Trainer Niko Kovac Bayerns Ruhepol

Während seine Bosse beim FC Bayern Nervosität ausstrahlen, wirkt Trainer Niko Kovac souverän - trotz aller Querschläge.

Niko Kovac behält noch die Ruhe
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Niko Kovac behält noch die Ruhe

Von Florian Kinast, München


Bei der Presserunde von Niko Kovac vor dem Supercup-Spiel in Dortmund ging es am Freitag auch um die richtige Ausgewogenheit. Also die im Spielsystem, zwischen Offensive und Defensive.

Kovac sprach dabei von den Vorzügen des 4-3-3-Systems und seiner Hoffnung, für seine Mannschaft die richtige Abstimmung zu finden. Nicht nur in Dortmund, sondern natürlich in der kompletten kommenden Bundesliga-Saison.

Kovac selbst ist bereits im Gleichgewicht.

Anders als - das zeigte die vergangene Woche - viele andere Verantwortungsträger an der Säbener Straße. Wenn es in der aktuellen Situation mit all der Nervosität und Aufgeregtheit beim Deutschen Meister gerade einen Ruhepol gibt, dann ist es Niko Kovac - der Einzige der Außendarsteller aus der Führungsetage, der momentan ein souveränes Bild abgibt.

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Kovac und die Bayern-Bosse: Immer was zu meckern

Mit dem ersten Pflichtspiel am Samstag startet Niko Kovac in seine zweite Saison als Trainer des FC Bayern, zu dem er vor einem Jahr als B- bis C-Lösung gekommen war, als Plan zweieinhalb: nach der Absage von Thomas Tuchel und der Utopie von Uli Hoeneß, sein Freund Jupp Heynckes ließe sich schon noch zum Weitermachen über Sommer 2018 hinaus breitschlagen. Kovac trotzte den widrigen Umständen, er meisterte die erste Krise im Herbst, und er blieb auch bei all den Sticheleien und unentwegten Seitenhieben von Karl-Heinz Rummenigge zumindest nach außen hin abgeklärt.

Ratschläge, Rügen, Rüffel

Gerade in diesem Sommer prasselten die Querschläge des Vorstandsbosses unaufhörlich auf Kovac nieder. Immer wieder baute Rummenigge Druck auf, erteilte dem Trainer in mitunter oberlehrerhaftem Ton Ratschläge, Rügen, Rüffel. Beispielsweise, dass er es in seinem zweiten Jahr ja nicht wagen solle, der Mannschaft seine eigenen Vorstellungen aufzudrängen, schließlich habe sich ein Trainer der Spielphilosophie des Klubs unterzuordnen. Als Kovac einmal unaufgeregt am Rande erwähnte, dass die PR-Tour in die USA mit zwölf Stunden Flug nach Los Angeles und neun Stunden Zeitunterschied natürlich strapaziös sei, murrte Rummenigge, dass ein Trainer da gefälligst mitspielen müsse.

Der Neue an seiner Seite; Hans-Dieter Flick assistiert nun Niko Kovac
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Der Neue an seiner Seite; Hans-Dieter Flick assistiert nun Niko Kovac

Und dass Kovac seiner Hoffnung Ausdruck gab, bald doch Leroy Sané in München begrüßen zu dürfen, war für den Klub-Boss ein willkommener Anlass, seinem Angestellten gleich einmal einen Maulkorb zu verpassen. Mochten manche Beobachter die folgende Entschuldigung des Trainers für das offensive Werben um Sané als kleinlautes Einknicken bewerten: Letztlich reagierte Kovac besonnen und damit auch viel bedächtiger als einige seiner Vorgänger.

Pep Guardiola etwa empfand auch nur den leisesten Ansatz von interner Kritik als Majestätsbeleidigung, der grummelnde Carlo Ancelotti hingegen zog sich in seiner kurzen Münchner Zeit bei Zweifeln an seiner Arbeit in den Schmollwinkel zurück. Der sehr großartige und sehr unterhaltsame Louis van Gaal war sowieso dauernd auf Krawall gebürstet und lag mit Uli Hoeneß ewig im Clinch. Und Jupp Heynckes? Der ist außer Konkurrenz, der hatte solche Probleme nicht und war über jede Kritik erhaben.

Karl-Heinz Rummenigge ist kein großer Kovac-Freund
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Karl-Heinz Rummenigge ist kein großer Kovac-Freund

Doch nicht nur gemessen an anderen Bayern-Trainern vor ihm hebt sich Kovac durch seine in sich ruhende Art gerade auffallend ab, sondern auch im Vergleich zu den gerade aufgeregt wirkenden Klub-Bossen über ihm: Hier der leicht reizbare Karl-Heinz Rummenigge, der nur auf eine klitzekleine Gelegenheit zu warten scheint, den Trainer wieder einzunorden. Dort der in seinen öffentlichen Auftritten nach wie vor glücklos agierende Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Und natürlich der Ex-Präsident in spe Uli Hoeneß, der in den vergangenen Wochen und Monaten mit zahlreichen Äußerungen untermauerte, wie weit er sich inzwischen vom operativen Geschäft entfernt hat.

Souveränität kann außer Kovac derzeit niemand.

Kovac weiß, dass ihm die Strahlkraft fehlt, dass es für Spieler reizvoller sein dürfte, zu einem Zinédine Zidane, Pep Guardiola oder Thomas Tuchel zu gehen. Und Kovac weiß auch, dass seine Zeit in München begrenzt sein dürfte, falls die Bayern im Herbst in eine erneute Krise steuern. Zumindest wird Karl-Heinz Rummenigge, der nicht einmal nach dem Double-Gewinn im Mai Worte der Wertschätzung und Anerkennung für den Trainer fand, nicht mit aller Macht an Kovac festhalten. Doch selbst bei einem Rauswurf im Laufe der Saison ist kaum vorstellbar, dass Kovac dann nachtreten würde, so wie es die Klub-Granden Hoeneß und Rummenigge in der Vergangenheit bei Entlassungen von Trainern gerne taten.

Niko Kovac wird sich treu bleiben.



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
flicflac44 03.08.2019
1. Falsch ...
… T. Tuchel wurde von Bayern München n i e gefragt. ( Tuchel hat das auch so bestätigt, kann man nachlesen ). Rummenigge wollte ihn - Hoeneß nicht. Hoeneß hoffte auf Heynckes, Kovac war dann die 1A-Lösung für Hoeneß und setzte sich durch. Tuchel wollte nicht warten bis sich die Bosse in München geeinigt hatten und nahm das Pariser Angebot an. Hoeneß bestand zu recht auf Kovac - er ist erfolgreicher wie Tuchel mit seinem tollen Pariser Kader. -- Aus diesem Tauziehen resultiert vielleicht auch das Verhalten von Rummenigge zu Kovac.
ivi007 03.08.2019
2. Unmöglich
Rummenigges Verhalten ist unglaublich peinlich. Entweder er entlässt Kovac oder er lässt ihn in Ruhe arbeiten. Aber das was er gerade abzieht, ist höchst unprofessionell und menschlich unterste Schublade.
mullertomas989 03.08.2019
3. Rummenigge soll sich halt entscheiden ....
Volles Rohr mit Kovac - oder ihn entlassen. Beides ist ok. Aber ihn im Verein lassen und dann ständig bloßstellen, das ist schon selten dämlich. man kann auich intern sehr viele Dinge klären ...... Es ist wie in der Politik: entweder stützen oder stürzen!
salvage_hunter 03.08.2019
4. Nichts Neues in dem Artikel...
....aber als Bayernfan muss ich - leider - zugeben, sehr viel Richtiges! Es ist beschämend zu sehen, was für ein Bild UH, KHR und HS abgeben.
nobleimperator 03.08.2019
5. Richtig gut der Artikel
Ich lese nun seit 35 Jahren den Spiegel, dass ist seit dem Tod von Augstein der erste Artikel der frei ist von Häme gegen Bayern, die Kirchen, die Konservativen und gegen alles andere was dieses Land stützt, erhält und am Leben hält. Außerdem ist es ein Artikel, wenn auch im Sportteil, der erhellt, in die Tiefe geht und Spaß macht ihn zu lesen. Danke Florian Kinast
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