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Özil-Wechsel zu Madrid Poker gewonnen, Problem bekommen

Millionen für Werder, Traumverein für Mesut Özil: Mit dem Wechsel zu Real Madrid geht das wochenlange Gezerre um den Nationalspieler zu Ende. Also sind alle glücklich? Von wegen. Bremen hat jetzt ein echtes Problem.

Mesut Özil mag das Reden nicht so gerne. Er ist ein stiller Junge, den Umgang mit den Medien hat der 21-Jährige auch nach vier Jahren Bundesliga und 17 Länderspielen noch nicht so richtig gelernt. Am liebsten versteckt er sich unter zwei riesigen Kopfhörern, die seine Ohren mit HipHop-Musik füttern. Bei der Weltmeisterschaft war er der Einzige vom Stammpersonal, der vom DFB bei den täglichen Pressekonferenzen ausgespart wurde. Özil lässt lieber andere für sich sprechen, und womöglich ist auch das ein Grund, warum zuletzt der Eindruck entstand, der Nationalspieler von Werder Bremen verstricke sich bei dem täglich inszenierten Wechseltheater um seine Person heillos.

Ein Theater, dessen letzter Akt denn doch noch zur Zufriedenheit aller zur Aufführung gebracht wurde: Der Spieler wechselt zu seinem Wunschclub Real Madrid, und Werder Bremen macht, auch wenn über die Ablösesumme offiziell Stillschweigen herrscht, doch noch ein gutes Geschäft. Man darf davon ausgehen, dass Real an die 15 Millionen Euro an die Weser überweist.

Die Wechselposse um Özil hätte aber auch nicht mehr lange weitergetrieben werden können, sie hatte zuletzt geradezu absurde Züge angenommen. Beinahe im Stundentakt jagte zuvor eine neue Spekulation in Sachen Özil die andere. Die gängigen Großclubs vom FC Barcelona über Manchester United bis hin zu Real Madrid wurden von der meldefreudigen spanischen Presse in den vergangenen Wochen als potentielle Özil-Käufer gehandelt.

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Mesut Özil: Vom Pott über Werder zu Real

Foto: Christof Koepsel/ Bongarts/Getty Images

Auf der anderen Seite verkündete Werder-Manager Klaus Allofs das Mantra des Vereins: Nein, es liegt kein neues Angebot vor, ja, es gibt ein Angebot, aber das ist zu niedrig, nein, es gibt keinen neuen Sachstand. Am Ende hatte sich ein festverwobenes Konglomerat aus Gerüchten, Halbwahrheiten und Fakten etabliert, bei dem kaum noch auseinanderzuhalten war, was Realität und was Verhandlungstaktik war und was als reine Spekulationsblase abgetan werden konnte.

Özil selbst war in den vergangenen Tagen komplett abgetaucht und sagte gar nichts mehr dazu. Wortlos rauschte er an den Journalisten vorbei, die immer dieselben Fragen stellten. Was ist mit Real Madrid? Was mit Barcelona? Ist Chelsea auch noch im Rennen? Andere Themen rund um Werder Bremen schien es nicht mehr zu geben. Der Rest der Mannschaft reagierte am Dienstag entsprechend genervt auf die Personalie. "Mesut war schon ein Spieler, der für uns wichtig war. Aber das Leben geht weiter. Gut, dass jetzt endlich Ruhe ist", sagte Kapitän Torsten Frings.

Ende der Fragerei wegen des Genua-Spiels

Der Zeitpunkt, zu dem der Wechsel jetzt verkündet wurde, kam nicht mehr überraschend. Denn die ganze Fragerei musste bis zum Mittwoch um 20.45 Uhr ein Ende haben. Dann spielt Werder im Weserstadion in der Champions-League-Qualifikation gegen Sampdoria Genua (Liveticker SPIEGEL ONLINE). Wäre Özil dort für Werder aufgelaufen, hätte er in der diesjährigen Champions-League-Saison für keinen anderen Verein mehr spielen dürfen. Bremen hätte damit in Kauf genommen, dass der Marktwert ihrer Geldanlage Özil von jetzt auf gleich rapide gesunken wäre. Ein Szenario, das dem Verein nicht gefallen konnte.

Dass es dazu letztlich nicht kam, ist dem kaufmännischen Verstand und dem Verhandlungsgeschick von Klaus Allofs zu verdanken. Angeblich hatte Real den Bremern neun Millionen Euro Ablösesumme angeboten, die Allofs umgehend als "inakzeptabel" bezeichnete. Im Frühjahr hat Werder schließlich noch von Transfersummen in Höhe von 20 Millionen Euro für seinen Mittelfeldspieler geträumt. Die Meldung, Real habe das Angebot anschließend noch einmal nachgebessert und auf 14 Millionen Euro aufgestockt, wurde von Allofs noch, kurz bevor der Wechsel perfekt war, dementiert. Der Bluff gehört zum Poker dazu.

Diego kein Thema in Bremen - oder?

Allofs hat das alles schon einmal mitgemacht, als im Vorjahr beim Abgang des brasilianischen Spielgestalters Diego das Spielchen um den künftigen Verein schon einmal gespielt wurde. Diego wechselte schließlich für eine Ablösesumme von 24,5 Millionen Euro zu Juventus Turin. Allofs hatte alles richtig gemacht - so wie jetzt bei Özil.

Werder aber braucht nach dem Wechsel seines Spielmachers jetzt einen neuen Regisseur. Da trifft es sich, dass Diego nach einem verkorksten Jahr in Turin zurück in die Bundesliga will. Für Werder ist der Mann laut Allofs aber kein Thema. "Die Gehälter können wir nicht zahlen. So reizvoll es ist, wirtschaftlich ist es nicht möglich."

Die nächste Pokerrunde ist eröffnet.

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