Niersbach zum WM-Skandal "Ich kann mich absolut nicht erinnern"

Die SPIEGEL-Enthüllungen über das mutmaßlich gekaufte Sommermärchen halten den deutschen Fußball in Atem. Wolfgang Niersbach wollte sich im SPIEGEL nicht äußern. Das tat der DFB-Präsident nun in einem Interview mit einem DFB-Mitarbeiter.


Die Internetseite des DFB veröffentlichte am Samstagnachmittag ein Interview mit dem Verbandschef. Darin bestreitet Wolfgang Niersbach, dass es rund um die Vergabe der WM 2006 eine schwarze Kasse gegeben habe. "Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine 'schwarzen Kassen' beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat", so Niersbach. Auch einen Stimmenkauf schloss er aus, "das kann ich allen Fußball-Fans versichern". Und: "Nochmal: die WM war nicht gekauft."

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Heft 43/2015
Schwarze Kassen - die wahre Geschichte der WM 2006

Die Ungereimtheiten rund um eine Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den Fußball-Weltverband (Fifa) aus dem Jahr 2005 würden derzeit bereits intern vom Kontrollausschuss sowie extern von der internationalen Wirtschaftskanzlei Freshfields-Bruckhaus-Deringer untersucht. "Das Ergebnis der laufenden Prüfungen ist offen, aber ich kann aufgrund der zeitlichen Abläufe dieses Zahlungs-Vorgangs schon jetzt definitiv ausschließen, dass die Zahlung in Zusammenhang mit der WM-Vergabe im Jahr 2000 steht", versicherte Niersbach.

Überprüfung, "ob es überhaupt meine Handschrift ist"

Der SPIEGEL berichtet in seiner neuen Ausgabe, dass die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland mutmaßlich gekauft war. Das Bewerbungskomitee hatte eine schwarze Kasse eingerichtet, die der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus heimlich mit 10,3 Millionen Schweizer Franken gefüllt hatte - damals 13 Millionen D-Mark. Eingeweiht waren allem Anschein nach der Chef des Bewerbungskomitees, Franz Beckenbauer, weitere hochrangige Fußballfunktionäre - und eben spätestens seit 2005 auch der heutige DFB-Präsident Niersbach.

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DFB-Präsident Niersbach: Der Netzwerker
Der SPIEGEL hatte die Existenz eines Geheimdokuments enthüllt, in dem die Rückzahlung der 6,7 Millionen Euro durch das WM-Organisationskomitee begründet wird. Darauf: eine handschriftliche Notiz von Niersbach, "das vereinbarte Honorar für RLD". RLD, das legen die Recherchen nahe, steht für ebenjenen Robert Louis-Dreyfus, der das Geld laut SPIEGEL zurückgefordert hatte. In diesem Fall könne er sich "daran absolut nicht erinnern, zumal ich in meiner Eigenschaft als OK-Vizepräsident Marketing und Medien nur sehr bedingt in wirtschaftliche Transaktionen eingebunden war", so Niersbach nun auf dfb.de. Er wolle nun prüfen, "ob es überhaupt meine Handschrift ist".

chp/goe



insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
TOM_M 17.10.2015
1. Ablenkungsmanöver!
Wichtig ist, dass das meist diskutierte Thema "Flüchtlinge und die Folgen" vom Tisch ist und man sich wieder über andere Dinge aufregt, die eigentlich schon lange bekannt sind - zumindest für Leute die mitdenken! Fußball - der deutschen Liebstes Kind - da vergiss man die eigentlichen Probleme! Brot und Spiele!
womo88 17.10.2015
2. Amnesie ... der arme Niersbach!
Ein völlig neues Krankheitsbild, was sich da ausbreitet, die sog. "FIFA-Amnesie". Und die ist ansteckend. Blatter kann sich nicht an die 2 Mille erinnern, die an Platini gegangen sind. Platini kann sich nicht erinnern, ob und wofür er die 2 Mille erhalten hat. Und jetzt hat es Niersbach erwischt, die FIFA-Amnesie. Er kann sich nicht erinnern. Ob es den "Kaiser" auch noch erwischt?
918 17.10.2015
3. spiegel immer subjektiver
Warum stellen sie es so verzerrt dar? Haben sie das angebliche dokument mit der handschriftlichen notiz bereits herausgegeben zur pruefung? I'm sky imterview raeumen sie ein das sie keine Beweise fuer schmiergeldzahlungen an asiatische exco Mitglieder haben!warum behaupten sie es dann? Schmierenkomoedie des spiegel gestuetz auf den verbitterten alten Mann namens zwanziger
vor.morgen 17.10.2015
4. Unbestätigten Gerüchten zu Folge,
hat Beckenbauer schon angefragt, ob man auch im Knast golfen kann. Und den anderen Bayern, den, der sich auch nicht mehr an seine ganzen Spekulationen erinnern konnte, gefragt, ob die Duschen wirklich so rutschig sind, wie man hört.
joG 17.10.2015
5. Man kann erfahrungsgemäß davon ausgehen.....
.....dass die Sache ausgeht wie bei Siemens und all den anderen Fällen von Korruption ausgehen oder gar wie in denen hoher Politiker.
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