln. Entsprechend flüchtete sich der Coach nach der Partie in Galgenhumor: "Heute ist Nikolaus, da werden eben Geschenke verteilt."

Das erste davon bereits nach nicht einmal 60 Sekunden. Dann hatte Eric Maxim Choupo-Moting, der später noch zwei weitere Treffer folgen lassen sollte, bereits die Führung für die Gäste erzielt, und ein Gegentor nach nicht einmal einer gespielten Minute gehört zu den Dingen, die ein Team im Abstiegskampf überhaupt nicht gebrauchen kann. Vor allem ein Team, das an den Abstiegskampf noch nicht so recht gewöhnt scheint. Aufbäumen? Jetzt erst recht? Wir haben noch alle Zeit der Welt, das Spiel zu drehen? Von all dem war nichts, aber auch gar nicht zu spüren.

Schon in der Vorsaison war es knapp

Nach diesen 90 Minuten wird Stevens wissen, wie schwierig sein zweiter Versuch, den Klassenerhalt in Stuttgart erfolgreich zu sichern, werden wird. Im Vorjahr hat er den VfB als 14. übernommen und die Mannschaft am Ende als 15. knapp in der Liga gehalten. Er und die Mannschaft hatten allerdings schon damals davon profitiert, dass die drei Vereine unter dem VfB in der Tabelle in der Schlussphase der Saison keine Punkte mehr ergattert hatten. Die drei, Hamburger SV, 1. FC Nürnberg und Eintracht Braunschweig waren einfach nur noch schlechter als der VfB.

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Genau darauf wird sich Stevens diesmal nicht verlassen können: Mannschaften wie Borussia Dortmund, Werder Bremen oder der SC Freiburg dürften immer mal wieder punkten, diesmal muss es das Team schon aus eigener Kraft schaffen. Stevens hat zum Jobantritt vorhergesagt, die Aufgabe werde schwieriger als in der Vorsaison, und diese Einschätzung ist am Samstag eindrucksvoll bestätigt worden.

Auf den VfB warten bis zur Winterpause der FSV Mainz 05, der Hamburger SV (beide auswärts) und Liga-Neuling SC Paderborn, im weitesten Sinne alle drei Mitbewerber um die Plätze im unteren Tabellendrittel. In diesen Partien kann schon eine Vorentscheidung fallen, wohin es mit dem VfB Stuttgart in dieser Spielzeit geht. Stevens hat den Vorteil, noch Zeit zu haben. Noch sind 20 Spieltage zu absolvieren. In einer Liga, in der unterhalb der Bayern die fehlende Konstanz das Konstanteste ist, ist damit vieles machbar.

Aber klar ist: Dem Verein, der alle wichtigen Posten in der jüngeren Zeit neu besetzt hat oder noch besetzen muss, droht der Abstieg. Der Verlust zahlreicher Leistungsträger, die diffuse Transferpolitik, die orientierungslose Vereinspolitik der vergangenen Jahre - all das hat zu dem Zustand der Mannschaft geführt, wie sie beispielhaft an diesem Nachmittag vorgeführt wurde. Dass mit Nationalspieler Antonio Rüdiger jetzt einer der Hoffnungsträger der Mannschaft wegen einer Knieverletzung länger auszufallen droht, macht die Sache für die Stuttgarter nicht einfacher.

Der VfB gehört seit 1977 wieder der Fußballbundesliga an. Er war seitdem, als man mit Vereinsikonen wie Hermann Ohlicher, Ottmar Hitzfeld, Roland Hattenberger, Walter Kelsch oder dem jungen Hansi Müller den zweiten Anlauf in die Bundesliga unternahm, nur selten abstiegsgefährdet, unter anderem in der Vorsaison. So konkret wie in dieser Spielzeit war die Gefahr vermutlich noch nie. Huub Stevens hat eine schwere Aufgabe vor sich. Vielleicht seine bisher Schwerste. Seit diesem Samstag sollte das jedem im Verein bewusst sein.

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insgesamt 7 Beiträge
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sissy69 07.12.2014
1. Geht ab...
...wärts. Die logische Konsequenz der letzten Jahre, als nach dem Verkauf vieler guter Spieler (Gomez, Khedira, Tasci u.a.) bestenfalls Durchschnitt geholt wurde - häufig nicht mal das. Eine große mannschaftliche Geschlossenheit sehe ich auch nicht, zudem fehlen die erfahrenen Kräfte, die Ruhe bewahren und den Rest der Truppe gleichzeitig antreiben. Abgewirtschaftet, jetzt kommt der Fall. Belehrt mich gerne eines besseren. Aber wer soll sonst runter???
spiegelneuronen 07.12.2014
2. allns chlor?
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die Mercedes-Benz Bank sich als neuer VfB Stuttgart Trikotsponsor äußerte. Größenwahn in Reinkultur. Mercedes-Benz ist schon lange kein deutscher Autohersteller mehr (siehe Produktionsstandorte und Komponenten) und VfB Stuttgart kein Stuttgarter Fußballverein. Globalisierung und Kultur ergeben auch keine Kultisierung. Ebenso hatte Sport einmal mit Leistung zu tun, heute nur noch mit Budget. Verwunderlich, dass manche noch Zeiten nachtrauern, deren Abschaffung sie herbeiführten. Stevens ist da nur eine Fußnote im chlorfrei gedruckten Vereinsmagazin.
grätscher 07.12.2014
3.
Rüdiger verletzt??? Das bringt auf jeden Fall etwas Ruhe in die Innenverteidigung!!! Warum man den im Sommer nicht für 15 mio nach Monaco hat gehen lassen bleibt das Geheimnis des Fredy B...
Kein Gutmensch 07.12.2014
4. Ja nun........
........ dann halt zweite Liga. Lieber mit dem VfB in die zweite Liga, denn als Bayernfan Meister ;-)
Freidenker10 07.12.2014
5.
Viele Stuttgarter freuen sich doch schon auf das zweitliga Duell Kickers - VfB... Entweder dem VfB gelingt ein Neustart in der zweiten Liga, oder es geht direkt in die dritte weiter... Mit den Leistungen wird es nähmlich nicht mal für die zweite reichen!
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