Umstrittener Einsatz in der Fankurve Polizeiprotokoll bringt Schalke in Bedrängnis

Der Polizeieinsatz auf Schalke beim CL-Spiel gegen Saloniki bekommt immer neue Wendungen. Aus einem Vermerk geht nun hervor, dass der Sicherheitsbeauftragte des Clubs über das geplante Einschreiten der Beamten informiert gewesen sein soll. Das hatte der Verein bislang bestritten.
Polizeieinsatz bei Schalke-Spiel: "Nicht das geringste Verständnis"

Polizeieinsatz bei Schalke-Spiel: "Nicht das geringste Verständnis"

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images,

Der Vermerk der Polizei Gelsenkirchen hat zwei Seiten, auf der ersten steht: "Gespräch Behördenleitung mit Vorstand FC Schalke 04". Es ist das Protokoll eines Gipfeltreffens zwischen Club und Ordnungshütern, das nach dem gewaltsamen Polizeieinsatz während des Spiels gegen Paok Saloniki notwendig geworden war.

Im Verlauf der CL-Partie am 21. August hatte eine Einheit der Bereitschaftspolizei einen Block gestürmt, weil sich S04-Fans weigerten, eine mazedonische Flagge abzunehmen. Durch diese fühlten sich die griechischen Anhänger angeblich derart provoziert, dass sie mit einem Block- und Platzsturm drohten.

Am 5. September kam es dann auf Schalke zu einem Treffen, an dem auf der einen Seite S04-Vorstand Peter Peters sowie der Sicherheitsbeauftragte des Clubs und auf der anderen Seite der Gelsenkirchener Polizeipräsident sowie Klaus Noske als Leiter der Schutzpolizei teilnahmen. Noske erstattete anschließend dem Düsseldorfer Innenministerium schriftlich Bericht.

"Der Sicherheitsbeauftragte war informiert"

In diesem Vermerk, den Noske erstellte, ist zu lesen: "Es wurde von beiden Seiten bestätigt, dass sowohl der Fanbeauftragte wie auch anschließend der Sicherheitsbeauftragte zu den Ultras gegangen waren mit der Aufforderung, die Fahne zu entfernen. Der Sicherheitsbeauftragte hatte bei Nichtbefolgen den Polizeieinsatz angedroht. Der Sicherheitsbeauftragte war jederzeit über die Absicht und Durchführung des Polizeieinsatzes informiert."

Peters wollte sich auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE nicht zu dem Bericht äußern. Zuletzt hieß es von Schalker Seite, dass man sich in "konstruktiven Gesprächen" mit der Polizei befinde.

Das Protokoll wirft ein neues Licht auf die bisherige Debatte über den Polizeieinsatz. Bereits unmittelbar nach dem Spiel hatte eine Polizeisprecherin gesagt, Schalke 04 habe Kenntnis von dem geplanten Einsatz gehabt. "Der Sicherheitsbeauftragte wusste definitiv Bescheid. Er wurde aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um das Banner entfernen zu lassen", so die Beamtin damals.

Schalke aber bestritt das. In einer Mitteilung des Clubs vom 22. August hieß es: "Der Einsatz der Polizei war weder mit den Verantwortlichen des Clubs abgestimmt, noch wäre er von diesen auch nur ansatzweise gefordert oder gutgeheißen worden." Peters ließ sich sogar mit den Worten zitieren: "Dieser Einsatz war völlig unverhältnismäßig. Wir können dies absolut nicht gutheißen und bringen dafür nicht das geringste Verständnis auf."

Schalke will seine Fans erziehen

In dem Noske-Bericht ist auch die Rede davon, dass Schalke seine Fans künftig zu erziehen verspricht: Man wolle Gespräche mit den Ultras führen. "Hier soll noch einmal verdeutlicht werden, dass den Anordnungen vom Fanbeauftragten, insbesondere aber vom Sicherheitsbeauftragten des Vereines (...) unmittelbar Folge geleistet werden muss. Wenn dieser, wie geschehen, dazu auffordert, eine Fahne bzw. ein Banner abzunehmen, dann ist dem zu folgen."

Dass sich Schalke offenbar im Hinterzimmer konziliant gibt, öffentlich aber den Einsatz kritisiert und sogar bestreitet, von ihm gewusst zu haben, könnte eine Erklärung dafür sein, warum der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) nun reagiert und die Polizei aus der Arena abzieht.

"Die Polizei wird sich bis auf weiteres nicht mehr im Stadion aufhalten", so Jäger: "Die Sicherheit hat dann der Verein zu gewährleisten." Die Polizei werde aber in einem Bereitschaftsraum außerhalb des Clubgeländes zur Verfügung stehen. "Und wenn eine Gefahr für Leib und Leben, Gefahr für Dritte vorhanden ist, dann wird sie natürlich einschreiten", sagte der Innenminister.