Wolfsburg, Werder und HSV 3 Vereine, 3 Mal Abstiegsangst, 3 Hoffnungsträger

Der Norden rückt zusammen: Der VfL Wolfsburg, Werder Bremen und der HSV belegen in der Bundesliga punktgleich die Plätze 14 bis 16. Auf drei Spieler kommt es im Abstiegskampf besonders an.

Mario Gomez (r.) im Duell mit Diego Demme
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Mario Gomez (r.) im Duell mit Diego Demme

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Vor dem 25. Spieltag belegen die Nordklubs VfL Wolfsburg, Werder Bremen und Hamburger SV punktgleich die Plätze 14 bis 16. Vermutlich wird einer der Vereine am Ende der Saison in die Verlängerung müssen, in die Relegation um den Klassenhalt.

Welcher das sein wird, ist noch nicht abzusehen. Denn bei allen drei Klubs sind positive Tendenzen zu erkennen. Wolfsburg holte aus den ersten beiden Spielen unter Jonker vier Punkte. Werder gewann drei der letzten vier Partien. Der HSV hat sich nach einem desaströsen Saisonstart gefangen und punktet zuverlässig. Es dürfte also eng bleiben bis zum Schluss.

Im Abstiegskampf kommt es bei den drei Nordklubs auf jeweils einen Spieler besonders an.

Mario Gomez
DPA

Mario Gomez

Mario Gomez hat in den vergangenen beiden Spielen für den VfL Wolfsburg getroffen, er war beim 1:1 in Mainz und beim 1:0 in Leipzig erfolgreich. Einerseits ist das erstaunlich, weil Gomez bislang nicht so verlässlich traf, wie man sich das erhofft hatte. Andererseits ist sein Aufblühen logisch. Es hat mit dem neuen Wolfsburger Trainer zu tun.

Zum Ende der Saison 2010/2011 war Andries Jonker nach dem Aus von Louis van Gaal fünf Spiele für den FC Bayern verantwortlich. Gomez, damals in München angestellt, gelangen in diesen fünf Spielen neun Tore. In Wolfsburg bleibt es dabei: Unter Jonker trifft der 31 Jahre alte Angreifer immer.

Auch, weil der Trainer das Spiel stärker auf Gomez zuschneidet und ihn von lästigen Defensivaufgaben entbindet. "Ich habe nur zu ihm gesagt, dass er um Gottes Willen im Strafraum bleiben soll", sagte Jonker nach dem Sieg in Leipzig. Gomez profitiert zudem davon, dass Daniel Didavi wieder fit und in Form ist. Er bereitete das Tor gegen Leipzig vor.

Die Voraussetzungen sind gut, dass Gomez auch im achten Spiel unter Jonker trifft: An diesem Samstag (15.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) geht es im eigenen Stadion gegen den Tabellenletzten Darmstadt.

Felix Wiedwald
AFP

Felix Wiedwald

Felix Wiedwald erlebt beim SV Werder eine wechselhafte Saison. Der 27 Jahre alte Torwart pendelt zwischen Ersatzbank und Stammplatz: Drin, draußen, drin, draußen, seit acht Partien wieder drin. In der Vergangenheit wirkte Wiedwald oft flatterhaft und unsicher in der Strafraumbeherrschung, tat sich schwer damit, auch mal einen "unhaltbaren" Ball abzuwehren. Doch seit ein paar Wochen ist er kaum wieder zu erkennen.

Mit starken Leistungen trug er dazu bei, dass Werder aus den vergangenen vier Spielen zehn Punkte holte. Beim Heimsieg gegen Darmstadt parierte er einen Kopfball von Aytac Sulu mit einem Reflex, der vermutlich selbst den Wiedwald-Kritiker Tim Wiese neidisch gemacht hat, das jüngste 1:1 in Leverkusen rettete er mit einem gehaltenen Elfmeter in der sechsten Minute der Nachspielzeit.

Danach donnerte Wiedwald den Ball auf den Boden, außer sich vor Freude und Erleichterung. Ihm war anzumerken, dass diese Saison nicht seine leichteste ist. Die Mitspieler herzten ihn und hielten später ein Plädoyer für den Mann zwischen den Pfosten. "Wiedi ist in einer so großartigen Form. Ich würde ihn gegen niemanden eintauschen im Moment", sagte Verteidiger Niklas Moisander.

Seine Vorgesetzten sind sich da nicht so sicher. Der Vertrag mit "Wiedi" beziehungsweise "Wiedwall", wie ihn die Fans nennen, verlängert sich in den kommenden Wochen automatisch, sobald der Torwart sein 20. Saisonspiel bestreitet. Was aber nicht bedeutet, dass er in der kommenden Saison als Stammkraft gesetzt ist. "Wir werden sicherlich mehr als nur einen Torhüter im Kader haben", sagt Sportchef Frank Baumann.

Wiedwald ist es trotz seiner zuletzt überzeugenden Vorstellungen noch nicht gelungen, die Zweifel an seiner Eignung zur dauerhaften Nummer eins zu zerstreuen. Im Heimspiel gegen Leipzig an diesem Samstag (15.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) geht es also nicht nur um die nächsten Punkte gegen den Abstieg. Es geht für Wiedwald auch um die eigenen Zukunftsaussichten.

Kyriakos Papadopoulos
Getty Images

Kyriakos Papadopoulos

Skepsis war angebracht, als der Hamburger SV in der Winterpause Kyriakos Papadopoulos verpflichtete, leihweise aus Leipzig, eigentlich gehört er Bayer Leverkusen. Seine Krankenakte hat in etwa den Umfang sämtlicher Brockhaus-Bände, er fehlte in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 850 Tage verletzt. Erst im November ließ er sich am Knie operieren. Und so jemand sollte der dringend benötigte Stabilisator der Hamburger Defensive sein?

Mittlerweile zweifelt niemand mehr am Nutzen des Transfers. Papadopoulos verhilft der Verteidigung des HSV zu neuer Sicherheit - bei der 0:8-Demontage in München fehlte er wegen Problemen an der Schulter - und tritt auch als Torjäger in Erscheinung. Zwei Treffer gelangen dem griechischen Nationalspieler, ironischerweise gegen Leverkusen und Leipzig.

Mindestens ebenso wichtig wie seine fußballerischen Fähigkeiten ist sein Auftreten. Seine Hingabe auf dem Platz grenzt an Irrsinn. Nach dem Pokal-Aus gegen Borussia Mönchengladbach versammelte Papadopoulos die Mannschaft im Mittelkreis und hielt eine flammende Rede. Er, der Neuling im Team. Nicht Kapitän Gotoku Sakai oder Trainer Markus Gisdol.

Der Risiko-Transfer ist in Rekordzeit zu einer Mischung aus Anführer und Spielertrainer geworden und verkörpert die Tugenden, die der HSV im Abstiegskampf benötigt. An diesem Samstag in Frankfurt (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird Papadopoulos wieder gebraucht. Hinten, vorne - und überhaupt.

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
kajoter 18.03.2017
1.
Dabei wurden Augsburg und Mainz übersehen. Und falls ersterer nicht schnellstens die Kurve kriegt, würde ich ihn auf dem Relegationsplatz tippen. Der HSV bringt sich natürlich vorher in Sicherheit - trotz des üblichen Bashings gegen ihn.
xhugo 18.03.2017
2. Nur der HSV
Hat die Chance auf den Hatrick: Drei mal hintereinander Relation gewinnen;-) aber eigentlich ist jetzt Bremen dran...
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