Oddset-Pläne Wettverbot für Spieler, Trainer und Referees

Der staatliche Sportwetten-Anbieter Oddset hat Konsequenzen aus dem Manipulations-Skandal im deutschen Fußball gezogen und wird sein Wettsystem reformieren. In Zukunft sollen die Hauptdarsteller eines Fußballspiels nicht mehr auf die Partie setzen dürfen, an der sie direkt beteiligt sind.


München - "Wir sind uns über einen Ausschluss von Sportverantwortlichen einig, soweit sie auf das sportliche Ereignis Einfluss nehmen können. Das sind die an einem Spiel beteiligten Schiedsrichter, Assistenten, Spieler und Trainer. Wir werden das in unseren Teilnahmebedingungen umsetzen. DFB und DFL müssen das in ihre Statuten aufnehmen", sagte Oddset-Chef Erwin Horak in einem sid-Interview. Damit setzt der Wettanbieter das um, was von vielen Club-Vertretern direkt nach Ausbruch des Schiedsrichter-Skandals gefordert wurde.

Was geschieht mit Club-Funktionören?

Unklar sei noch, ob zum Kreis der Ausgeschlossenen auch Verbands- und Vereins-Präsidenten sowie andere Funktionäre gehören sollen. "Da haben wir einen Forderungskatalog auf dem Tisch, der erst noch beraten werden muss", so Horak, der auch von ersten Erfolgen berichten konnte: "Maßnahmen wie etwa die Vereinheitlichung der Auszahlungsgrenze mit Identifikation des Gewinners wurden schon umgesetzt."

Gelassen reagierte Horak auf die Ankündigung des DFB, eine eigene Sportwette anzubieten. Dazu gebe es "nach geltendem Recht keine gesetzliche Grundlage in Deutschland", erklärte der Oddset-Chef und relativierte die Ankündigung des Geschäftsführenden DFB-Präsidenten Theo Zwanziger: "Im Übrigen beziehen sich die Äußerungen von Herrn Dr. Zwanziger auf einen Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL, in dem die politischen Forderungen nach Erträgen aus dem Sportwettenbereich ausgesprochen werden. Wichtig für uns ist es, und davon geht dieser Grundlagenvertrag aus, dass wir auch für die Zeit nach 2006 der erste Ansprechpartner für die Verbände sind", betonte der 54-Jährige.

Im Gegensatz zu Oddset würden sich private Wettanbieter über den Vorstoß des DFB in den Sportwettenbereich freuen. Damit wäre das staatliche Monopol von Oddset gebrochen, und Privatanbieter wie "betandwin" oder "Intertops" würden eine deutliche Aufwertung erfahren.

Verhältnis zum WM-OK unbelastet

Als Vertreter von Oddset wies Horak Darstellungen des DFB energisch zurück, sein Unternehmen habe bei der Aufklärung des Schiedsrichter-Skandals zu zaghaft agiert. Auch das Verhältnis zum Organisations-Komitee für die WM 2006 sei dadurch nicht belastet worden. Sein Unternehmen bleibe weiter nationaler Förderer der WM und lasse dem OK laut Staatsvertrag bis 2006 jährlich zwölf Prozent seiner Überschussanteile zufließen.

"Die Kooperation zwischen uns und dem OK steht ungefährdet", betonte Horak, der zugleich Präsident der staatlichen Lotterieverwaltung Bayerns ist. Von Seiten des DFB habe es nach Aufkommen des Skandals "unverständliche Wortmeldungen" gegeben, die jedoch in Gesprächen mit Zwanziger ausgeräumt worden seien.



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