Anreise zum Niedersachsen-Derby Fan-Streit bei Hannover 96 nicht geklärt

Hannover 96 sorgt bei einigen Fans für Verärgerung: Für das Derby bei Eintracht Braunschweig bietet der Verein Auswärts-Tickets nur in Verbindung mit einer Busfahrt an. Vor Gericht lenkte 96 in einem Fall ein. Beendet scheint der Streit nicht.
Hannover-Fans (Archivbild): Ärger um die Anreise zum Derby in Braunschweig

Hannover-Fans (Archivbild): Ärger um die Anreise zum Derby in Braunschweig

Foto: Stuart Franklin/ Bongarts/Getty Images

Hamburg - Hannover 96 bereitet sich auf das Derby bei Eintracht Braunschweig am Sonntag (15.30 Uhr, SPIEGEL ONLINE) vor - nicht nur auf dem Platz, sondern auch abseits des Rasens. Dabei kommt eine Maßnahme, die der Verein in Abstimmung mit dem niedersächsischen Innenministerium und der Polizei verfügt hat, nicht bei allen 96-Fans gut an: Auswärtskarten für 96-Fans sollen nur in Verbindung mit einer vom Verein organisierten Busreise ausgegeben werden. So sollen Ausschreitungen zwischen den Fan-Lagern aus Braunschweig und Hannover verhindert werden.

Ein 96-Fan klagte sogar gegen den Verein, an diesem Montag wollte das Amtsgericht Hannover ein Urteil in dem einstweiligen Verfügungsverfahren verkünden. Doch der Verein lenkte vorher ein und hat dem Inhaber einer Auswärtsdauerkarte und seinen beiden Kindern für das Spiel in Braunschweig drei Tickets zur Verfügung gestellt, nach Angaben des Gerichts handelt es sich dabei sogar um Ehrenkarten. Außerdem sind der Kläger und seine Kinder von der vom Verein organisierten Busreise befreit, sie dürfen mit dem eigenen Auto zum Spiel nach Braunschweig fahren. Das Gericht sah damit den Wunsch des Fans erfüllt und stellte das Verfahren ohne Urteil ein.

Der Fan hatte sich gegen die Anreise mit dem Bus gewehrt, weil eines seiner Kinder aus gesundheitlichen Gründen nicht an einer solchen Fahrt teilnehmen könne. 96-Sprecher Alex Jacob sagte SPIEGEL ONLINE, dass die Anreise der mehr als 2000 Fans zur Partie am Sonntag mit dem Bus grundsätzlich nicht in Frage stehe, im Falle des klagenden Fans und seiner beiden Kinder habe man sich außergerichtlich geeinigt.

Das Gericht sagt: Tickets bereitgestellt, Forderung erfüllt

Das sieht Andreas Hüttl anders. Er ist Anwalt und vertritt den Fan vor Gericht: "Es gibt keine Einigung", sagte Hüttl SPIEGEL ONLINE. Er habe dem Gericht mitgeteilt, dass sein Mandant die angebotenen Tickets nicht annehmen wolle. Der Fan wolle das Derby schließlich nicht auf der Haupttribüne miterleben, zwischen dem Braunschweiger Publikum, sondern gemeinsam mit anderen 96-Fans im Gästeblock.

Ein Sprecher des Amtsgerichts verweist darauf, dass Hüttl in seinem Antrag lediglich drei Karten ohne den verpflichtenden Bus-Transfer geforderte hatte - ohne genau zu spezifizieren, für welchen Teil des Stadions diese Tickets gültig sein sollten. Diese Forderung habe Hannover 96 erfüllt, so der Gerichtssprecher. Anwalt Hüttl meint, das Amtsgericht mache es sich mit dieser Deutung zu einfach. Außerdem widerspricht er der Darstellung des Vereins, man habe von den gesundheitlichen Problemen eines der beiden Kinder nichts gewusst.

Eintrittskarte nur bei gemeinsamer Anreise mit dem Bus - diese Maßnahme für das Derby in Braunschweig löst bei vielen Fans Unmut aus. Die Anhänger fürchten, dass ein solches Prozedere künftig die Regel werden könnte und fühlen sich in ihren Rechten eingeschränkt. 96-Sprecher Jacob widerspricht allerdings der Darstellung, wonach die Maßnahme nicht mit dem Fan-Beauftragten des Vereins abgesprochen sei.

Im Falle der rund 250 Inhaber einer Auswärtsdauerkarte scheint das Verfahren problematisch zu sein, denn laut den Geschäftsbedingungen zum Kauf dieser Langzeittickets erhalten die Abo-Inhaber ihre Tickets fünf Tage vor dem jeweiligen Spiel. Von der Kartenausgabe erst bei einer gemeinsamen Busfahrt steht dort nichts.