NPD-Demo Ohne Energie gegen rechts

"Zeichen gegen die nationale Opposition": Weil ein NPD-Ortsverband eine Demonstration angekündigt hatte, zog Energie Cottbus die Zusage für ein Freundschaftsspiel in Storkow zurück. Der dortige Vereinspräsident und Antifaschisten kritisieren die Entscheidung als Kapitulation vor den Rechten.


Hamburg - Bundesliga-Absteiger Energie Cottbus hat ein Testspiel im brandenburgischen Storkow wegen einer von NPD-Funktionären angedrohten Demonstration abgesagt. Während der Fußball- Zweitligist die Entscheidung mit der nicht gewährleisteten Sicherheit begründete, reagierte der gastgebende Verein Germania Storkow mit Unverständnis und Kritik. "Wir hätten gerade erwartet, dass Energie Rückgrat zeigt", sagte Storkows Club-Vorsitzender Johann Kney am Mittwoch.

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dpa

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Germania hatte das Fußball-Fest am kommenden Samstag unter das Motto "Mit Energie für Toleranz" gestellt. "Wenn die NPD hier schon demonstriert, dann ist es doch eine Chance für den Sport zu zeigen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen", betonte Kney. Ähnlich bewerten antifaschistische Initiativen den Rückzug von Energie. Stephan Wende, Sprecher des Bündnisses "Tolerantes Storkow" sagte der Tageszeitung "Junge Welt", er sei "schwer enttäuscht über die Entscheidung der Cottbusser", die einer Kapitulation vor den Rechten gleichkomme.

In einem offenen Brief hatte zuvor der aus Franken stammende brandenburgische NPD-Vorsitzende Klaus Beier den Verein Germania angegriffen und aufgefordert, das Motto des Fußball-Fests zu ändern. Absicht des Fußballfests war es, zu zeigen, "dass auch der Sport sich für ein tolerantes Brandenburg einbringen kann". Das Motto der Veranstaltung - "mit Energie für Toleranz" hatte die NPD als "Zeichen gegen die nationale Opposition" gewertet.

Also rief die Partei, die in Storkow bei den Kommunalwahlen 2008 im Landkreis Oder-Spree 7,3 Prozent der Stimmen bekommen hatte, zur Demonstration auf. "Sollte sich der Vorstand von Germania Storkow noch zeitnah dazu entschließen können, ein dem sportlichen Anlass angemessenes Motto zu wählen, dann ist der Landesvorstand der Brandenburger Nationaldemokraten gerne gesprächsbereit, damit das Fußballfest doch noch auf der rein sportlichen Ebene zelebriert werden kann", heißt es in dem NPD-Brief.

NPD-Funktionär Klaus Beier, der gleichzeitig auch Sprecher der Bundespartei ist, war Ende April zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Betroffenen haben Rechtsmittel eingelegt. Zusammen mit zwei weiteren NPD-Spitzenfunktionären hatte er zur Weltmeisterschaft 2006 einen rassistischen "WM-Planer" veröffentlicht - und damit den damaligen Nationalspieler Patrick Owomoyela beleidigt. Owomoyela trat als Nebenkläger auf.

Trotz einer Lagebesprechung vor Ort zu Wochenbeginn, bei der laut Kney Polizei, Landeskriminalamt (LKA) und lokale Politiker die Sicherheit gewährleistet gesehen hätten, entschloss sich Energie zur Absage. "Es gibt freien Eintritt, jeder kann ins Stadion. Es ist nicht gewährleistet, dass es ein Fußballspiel geben kann, das nur unter sportlichem Aspekt abläuft", entgegnete Energie-Sprecher Ronny Gersch am Mittwoch. Landesklassen-Vertreter Germania wird nun gegen eine Brandenburg-Auswahl antreten, zudem hat eine Traditions-Mannschaft unter anderen mit dem ehemaligen DDR-Star Jürgen Sparwasser für ein Freundschaftsspiel zugesagt.

Die Absage von Energie Cottbus wurde von Vertretern der politischen Parteien kritisiert: "Die Absage des Fußballspiels FC Energie Cottbus gegen Germania Storkow ist kein gutes Beispiel für Zivilcourage, die insbesondere Sportler haben sollten", erklärte Andreas Bernig von der Brandenburger Linksfraktion. Das Verhalten von Energie Cottbus sei unverständlich. "Es gehört zur Strategie der NPD, durch Drohungen einzuschüchtern, Angst zu verbreiten und so Einfluss zu gewinnen."

Brandenburgs Finanzminister Rainer Speer hieb in die gleiche Kerbe: "Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn man kneift. Wir werden auf jeden Fall ermöglichen, dass gespielt wird", sagte Speer.

ruf/dpa

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