Niederlande-Länderspiel Deutschland verliert das Prestigeduell

Die WM in Südkorea und Japan hatten die Niederlande verpasst, Deutschland wurde Vizeweltmeister. Doch beim Testspiel in Gelsenkirchen hatte das "Oranje"-Team nach sehr guten Leistungen beider Teams das bessere Ende für sich.


Verlierer: Die deutschen Nationalspieler nach dem Abpfiff
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Verlierer: Die deutschen Nationalspieler nach dem Abpfiff

Gelsenkirchen - Die Niederlande siegten am Mittwochabend in Gelsenkirchen mit 3:1 (1:1). "Wir haben ein ordentliches Spiel gemacht. Der Unterschied zu den Holländern war der, dass sie eiskalt ihre wenigen Chancen ausgenutzt haben haben", sagte DFB-Teamchef Rudi Völler nach dem letzten offiziellen Länderspiel des WM-Jahres, "ich bin überhaupt nicht enttäuscht, wie wir heute gespielt haben, denn wir konnten auch spielerisch Akzente setzen."

Ruud van Niestelrooy hatte in der 79. Spielminute für die Entscheidung gegen die stark ersatzgeschwächte DFB-Auswahl gesorgt, in der Dietmar Hamann, Christoph Metzelder, Christian Wörns, Jens Nowotny, Carsten Ramelow, Christian Ziege und Carsten Jancker fehlten. Nach einer flachen Hereingabe von Clarence Seedorf ließ der eingewechselte Goalgetter von Manchester United Torwart Oliver Kahn aus kurzer Distanz keine Chance und besiegelte die erste Niederlage der Deutschen seit der Weltmeisterschaft.

Duell in der Luft: Bobic und Oranje-Kapitän Frank de Boer
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Duell in der Luft: Bobic und Oranje-Kapitän Frank de Boer

"Die Holländer sind vorne vom Feinsten bestückt. Die tauschen einfach zwei Welklasse-Stürmer gegen zwei andere aus und machen aus einer halben Chance ein Tor", sagte Kahn nach dem trotz der großen Rivalität fair geführten Partie, "da musst du 1000-prozentig konzentriert sein. Wir haben 60 Minuten guten Fußball gespielt. Die Gegentore waren ähnlich wie im WM-Finale."

Deutschland drängte, die Gäste trafen

Das deutsche Team hatte in der zweiten Hälfte vehement auf den 2:1-Führungstreffer gedrängt. Doch stattdessen traf Jimmy Floyd Hasselbaink (69.) nach einem groben Schnitzer des Dortmunders Sebastian Kehl, der den Ball im Mittelfeld den Ball vertändelte und den Konter der Gäste so erst ermöglichte. Rafael van der Vaart spielte den erst vier Minuten zuvor eingewechselten Hasselbaink an. Der Stürmer des FC Chelsea zirkelte den Ball aus 18 Metern flach ins rechte Eck.

Das 1:0 der Holländer, die nicht für die diesjährige WM qualifiziert waren und unter dem neuen Bondscoach Dick Advocaat noch unbesiegt sind, hatte Patrick Kluivert (22.) erzielt. Der Stürmer vom FC Barcelona war in der mit 60.601 Zuschauern ausverkauften Arena "Auf Schalke" nach einem Freistoß von Edgar Davids schneller als sein Gegenspieler Marko Rehmer (Hertha BSC) und spitzelte die Hereingabe an Kahn vorbei ins Tor. "Vor dem Tor hat mich Kluivert heruntergerissen", klagte Rehmer.

Zweikampf: Davids und Jeremies
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Zweikampf: Davids und Jeremies

Dank Fredi Bobic hatte der Vizeweltmeister, der im 35. Duell gegen den Nachbarn zum zehnten Mal verlor, zwischendurch hoffen können. Der Hannoveraner, der sein erstes Länderspiel seit dem 22. Februar 1998 bestritt, war in der 34. Spielminute zum 1:1-Halbzeitstand erfolgreich. Der 31-Jährige setzte einen Flugkopfball in die Maschen, nachdem Bernd Schneider (Bayer Leverkusen) geflankt hatte.

"Es war ein toller Einstand für mich. Ich wäre aber glücklicher gewesen, wenn wir Unentschieden gespielt oder gewonnen hätten", sagte Bobic, der in der 27. Minute mit seiner zweiten Möglichkeit noch am niederländischen Keeper Edwin van der Sar gescheitert war. Zuletzt hatte der Torjäger des Bundesliga-Aufsteigers vor über sechs Jahren beim 5:1 der DFB-Auswahl in Armenien getroffen.

Der frühere Stuttgarter, der sich seine Berufung mit acht Toren in neun Bundesligaspielen verdient hatte und dem in seinem 20. Länderspiel der dritte Treffer glückte, war für den verletzten Italien-Legionär Jancker nachnominiert worden. Nach 68 Minuten wurde Bobic unter dem Jubel der deutschen Fans ausgewechselt. "Fredi hat seine Sache sehr, sehr gut gemacht, ein wichtiges Tor erzielt und gut gearbeitet", lobte Völler, dessen Team bereits am 23. Februar 2000 in Amsterdam mi 1:2 gegen die Niederlande verloren hatte.

Deutschland - Niederlande 1:3 (1:1)
0:1 Kluivert (22.)
1:1 Bobic (34.)
1:2 Hasselbaink (69.)
1:3 van Nistelrooy (79.)
Deutschland: Kahn (Bayern München/56 Länderspiele) - Rehmer (Hertha BSC Berlin/30), Baumann (Werder Bremen/13), Friedrich (Hertha BSC/4) - Frings (Borussia Dortmund/19), Jeremies (Bayern München/45) ab 46. Kehl (Borussia Dortmund/14), Ballack (Bayern München/32), Böhme (Schalke 04/8) ab 78. Neuville (Bayer Leverkusen/39)- Schneider (Bayer Leverkusen/21) - Bobic (Hannover 96/20) ab 68. Asamoah (Schalke 04/17), Klose (1. FC Kaiserslautern/24) ab 46. Freier/VfL Bochum (23/5)
Niederlande: van der Sar (FC Fulham/70) - Ricksen (Glasgow Rangers/8), Stam (Lazio Rom/48), F. de Boer (FC Barcelona/98) ab 46. van der Vaart (Ajax Amsterdam/3), Zenden (FC Chelsea/40) - Seedorf (AC Mailand/61), Bosvelt (Feyenoord Rotterdam/15), Cocu (FC Barcelona/65) ab 46. Reiziger (FC Barcelona/56), Davids (Juventus Turin/50) - Makaay (Deportivo La Coruna/20) ab 65. Hasselbaink (FC Chelsea/22), Kluivert (FC Barcelona/64) ab 46. van Nistelrooy (Manchester United /20)
Schiedsrichter: Dallas (Schottland)
Zuschauer: 60.601 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - / Reiziger



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