Nürnberg-Coach Oenning "Bei einer Entlassung bin ich nicht todtraurig"

Als Trainer-Notlösung schaffte Michael Oenning nach einer furiosen Aufholjagd mit dem 1. FC Nürnberg im letzten Moment den Aufstieg. Dem Magazin "11 FREUNDE" verriet er, welche Tipps Marcel Reif ihm gibt, was er an Dick Advocaat schätzt und warum Trainer ein Recht auf Feierabend haben.


Frage: Michael Oenning, Sie steigen als Trainer-Nobody in die Bundesliga auf. Fängt die Medienarbeit schon an zu nerven?

Michael Oenning: Im Gegenteil. Wenn die "Süddeutsche" und die "FAZ" endlich wieder mal anrufen, ist das für den Club doch positiv.

Frage: Für die Öffentlichkeit waren Sie bislang der Trainer, dessen größter Erfolg der "Grimme-Preis" war, den Sie als Premiere-Experte an der Seite von Marcel Reif für die WM 2002 bekommen haben.

Club-Trainer Oenning:
DPA

Club-Trainer Oenning:

Oenning: Immerhin habe ich was gewonnen (lacht). Damit muss ich leben. Solche Bewertungen nehmen Journalisten doch nur vor, weil es noch nicht viel anderes über mich zu schreiben gibt.

Frage: Aber Sie sind der Trainer eines Erstligisten.

Oenning: Ja, und ich achte auch darauf, dass es in dieser Hinsicht genug gibt, worüber es sich zu berichten lohnt.

Frage: Gerne wird auch erwähnt, dass Sie Klavier spielen und Frédéric Chopin einer Ihrer Lieblingskomponisten ist.

Oenning: Fußball und Musik sind gerade in Deutschland immer noch Antipoden. Na gut, viele Spieler hören Gangsta-Rap - vielleicht ist es da für Journalisten reizvoll, wenn sich jemand nicht von Kindheit an nur auf den Fußball konzentriert hat. Es war ja nie mein Ziel, einen Bundesligaclub zu trainieren. Es hat sich nur an irgendeinem Punkt meines Lebens so ergeben.

Frage: Hat Ihnen Marcel Reif Tipps gegeben, was Sie in der Außendarstellung als Trainer beachten sollten?

Oenning: Er hat mir natürlich Starthilfe gegeben und er sagt mir nach wie vor, in welchen Bereichen ich an meiner Feinabstimmung arbeiten kann.

Frage: Zum Beispiel?

Oenning: Ein Cheftrainer darf die Demut nicht verlieren. Als öffentliche Person ist man immer wieder in Gefahr, etwas zu Dingen zu sagen, von denen man keine Ahnung hat.

Frage: Gibt es einen Trainer, mit dem Sie gearbeitet haben, der als Vorbild taugt?

Oenning: Es wäre unfair, einen heraus zu greifen. Aber ich habe mit mehreren gearbeitet, denen es auf unterschiedliche Weise gelungen ist, Spieler für eine Sache zu begeistern.

Frage: Nennen Sie doch mal einen.

Oenning: Dick Advocaat zum Beispiel, der in der deutschen Öffentlichkeit überhaupt nicht gut ankam und bei Borussia Mönchengladbach gescheitert ist. Der hat vorher und nachher bewiesen, wie gut er als Trainer ist. Die Art, wie er trainiert hat, und seine Vorstellung von Fußball fand ich erstaunlich.

Frage: Gab es schon dumme Gags in den Medien über Ihr Slacker-Bärtchen?

Oenning: Der Albernste stand in der Fußballzeitschrift 11 FREUNDE in der Rubrik "Bei der Geburt getrennt": Ich vs. Hui Buh. Übrigens, ich habe den Bart noch gar nicht so lange. Den habe ich mir, kurz bevor ich nach Nürnberg kam, beim Snowboardfahren stehen lassen. Aber so läuft es halt. Die langen Haare, der Bart, Chopin, so was polarisiert - und wenn man nichts anderes zu schreiben hat, greift man eben darauf zurück. Und jeder sagt was anderes: Bart ab, Bart dran. Ich lass ihn dran, denn ich muss mich ja nicht pausenlos selbst ansehen.

Frage: Ist es ein Vorteil, wenn man als Trainer auch Interessen neben dem Fußball hat?

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Oenning: Ganz sicher. Ich habe den Trainerjob immer als Lehrberuf verstanden, den man über viele Erlebnisse und Ansatzpunkte erlernen muss. Und je mehr man in dieser Hinsicht macht, umso besser ist man. Ich habe auch alle Stufen des Trainerdaseins durchlaufen, das Einzige, was mir fehlt, ist die Erfahrung als Profi, die ja doch so wichtig ist(lacht).

Frage: So sagt man zumindest!

Oenning: Und ich kann nicht widersprechen, weil ich sie ja nicht gemacht habe. Dennoch maße ich mir an, zu behaupten, dass ich vom Fußball etwas verstehe. Aber noch mal: Fußball ist nicht alles. Und ich kann mir durchaus vorstellen, irgendwann kein Trainer mehr zu sein. Das gibt mir ein Stück Freiheit.

Frage: Wenn Sie also nach einem Dutzend erfolgloser Spiele beim Club entlassen werden ...

Oenning: ... bin ich nicht todtraurig. Gut, Sie werden fragen: "Ist das denn genug Identifikation?" Darauf sage ich: "Ja, denn ich habe trotzdem den Anspruch, meinen Job besonders gut zu machen."

Frage: Sie haben keine schlaflosen Nächte?

Oenning: Nein. Ich begreife meine Arbeit als etwas Positives, nicht als Last. Deshalb muss ich auch nichts mit ins Bett nehmen. Ich glaube, meine größte Stärke ist meine noch verbliebene Unabhängigkeit. Ich muss diesen Job nicht machen. Ich mache ihn gerne, aber ich habe keine Existenz- oder Versagensängste.



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Seite 1
Matyaz 04.08.2009
1. Was für eine gewagte Prognose!
Tolle Prognose: man nehme alle Aufsteiger sowie die 2 schlechtplatziertesten Bundeligisten der letzten Saison, die noch die Klasse halten konnten -und komplett sind die Abstiegskandidaten. Dass Nürnberg und Freiburg eingespielte und spielstarke Mannschaften sind bleibt da ebenso unberücksichtigt wie der stattliche Gladbacher Etat, der immer noch den ein oder anderen Noteinkauf zulässt, sollte es brenzlig werden. Meiner Meinung nach werden neben Mainz und Bochum eher Vereine wie Hannover,Frankfurt, Köln oder gar Berlin erhebliche Probleme mit dem Klassenerhalt haben.
frubi 04.08.2009
2.
Zitat von MatyazTolle Prognose: man nehme alle Aufsteiger sowie die 2 schlechtplatziertesten Bundeligisten der letzten Saison, die noch die Klasse halten konnten -und komplett sind die Abstiegskandidaten. Dass Nürnberg und Freiburg eingespielte und spielstarke Mannschaften sind bleibt da ebenso unberücksichtigt wie der stattliche Gladbacher Etat, der immer noch den ein oder anderen Noteinkauf zulässt, sollte es brenzlig werden. Meiner Meinung nach werden neben Mainz und Bochum eher Vereine wie Hannover,Frankfurt, Köln oder gar Berlin erhebliche Probleme mit dem Klassenerhalt haben.
Frankfurt und Hannover sind bei mir auch die ersten Kandidaten für eine Trainerentlassung. Ich hoffe zwar, dass so viele Trainer wie möglich im Amt bleiben aber man kennt ja das beliebte Trainerhopping. Skibbe und Hecking sind definitv die schwächsten Trainer. Viele schwerer ist die Frage: Wer wird der neue "Spieler der Saison"?? Wenn Carlos Eduardo seinen Nerven ein bisschen besser im Griff hat könnte er den Platz von Diego einnehmen. Özil könnte ebenfalls einschlagen. Aber ansonsten fällt mir aussser Ribery keiner mehr ein, der dieses Jahr richtig einschlagen könnte. Spannend wird der Kampf um die Plätze zur WM 2010. Für mich stehen bisher nur 5-7 Spieler fest. Der Rest kann sich noch Grundlegend ändern. Wie entwickeln sich unsere U21 Europameister? Werden Marin und Özil das neue Mittelfeld-Traumpaar?
yoshitsune 04.08.2009
3. SGE wird nicht absteigen
Ich glaube kaum, dass die Eintracht absteigen wird. Der Derby-Pokal-Erfolg wird fuer genuegend Aufwind bis zum Ende der Saison reichen. Wobei man aber ja auch aus leidvoller Erfahrung weiss, dass eine stark beginnende Eintracht meistens zum Ende der Saison zum Katastrophalen tendiert. Sagte der Eintracht-Fan. ;-)
Tail on the Donkey 04.08.2009
4.
Tja, da kann ich mir meinen Beitrag ja fast sparen: Hannover, Frankfurt und Köln sind auch bei mir ganz heiße Kandidaten auf einen Ausflug in die Zweitklassigkeit. Was Mainz angeht, nun, da scheinen Prognosen selbst von 12 Uhr bis Mittag zu weit gegriffen, zwischen gesichertem Mittelfeld und "am 11.11. bereits rechnerisch abgestiegen" erscheint alles möglich. Bochum seh ich auch stark gefährdet, Nürnberg und Freiburg haben dagegen das Potenzial, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Da die Saison ja nun unmittelbar vor der Tür steht und die wesentlichen Transferentscheidungen durch sein dürften, könnte sich das Ganze am Ende so darstellen: 1. München (akzeptabler Start, in der Rückrunde nicht zu stoppen) 2. Hamburg (es kommen leichtere Aufgaben als Düsseldorf) 3. Stuttgart (die Osteuropa-Fraktion schlägt voll ein) 4. Bremen (Wundertüte, allerdings diesmal mit direkter int. Quali) 5. Dortmund (auf dem Weg nach oben) 6. Wolfsburg (Niveau der letzten Saison kann nicht ganz gehalten werden) 7. Schalke (Altintop schießt zu viele Freistöße) 8. Leverkusen (kann ehrlich gesagt auch 2ter werden) 9. Hoffenheim (kennt die eigentlich noch jemand? Und was ist Rangnick?) 10. Nürnberg (die spielen einen tollen Kombinationsfußball) 11. Berlin (mehr ist kaum drin) 12. Gladbach (die Verstärkungen sehen auf den ersten Blick tauglich aus) 13. Freiburg (gemeinsam mit Nürnberg auf jeden Fall Buli-tauglich) 14. Frankfurt (hier wirds dagegen ganz eng) 15. Köln (Poldi wird sogar einschlagen, am Rest allerdings haperts) 16. Mainz (irgendwas von 14-18, Tendenz Abstiegskampf pur) 17. Hannover (ich hab da ne verdammt miese Saison im Urin) 18. Bochum (die Unabsteigbaren sind mal wieder dran) Irrtümer um 1-2 Positionen nicht ausgeschlossen, allerdings sei der Kreis der Titelanwärter mit den ersten 2, der int. Plätze mit einschließlich Wolfsburg + Leverkusen und der Abstiegskandidaten ab Frankfurt umrissen. Und jetz wird's Zeit, dass' endlich wieder los geht! :-)
Toradac 04.08.2009
5. In erster Linie erwarte ich...
Zitat von sysopMission Titelverteidigung in Wolfsburg, das Magath-System auf Schalke und die verstärkten Bayern: Was erwarten Sie von der neuen Bundesliga-Saison? Wer holt den Titel? Wer steigt ab? Diskutieren Sie mit.
...eine spannende Saison, auch wenn mir klar ist, daß die letzte kaum zu wiederholen sein wird. Titelfavoriten sind für mich der FC Bayern (schon fast ein Naturgesetz), der Vfl Wolfsburg (der es geschafft hat, seine Meistermannschaft zusammenzuhalten und sogar noch zu verstärken), der Hamburger SV (der m.E. gut eingekauft hat) sowie eine Überraschungsmannschaft (könnte in diesem Jahr Leverkusen oder Werder Bremen sein). Um die internationalen Startplätze kämpfen außerdem noch der VfB Stuttgart, Schalke (wenn Magath einschlägt), Hoffenheim und vielleicht auch noch Borussia Dortmund. Die "Weder-Fisch-noch-Fleisch-Franktion", bei der nach oben nichts geht und die mit dem Abstieg nicht viel zu tun haben, besteht aus Köln, Hertha, Nürnberg und Frankfurt. Außer Nürnberg (die ich für sehr spielstark halte) haben naturgemäß die Aufsteiger die größten Probleme, den Abstieg zu verhindern, bei Mainz wird es durch den gestrigen Trainerwechsel noch verschlimmert, Freiburg schätze ich etwas stärker ein, aber auch die müssen sich strecken. Auf Hannover und den Vfl Bochum kommt eine ganz schwere Saison zu, beide müssen ebenfalls bis zum Ende zittern. Am wenigsten kann ich in dieser Saison Mönchengladbach einschätzen, entweder früh im gesicherten Mittelfeld oder aber auch kämpfen bis zum Schluß um den Klassenerhalt. Lassen wir uns überraschen - Freitag geht's endlich wieder los!
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