Oliver Kahn "Größter Druck, den ich je aushalten musste"


Oliver Kahn & Co. jubeln
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Oliver Kahn & Co. jubeln

Wie ist Ihr Befinden nach der letztlich doch noch erfolgreichen WM-Qualifikation?

Oliver Kahn:

Die Erleichterung ist natürlich riesengroß. Ich habe in meiner Karriere schon viel erlebt. Das war aber heute der größte Druck, den ich je aushalten musste. Ich bin froh, dass die Mannschaft in so imposanter Art aufgetreten ist.

Wie erklären Sie sich den Unterschied zu so mancher anderer Vorstellung in der Vergangenheit?

Kahn: Jeder war so an der Ehre gepackt, eine Topleistung zu bringen. Keiner wollte den Makel haben, zu den Spielern zu gehören, die sich als erste deutsche Mannschaft nicht für eine WM qualifiziert hat.

Warum konnte die Mannschaft zum Beispiel gegen Finnland dieses Potenzial nicht abrufen?

Kahn: So wie nach dem England-Spiel auf der Mannschaft herum getrampelt wurde, in teilweise unwürdiger und Menschen verachtender Form, hat das möglicherweise seine Spuren hinterlassen. Wenn man nur auf die Fresse bekommt, vergeht einem manchmal der Spaß, zur Nationalmannschaft zu fahren.

Wie bewerten Sie den positiven Ausgang der Playoffs für die Entwicklung der Mannschaft?

Kahn: Die Mannschaft ist regelrecht explodiert. Das war eine Initialzündung. Ich glaube, wir stehen vor ganz guten Zeiten. Die vergangenen Tage haben die Mannschaft noch mehr zusammengeschweißt. Jeder hat bewiesen, dass er eine solch schwierige Situation meistern kann. Das ist gut für das Selbstvertrauen und die Entwicklung dieser Mannschaft. Unser Vorteil ist, dass wir jetzt in Ruhe arbeiten können.

Hat sich die Blockbildung mit fünf Leverkusener Spielern in der Anfangsformation positiv ausgewirkt?

Kahn: Man hat gesehen, was es bei den Spielern bewirkt, wenn sich ihre Mannschaft für die zweite Gruppenphase der Champions League qualifiziert hat. Das bewirkt etwas im Kopf und setzt neue Kräfte frei.

Welchen Anteil hat DFB-Teamchef Rudi Völler an diesem Erfolg?

Kahn: Er hat einiges bewirkt und sorgt zudem für eine gute Stimmung in der Mannschaft. Er hat die schwierige Aufgabe gerade in den vergangenen Tagen mit einer erstaunlichen Ruhe und Gelassenheit gelöst.

Aufgezeichnet von Jürgen Zelustek, sid



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